Anzeige:
Anzeige:
Anzeige

Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Editorial

Sehr geehrte Leserinnen,
sehr geehrte Leser,

wer die Nachrichten der letzten Wochen vor allem aus den USA verfolgt hat, wird sich wohl zuweilen an dem alten Spaß „Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“ festgehalten haben.

Die Entwicklung jenseits des großen Teichs von schlimm über katastrophal zu apokalyptisch war nicht zuletzt deshalb so schockierend, weil es bei uns in Deutschland zwar Probleme gibt – wann gibt es die nicht? – aber man von einer Krise doch weit entfernt ist. In den USA ging mit Bear Stearns eine der renommierten Investmentbanken ebenso über die Wupper wie mit Indy Mac die größte unabhängige Hypothekenbank. Mit Merrill Lynch und vor allem Lehman Brothers gelten zwei Aushängeschilder der Wall Street als stark gefährdet. Mit Oaktree wurde eine der in Deutschland so gefürchteten Heuschrecken selbst von der Krise getroffen. Oaktree hatte bei der Ausgliederung des zur richtigen Bank entwickelten Autofinanzierers GMAC aus dem General Motors Konzern die Mehrheit an der Bank übernommen. Jetzt werden wohl dreistellige Millionenbeträge zur Rettung gebraucht, weil sich auch GMAC im Immobiliengeschäft eine blutige Nase geholt hat. Die US-Wirtschaftspolitik steckt unterdessen in dem lähmenden Dilemma, gleichzeitig Inflation und Abschwung bekämpfen zu müssen. Der vorläufige Schlusspunkt ist die de facto Verstaatlichung der Hypotheken-Finanzierer Freddie Mac und Fannie Mae, mit der die Staatsschulden mal eben übers Wochenende per Federstrich um 1,5 Billionen (d. h. 1.500 Mrd.) USD steigen. Das ist das Volumen der umlaufenden Anleihen der beiden.

Bei uns: business as usual – obwohl doch bisher die Regel galt: Wenn die US-Wirtschaft einen Schnupfen hat, bekommt Europa die Lungenentzündung. Daher schauen die Fachleute immer wieder mit gespannter Aufmerksamkeit auf den Deich, der als Schutz gegen das Überschwappen der US-Krisen nach Europa gebaut wurde: den Euro. Die gute Nachricht lautet: Er hält. Diese doch recht neue Erfahrung verunsichert zumindest diejenigen, die sich an andere Zeiten erinnern. Das Gefühl „da muss doch noch was kommen“ verschwindet nicht so leicht und lässt die Lage so unwirklich erscheinen.

Glaubt man den Fachleuten der Außenpolitik, trügt dieses Gefühl auch nicht, denn bei ihnen gilt als ausgemachte Sache, dass die seit dem Ende des Kalten Krieges bestehende US-Vorherrschaft dem Ende zugeht, wenn auch unklar ist, was folgt. Mit Schlagworten wie „variable Geometrie“ wird die Ratlosigkeit derzeit überdeckt. Sicher ist aber, dass solche Machtverschiebungen auch immer die Währungspolitik und das Gefüge der internationalen Märkte gründlich verändert haben, zuletzt durch die Ablösung des Pfundes durch den Dollar als Ankerwährung. Derzeit werden die Karten ganz neu gemischt. Wer damit dann welches Spiel mit wie viel Aussicht auf Erfolg versucht, werden wir schon noch zu sehen bekommen.

Ihre

Dorothee Schöneich



Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: