Editorial
Dorothee SchöneichLiebe Leserinnen,
liebe Leser,
der Tod von Heinz Gerlach wird die Branche verändern. Zumindest wird es in Zukunft leiser und weniger unterhaltsam zugehen ohne den streitlustigen Verfechter von Anlegerrechten. Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass er die Beteiligungsbranche stärker geprägt hat als irgendjemand anderer. Die Standards im Geschäft mit den Beteiligungsmodellen von der Prospektierung bis zur Rechenschaft über die Ergebnisse durch Leistungsbilanzen sind von ihm auf den Weg gebracht worden. Ohne sein Engagement sähe die Branche wesentlich anders aus.
Sein einfaches und allseits wohl auch unbestrittenes Grundprinzip hieß: Wer mit fremdem Geld wirtschaften will, soll seine Leistungen und sein Können unter Beweis stellen. Denn Geld verlieren die Anleger bei zwei Gruppen von Initiatoren: Bei den Gaunern und den Dilettanten. Diese beiden Spezies wollte er vom Markt fernhalten. Letztlich zielte sein Engagement darauf, Transparenz für eine Produktklasse herzustellen, die bis heute darunter leidet, dass der nur rudimentäre Zweitmarkt nicht stark genug ist, die bei anderen Produktgruppen durch den Zweitmarkt hergestellte Transparenz und Disziplin zu vermitteln. Was „der Markt“ nicht schafft, muss eben durch Regulierungen und/oder Institutionen erreicht werden. Und genau in diesem Punkt hat Gerlach Bleibendes geschaffen.
Durchschlagskraft seines Formats können freilich nur Überzeugungstäter entwickeln, die sich auch für Nebensächliches ohne taktischen Vorbehalt schlagen. Man denke nur an seinen sachlich fragwürdigen, halsstarrigen Kampf gegen die Renditeangaben. Ähnlich humorlos müssen die Inquisitoren der Kirche vorgegangen sein gegen das, was sie für Häresie, Hexerei und Unglauben hielten.
Wohl jedes Prinzip führt sich am Ende aber selbst ad absurdum, wenn es mit eiserner Konsequenz auf die Spitze getrieben wird. So auch hier: Gerlachs Konsequenz führte ihn in wirtschaftliche Probleme. Er konnte seiner selbstgestellten Aufgabe nur treu bleiben, indem er sich auf umstrittene Finanzierungskonzepte einließ, die ihn selbst angreifbar machten. Hier hatte er seinen blinden Fleck, hier stand er sich selbst im Weg. Das hat am Ende seine Wirksamkeit begrenzt. Es schmälert aber nicht seine Leistung. Er wird fehlen.
Herzlichst Ihre
Dorothee Schöneich







