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Persönlichkeiten 2005

Ein Award für die Branche

„Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bringen die Zeit in Bewegung” – Oskar Wilde –
Zum ersten Mal verlieh FINANZWELT eine Auszeichnung für ausgewählte Persönlichkeiten in der Finanzdienstleistung. Damit wollen wir die Arbeit dieser Menschen im Hinblick auf ihre gesellschaftlichen Leistungen anerkennen. Gleichzeitig soll...

hierdurch auch ein Zeichen gesetzt werden. Schließlich sorgen immer mehr qualifizierte Anlageberater und Vermittler dafür, dass die Bürger dieser Republik vor Risiken gefeit sind und für das Alter oder für Wechselfälle des Lebens vorgesorgt haben.

Das Hamacher-Privathotel im Defereggental, Österreich, war einfach auch ein schöner Rahmen für eine derartige Veranstaltung. Dieses Branchenevent war gleichzeitig ein Versuch! Zum ersten Mal trafen die Führungskräfte der wichtigsten Finanzvertriebe Deutschlands (siehe „Die ausgezeichneten Vertriebe”, S. 10) für zwei Tage aufeinander. Es wurde ein Miteinander daraus. Inmitten der traumhaften Frühlingslandschaft Osttirols, die von rund

50 Dreitausendern überragt wird, begeisterte die Teilnehmer der Ausflug mit den 15 nagelneuen Porsche Boxter S genauso wie der fachliche Teil mit Vorträgen und Diskussionen. Ob Beratungshaftung, Umsatzsteuerproblematik oder Defizite beim Image des Berufs als Finanzdienstleister – offen und direkt konnten Themen unter Profis erörtert und Lösungen überdacht werden.

Meinungen sorgen für mehr Entscheidungen als Paragrafen

In einem brillanten Vortrag ging dabei der namhafte Universitätsprofessor Dr. jur. habil. Karl-Georg Loritz auf die wichtigsten Themen der Rechtsprechung in der Finanzdienstleistung ein – ohne die oft einseitige, emotionale „Realität” an deutschen Gerichten auszulassen. „Viele Richter haben einfach viel zu wenig Erfahrungen über die Realität in der Finanzdienstleistung und gehen daher von sich als Anleger aus. Dies kann doch nur zum Nachteil für den Berater sein”, meinte er. Er warnte zudem vor juristischer Kaffeesatzleserei, mit der so mancher Rechts- oder Steuerberater glänzen wolle, sondern empfahl, den direkten Kontakt zu den Entscheidern in Deutschland zu pflegen. Auch zu Richtern, um diese für die Probleme und Nöte der Finanzdienstleister zu öffnen. Unausgesprochen wurde dabei klar, dass die politische Lobbyarbeit der Finanzdienstleister in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, wenngleich einzelne Aktivitäten, sei es vom Votum Verband oder vom Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft, zu würdigen sind.

Zukunft gestalten – Verantwortung übernehmen

„Diese nach unserer Einschätzung erst- malige Verleihung eines derartigen Awards für Persönlichkeiten in der Finanzdienstleistung hat eine kleine Geschichte”, stellte Michael Oehme in der Anmoderation heraus. „So haben wir in den letzten Jahren immer wieder erlebt, dass eigentlich jede mittelständische Branche dafür ausgezeichnet wurde, dass sie Arbeitsplätze schafft und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Nur die Finanzdienstleistung wird für das gleiche Engagement diskriminiert, teilweise kriminalisiert. Hiergegen wollen wir ein Zeichen setzen (siehe „Die Gründe für diesen Award”).” Doch Alfred J. Kremer – Geschäftsführender Gesellschafter Multiconsult GmbH – der vor einigen Jahren die Ursprungsidee für dieses Treffen hatte, geht fest davon aus, dass die freie Anlagebranche mit zunehmender Qualifizierung eine deutliche Imageverbesserung verdient hat und künftig in Augenhöhe mit Bankenvertrieb gesehen werden müsste. (siehe auch Interview auf Seite 12 f.)

Resumee

Um diese Entwicklungen zu unterstützen war der verliehene AWARD überfällig. Diese Branche hat es verdient. Der AWARD als Zeichen drückt gleichzeitig die Denkweise der von der Europäischen Handelskammer als bestes Finanzdienstleistungsmagazin ausgezeichneten FINANZWELT aus: Konstruktiv kritisch, aber gemeinsam mit der Branche. Und vor allem gegen Vorurteile, die es einem manches Mal so einfach machen.

Das Problem Umsatzsteuer

Die Regierung braucht Geld. Das will sie sich nun in Form von Umsatzsteuern bei Finanzdienstleistern holen. Mit Übergangsfrist bis zum 30.06.2005, vermutlich aufgrund des Treffens der Umsatzsteuerreferenten der Länder bis zum 31.12.2005 verlängert, sollen ab 01.01.2007 alle Provisionszahlungen für Investmentfonds und geschlossene Fondsbeteiligungen mit Umsatzsteuern belastet werden, bei denen der Vermittler keinen Kontakt zum Emittenten oder zum Endkunden hat. In der Folge würden alle Zwischenvermittler – wie beispielsweise bei strukturierten Vertrieben üblich – mit Umsatzsteuern belastet. Diese Vorgehensweise ist nicht nur völlig unverständlich, sie widerspricht zudem gängigem europäischen Recht. Aus diesem Grund arbeiten die Verbände seit Monaten daran, den hieraus entstehenden Wettbewerbsnachteil aufzuzeigen. Auch die ausländischen Investmentfonds, die verstärkt über freie Finanzdienstleister arbeiten, sehen in der Vorgehensweise eine bewusste Benachteiligung gegenüber der deutschen Konkurrenz, die zumeist über den Bankschalter und damit umsatzsteuerfrei abwickelt.

Die Gründe für diesen AWARD

Am Anfang war alles so schön einfach: Banken verkauften Kapitalanlagen, die Assekuranz Versicherungsprodukte. Den wirklichen Gewinn machten die Banken mit Sichteinlagen und Sparbüchern – Geld, das beim Kunden minimal verzinst von der Bank renditeträchtig investiert werden konnte; und die Versicherungen mit Kapitallebensversicherungen. Dazwischen gab es nur die Bausparkassenvertreter, die den Wunsch der Bürger nach den eigenen vier Wänden vermeintlich befriedigten.

Zu Beginn der 70er Jahre betrat dann mit Bernie Cornfeld – ein ehemaliger Taxifahrer und Playboy – ein Mann die Fondsbühne, der bevorzugt bundesdeutsche Anleger umgerechnet um fast eine halbe Milliarde Euro brachte. Dabei vermittelte er – und zahlreiche seiner Vertriebler – über seine Firma IOS (Investors Overseas Services) Fonds, die das eingesammelte Geld in Aktien, Fonds und Zertifikaten in von ihm selbst gegründeten Firmen investierte. Der Schwindel flog auf, Bernie kam ins Gefängnis und mag man die Geschichte noch so kritisieren – es war die Idee eines Vertriebs geboren, der sich außerhalb der Bank, den Versicherungen und Bausparkassen abspielte.

In den Folgejahren setzte sich in Deutschland das Konzept der Allfinanz durch. Bürger sollten möglichst aus einer Hand zu Hause unterschiedlichste Absicherungsleistungen, aber auch kapitalbildende Anlagen erhalten. Die ersten Analysen, noch in Form von Datenerfassungen, entstanden und entwickelten sich fort. Meist waren diese jedoch reine Verkaufsunterstützung. Die ersten Anlegerschützer kamen ins Spiel: Kritisiert wurde die Form der Vertriebsakquise, denn über Jahre konnte (nahezu) jeder in der Finanzdienstleistung starten – auch ohne große Vorbildung. Diese wurde zumeist ersetzt durch Verkaufsschulungen, bei denen Motivation vor Know-how stand. Auch die Produkte bzw. die Strategien wurden kritisiert: So wurden falsche Zielgruppen mit risikobehafteten Produkten bedient, die zudem extrem hoch provisioniert waren. Das wusste der Kunde jedoch nicht.

Was die „neuen” Finanzdienstleister oder Allfinanzberater jedoch geschafft hatten, war eine extreme Durchdringung der Gesellschaft mit Produkten, die in der Regel eine sinnvolle Alternative beispielsweise zur gesetzlichen Rente darstellten. Anders ausgedrückt: Ohne die Allfinanz hätten viele Bürger überhaupt nicht privat vorgesorgt und hätten somit heute große Probleme – was macht da schon das ein oder andere fehlende Prozent Rendite ...

Diese Zeiten sind vorbei. Die Ausbildungsqualität der meisten großen Vertriebe ist auf vorzeigbarem Niveau. Beispiel Deutsche Vermögensberatungs Aktiengesellschaft: Sämtliche hauptberuflichen Mitarbeiter durchlaufen einen umfassenden Karriereweg in den konzerneigenen Aus- und Fortbildungsstätten. Beispiel Futura Finanz: Auch hier müssen sich sämtliche Hauptberufler ausbilden lassen zum Fachberater für Finanzdienstleistungen mit einem Abschluss bei der Industrie- und Handelskammer. Aber auch im Research haben die Unternehmen zugelegt: Beispiel Allgemeiner Wirtschaftsdienst Hannover: Jedes Angebot durchläuft zunächst ein umfängliches Due Dilligence, bevor es in den Vertrieb aufgenommen wird. Eine Vielzahl von Produkten hat hierbei keine Chance. Beispiel Bonnfinanz: Die angebotene Vermögensanalyse lässt kaum Wünsche offen und schlägt von der Qualität und Transparenz her jede Bank. Zudem ist sie hinsichtlich der Lösungsansätze produktunabhängig. Für ein Konzernunternehmen ein mutiger, aber richtiger Schritt.


Persönlichkeiten 2005
...and the winners are
:

Alfred Wieder, Alfred Wieder AG

Rainer Thibaut, Ascent AG

Dr. Horst Steppi, AVA AG

Götz Wenker, AWD

Reinhard Schutte, Bonnfinanz AG

Dr. Reinfried Pohl, DVAG

Gerhard Ziegler,FG FINANZ-Service AG

Michael Turgut, Futura Finanz AG

Rudolf J. Schmitz,Global Finanz GmbH

Reiner Werner Beck, GROSSARDT AG

Michael Frahnert, OVB Vermögensberatungs AG

Peter Sissovics, UK-CONSULT AG

Hans-Peter Wolter, ZSH GmbH


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