Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
richtige Krisen sind Zeiten, in denen Entscheidungen über langfristige Trends fallen, in denen Altes zerstört wird und Neues seinen Anfang findet, weil alles durch den Druck der schwierigen Verhältnisse auf Tauglichkeit geprüft wird. Und genau so eine historische Wendemarke scheint erreicht, wenn man dem gesammelten Sachverstand der US-Geheimdienste glauben darf. In ihrer gerade veröffentlichten Langfristprojektion „Global Trends 2025“ kündigen sie dem kommenden Präsidenten Obama das Ende der unangefochtenen Vorherrschaft der USA an, die der wirtschaftlich starken Konkurrenz der aufstrebenden Mächte Russland, China und Indien Tribut zollen müssen. Schlimmer noch: Der USDollar wird demnach seine Stellung als zentrale Ankerwährung für das Weltwährungssystem verlieren. Die USA blieben zwar nach wie vor die wichtigste Figur auf der internationalen Bühne, die alles überwölbende Dominanz gehe aber zu Ende. Was davon bis 2025 Realität wird, werden wir sehen. Mit dieser Ankündigung des Abschieds vom bisherigen Dollar-System breitet sich aber schon jetzt der Vertrauensverlust als Kern der Finanzmarktkrise von den Märkten auf die Politik aus. Denn hinter dieser Ablösung steht ein Misstrauensvotum gegenüber den USA, nicht nur ihrer Währung.
Wo so viel ins Rutschen kommt, bleibt nichts unhinterfragt. Kein Wunder also, dass derzeit allenthalben nach der Zukunft von Branchen und Produkten gefragt wird. Allein der Zukunft des geschlossenen Fonds wurden in den letzten Wochen gleich mehrere Veranstaltungen gewidmet. Die Antworten sind am Ende des Tages ziemlich klar und einfach: Vor dem Hintergrund der allgemeinen Verunsicherung und des stark gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses werden Produkte gesucht mit einem (möglichst an-)fassbaren Basisinvestment und transparenter, leicht nachvollziehbarer „Verpackung“.
Vertriebshemmende Negativmerkmale sind komplizierte, mehrstöckige Konstruktionen („...der Fonds investiert in Zertifikate, die verschiedene Portfolios abbilden ...“), die Verwendung der Rendite Makeups wie hohe Fremdfinanzierungen und Finanzierungen in fremder Währung. Der Zwang zu solchen kalkulatorischen Kunststücken ist ohnehin nicht so groß: Anleihen rentieren schon seit längerem um 4 %, die Aktien sind ein Desaster und die handelbaren Immobilien haben mit den jüngsten Schließungen offener Immobilienfonds an Attraktivität eingebüßt. Die Ausrede „der Vertrieb fordert 7 (8) % Ausschüttung“ zieht da nicht. Schließlich würde auch kein Initiator auf die Forderung „für jeden Mitarbeiter einen Porsche“ eingehen. Ehrlich währt am längsten, sagt der Volksmund und die Strecke der gescheiterten Initiatoren belegt es. Ehrlich und realistisch gerechnete 6 % sind allemal besser als eine 8 oder 9 im Prospekt mit nachfolgender Pleite. Krisenzeiten sind auch Gelegenheiten, ein wenig Bescheidenheit zu üben.
Ihnen und Ihren Lieben wünschen wir ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr – möge es Gesundheit, Glück und viel Erfolg mit sich bringen!
Ihre
Dorothee Schöneich