Erneuerbare Energien
Effizienz in der Nachhaltigkeit
© Foto: Sergej Khackimullin - Fotolia.comDie Menschen leben über ihre Verhältnisse – die weltweiten CO2-Emissionen haben ein Rekordniveau erreicht. Der Handlungsbedarf in den kommenden Jahren ist immens. Investoren nachhaltiger Klimawandel- und erneuerbare Energien-Fonds könnten auf der Sonnenseite stehen. Momentan verhageln allerdings die Solar- und Windbranche die Bilanzen.
Erneuerbare Energien als Heilsbringer? Der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum und die immensen Umweltprobleme, besonders in den sich entwickelnden Ländern, sind massive Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Atomkatastrophe in Fukushima, beinahe schon in Vergessenheit geraten, hat letztlich zur Energiewende beigetragen. Nun sind alle Beteiligten eifrig bemüht, einen Energiemix hinzubekommen, so dass wir „sicherer“ leben können. Eigentlich keine neue Erkenntnis. Vor den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels warnten Wissenschaftler schon vor einigen Jahren. So genannte New Energy Fonds erlebten in diesen Zeiten einen wahren Hype. Alles was irgendwie „grün“ anmutete, wurde massiv beworben und letztlich auch nachgefragt. Die Fondsindustrie hat bereits vor einer Dekade diese Entwicklung antizipiert und entsprechende Produkte aufgelegt. Der New Energy Fund von Sarasin wurde im Dezember 2000 als Europas erster europäischer Fonds mit Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien aufgelegt. Die Performance 2011 ist allerdings sehr enttäuschend. Im Vergleich zum DAX als Benchmark, hat der Fonds acht Prozentpunkte verloren. Leider keine Ausnahme, vielmehr Spiegelbild des Segments.
„Die New Energy Fonds haben dieses Jahr insbesondere durch die schwache Performance des Sektors erneuerbare Energien gelitten. Nach dem starken Expansionstempo der vergangenen Jahre leidet dieser Sektor unter Überkapazitäten und damit einhergehend Preisdruck“, konstatiert Dr. Thiemo Lang, Fondsmanager des SAM Smart Energy Fonds. Anders formuliert: Was vor Jahren noch undenkbar schien, ist in greifbare Nähe gerückt – die Wettbewerbsfähigkeit zu herkömmlichen Energieträgern und dies ohne Subventionen.
Wind und Solar „out“, Energieeffizienz „in“. Besagte Überkapazitäten haben zu einem Preiszerfall und damit zu tieferen Margen bei Windturbinen- und Photovoltaikproduzenten geführt. Deutschlands Solarfirmen ging es über Jahre außerordentlich gut – jetzt plötzlich steht die Branche vor harten Einschnitten. Eben noch profitierten die „Sonnenkönige der Republik“ von großzügiger Förderung und enormen Wachstumsraten – jetzt spüren sie den Druck der Marktwirtschaft. Wer sich strategisch nicht schnell genug neu positioniert, könnte vom Markt verschwinden. Pascal Dudle, Portfoliomanager des Vontobel Fund – Global Trend New Power, verweist auf die Konsolidierungsphase und hält fest: „Die Marktkonsolidierung wird unseres Erachtens weiter andauern, die Industrie wird insgesamt aber gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Die bisher starke Abhängigkeit von Europa wird sich weiter reduzieren, gleichzeitig wird der Sektor erneuerbare Energien auf den anderen Kontinenten weiter wachsen.“ Dr. Lang fasst es pointiert zusammen: „Die Einspeisetarife sollen doch nur als Anschubhilfe dienen und nicht zur Aufrechterhaltung permanenter Subventionsindustrien“.
Demgegenüber sind Investitionen, die vermehrt in Energieeffizienz als eigenständige Anlageklasse getätigt werden, gefragt. Ein Schlüssel zur Überwindung sowohl der Klima- als auch der Wirtschaftskrise ist nämlich eine ambitionierte Energieeffizienzstrategie. Denn Energieeffizienz zahlt sich dreifach aus. Sie schafft neue Arbeitsplätze durch mehr Investitionen. Sie senkt die Emission von Treibhausgasen deutlich. Und sie entlastet Haushalte und Unternehmen von hohen Energiekosten. Diese Ansicht teilen die Analysten von SAM. Der Bereich Energieeffizienz sei sehr breit aufgefächert, und ließe sich in die Unterbereiche Gebäudeeffizienz, Transportwesen und Industriesektoren aufteilen. Der große Charme im Bereich Energieeffizienz bestehe darin, dass sich viele Investitionen über die Jahre durch die daraus resultierenden Energieeinsparungen quasi automatisch rechnen – auch ohne staatliche Förderung oder Regulierung, bemerkt Dr. Lang. Energieeffizienzmaßnahmen verkörpern ein zentrales Standbein der Energiezukunft, so muss z. B. das Stromnetz den Anforderungen einer dezentralen Versorgung gerecht werden. „Wir erwarten deshalb, dass sich künftig moderne Stromnetze, sogenannte Smart Grids, im Markt etablieren“, fügt Fondsmanager Dudle an.
Zukunftsmarkt Asien. Was wäre unser Kontinent ohne den boomenden asiatischen Markt? Ein Blick auf die Fakten bestätigt diesen Eindruck. Der Nettogewinn des chinesischen Kraftwerksbetreiber China Power Energy Development ist 2010 um satte 74 % auf 234 Mio. Yuan gestiegen. Chinas Stromverbrauch erklimmt fortwährend Allzeithochs. Folglich spielt der asiatische Markt für New Energy Fonds eine gewichtige Rolle. Experten sind sich darüber einig, dass der asiatische Anteil in den Portfolios über die nächsten Jahre tendenziell weiter ansteigen wird.
Fazit. Klimawandel und erneuerbare Energien-Fonds ermöglichen Investitionen in klimafördernde Branchen und Prozessstrukturen. Gleichwohl muss der Investor feststellen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen und insbesondere erneuerbare Energien-Fonds in diesem Jahr unter die Räder gerieten. Der Trend hat sich dabei von Sonnen- und Windstrom zu Bereichen wie Energieeffizienz verlagert.
„Kaum Sonnenschein im Depot“
Subventionskürzung gepaart mit einer wenig erfreulichen Performance. Die Aussichten für erneuerbare Energien-Fonds sind nicht himmelblau und rosig. Ist ein Einstieg trotzdem ratsam und wenn ja, in welchem Bereich? finanzwelt befragte Jon Sigurdsen, Manager des DNB Renewable Energy und des DNB NOR ECO Absolute Return, nach der Marktmeinung.
finanzwelt: Die weltweiten CO2-Emissionen steigen auf Rekordniveau. Handlungsbedarf besteht, gleichfalls haben Investoren mit erneuerbare Energien-Fonds wenig zu lachen. Wie beurteilen Sie die Marktaussichten in diesem Segment?
Sigurdsen: Wer in unseren „DNB ECO Absolute Return“ investiert hat, kann sich seit Jahresbeginn über mehr als 15 % positiven Wertbeitrags freuen. Aber es gibt schon viele Herausforderungen parallel zu meistern. Die Liste der makroökonomischen Unsicherheiten wird immer länger, der Zugang zur Projektfinanzierung gestaltet sich schwieriger. In diesem Umfeld kommt es einmal mehr auf die Sektoren- und Titelselektion an.
finanzwelt: Zielunternehmen ihrer Fonds DNB Renewable Energy Fund (ISIN: LU0302296149) und DNB ECO Absolute Return (ISIN: LU0547714286) haben Infrastruktur zum Stromtransport als Geschäftsfeld. Können Sie uns hier zu ein Beispiel geben und welche Zukäufe haben Sie letztens getätigt?
Sigurdsen: Richtig, denn viele Regierungen haben Programme zum Ausbau der Energie-Infrastruktur verabschiedet. Hiervon profitieren Anbieter von Leitungstechnik wie etwa die US-Firma General Cable, ebenso wie Unternehmen, die helfen, das Problem der Energiespitzen und -flauten zu bewältigen, wie die österreichische Verbund AG. Dieses Unternehmen haben wir seit Kurzem neu im Portfolio; es zählt in Europa zu den größten Stromerzeugern aus Wasserkraft.
finanzwelt: Inwiefern unterscheiden Sie sich in ihrer nachhaltigen Ausrichtung von Mitbewerbern?
Sigurdsen: Wir haben insgesamt vier Fonds mit explizit nachhaltiger Ausrichtung: unsere zwei erneuerbare Energien-Fonds „DNB Renewable Energy“ und „DNB ECO Absolute Return“ sowie zwei Nachhaltigkeitsfonds, den „DNB Global SRI“ und den „DNB Global Emerging Marktes SRI“. Was bei uns besonders ist: Das Thema Nachhaltigkeit hat in der gesamten DNB-Gruppe einen großen Stellenwert. Unsere Muttergesellschaft führte bereits im Jahr 1988 entsprechende Anlagekriterien ein. Unternehmen, die den transparenten ethischen Anlagerichtlinien nicht entsprechen, kommen grundsätzlich nicht für Investments infrage.
(Alexander Heftrich)







