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Editorial

Dorothee SchöneichDorothee Schöneich

Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

die schwere Krise bringt auch einige ziemlich üble Sumpfblüten hervor. So manchem Finanzdienstleister sind die realen Nachrichten nicht schlecht genug, da wird zum Nutzen des eigenen Umsatzes noch draufgepackt mit Schauermärchen und die ohnehin angeschlagene Stimmung noch tüchtig weiter nach unten getreten.

Das am häufigsten gebuchte Gespenst ist die ausufernde Staatsschuld. Der simple Plot: Die Belastungen berechnen, die „unsere Enkel" auf sich nehmen müssen, um die Schulden zu tilgen. Das ist natürlich völliger Blödsinn, weil Staaten ebenso wie Unternehmen nur in extremen Ausnahmesituationen ausschließlich mit Eigenmitteln finanziert werden. Will sagen: Sie sind vernünftigerweise nie schuldenfrei, weil weder Staaten noch Unternehmen einen Ruhestand kennen, zu dessen Beginn sie schuldenfrei sein sollten. Es kann also allenfalls darum gehen, ob die laufenden Belastungen noch zu den Steuereinnahmen passen und um die immergrüne Frage, ob veränderte Fremdkapitalquoten den Gesamtaufwand reduzieren könnten. Die Vorstellung, dass die Staatsschulden endgültig getilgt werden, ist für sich genommen so intelligent wie die Mär vom Klapperstorch. In die Praxis umgesetzt, wäre eine echte Tilgung in fühlbarem Umfang sogar ein sicherer Auslöser für die nächste schwere Krise. Wer es nicht glaubt, schaue sich die Bilanzen der Versicherungen an. Und wer es dann noch nicht verstanden hat, sollte mit den Asset Managern der Assekuranz reden.

Der Kompagnon dieser Figur ist die „Krise" des hierzulande ungeliebten Euro, dem völlig sinnfreie Existenzbedrohungen just in dem Augenblick angedichtet werden, in dem das Euromodell von Lateinamerika bis Asien als Blaupause einer besseren Währungspolitik dient.

Schaut man hinter die düsteren Untergangsszenarien, geht es dann auch „nur" ums Verkaufen.

Schlimmer ist die Konsequenz, dass mit solchen Untergangsphantasien eine Fortsetzung der Krise geradezu herbeigeredet wird. Wer sich dafür entschieden hat, von Schwarzmalerei zu leben, muss in erster Linie eine Verbesserung der Lage fürchten. Konjunktur ist nun aber zu einem großen Teil „Psychologie", also eine Frage der Stimmung und die wird mit diesen Schauergeschichten immer weiter kaputt geredet. Das liegt weder im Interesse der Finanzbranche noch in dem ihrer Kunden, denn gute Umsätze gibt es doch immer nur dann, wenn auch die Lage und die Stimmung gut sind.

Und zu einer besseren Stimmung können und müssen wir alle gemeinsam beitragen, denn „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es"! In diesem Sinne: Kopf aus dem Sand, Augen auf und durch!

Herzlichst

Ihre

Dorothee Schöneich


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