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Öl- und Gasmarkt

Eine neue Welle blauäugiger Scheichs?

Der Traumberuf eines jeden ist es, Ölscheich zu sein. Was gibt es Schöneres, als durch Nichtstun Geld zu verdienen, nur weil Rohöl oder Gas aus der Erde sprudeln? Jetzt ist es wieder so weit. Die gegenwärtige Situation auf dem Markt der fossilen Brennstoffe erlaubt Ihrem Geld gute Anlagemöglichkeiten.

Im letzten Heft hat finanzwelt berichtet, dass Öl- und Gas-Explorationen große Chancen bei vergleichsweise geringen Risiken bieten. Das ist vielleicht der Grund, warum derzeit so viele Öl- und Gas-Beteiligungen angeboten werden. Es macht also Sinn, wenn wir uns detailliert mit diesem Marktsegment beschäftigen.

Die Hiobsbotschaften für die großen Ölkonzerne kamen Ende Juli: „Shell und Exxon brechen die Gewinne weg“, schrieb das Handelsblatt. „Billiges Öl frisst Exxon-Gewinn auf“, meldete die Nachrichtenagentur Reuters, „Gewinneinbrüche bei Ölgiganten“, titelte die Rheinische Post. Einbrüche der Nachfrage nach Öl meldeten im Juni auch die Industriestaaten – den 14. Monat in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Minus bei 5,5 %, so meldete die International Energy Agency (IEA), Paris.

Hiobsbotschaften für die Ölkonzerne sind gute Nachrichten für die Verbraucher: Der Ölpreis sinkt, vieles wird billiger. Doch welche Schlüsse müssen Investoren aus dieser Entwicklung ziehen? Sind Öl und Gas ein lohnenswertes Investment? Wie sind die Prognosen? Die Initiatoren formulieren jedenfalls viel versprechend. „Der Verbrauch an Erdöl und Erdgas hat weltweit kontinuierlich zugenommen. Auf globaler Ebene werden die fossilen Energieträger Öl und Gas im Energiemix mit 60 bis 70 % vorherrschend bleiben“, meint der Hamburger Initiator Nordic Oil. „Fallende Ölpreise sehen viele Analysten als eine eher vorübergehende Erscheinung und prognostizieren auch zukünftig weiterhin stark steigende Ölpreise“, so Kay Rieck, Geschäftsführer der Energy Capital Invest Verwaltungsgesellschaft mbH, Stuttgart. Auf die zum Teil heftigen Schwankungen des Gaspreises weist Kay Rieck hin: „Der Gaspreis schwankt täglich, manchmal sogar über 30 %. Das zeigt an, dass mit steigenden Ölpreisen zu rechnen ist. Das ist gut für die Ertragslage von Fonds“, erläutert Rieck weiter.

Stimmen diese Einschätzungen und Prognosen?

„Der Ölmarkt ist aufgrund der Finanzkrise und der gesunkenen Ölnachfrage derzeit entspannt“, sagt Dr. Claudia Kemfert. Sie leitet die Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und ist Professor of Energy Economics and Sustainability an der Berliner Privathochschule „Hertie School of Governance“. Nach ihrer Ansicht ist aber damit zu rechnen, dass die Ölnachfrage mit der verbesserten Wirtschaftslage wieder deutlich wachsen wird. „Selbst wenn es in den OECD-Ländern eine deutliche Ölnachfragereduktion durch Klimaschutz geben sollte, würde diese deutlich überkompensiert werden durch die Nachfragesteigerungen insbesondere Chinas und Indiens“, sagt sie. Diese Einschätzung teilen die Analysten der Feri Eurorating Services AG, Bad Homburg: „Mit einer Stabilisierung der Weltwirtschaft wird in den kommenden Monaten die Nachfrage nach Öl anziehen“, so Dr. Alexander Ruddies, Kapitalmarktanalyst bei Feri. Weil darüber hinaus in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit einer Angebotsverknappung zu rechnen sei, sollte der Ölpreis seinen Aufwärtstrend laut Ruddies merklich fortsetzen.

Mit dieser Entwicklung rechnet auch Monika Galba, Geschäftsführerin des Berliner Emissionshauses POC: „Aus dem Blickwinkel unserer Anleger stellt sich der Markt sehr positiv dar. Die Ära des relativ billigen, leicht aus dem Boden zu pumpenden Öls ist vorbei. Das führt zu hohen Renditen und zusätzlichem Gewinnpotenzial.“ Das bedeutet im Klartext, dass es zwar weltweit genügend Öl gibt, aber die Produktionskosten der neuen Reserven derart hoch sind, dass mit Ölpreisen unter 70 Dollar pro Barrel künftig nicht mehr gerechnet werden kann, denn dies sind meist allein schon die Produktionskosten für solche Explorationen. Der renommierte „International Herald Tribune“ stellte am 10. September in einem bemerkenswerten Bericht mit dem Titel „OPEC erwartet harmonische Verhältnisse auf dem Ölmarkt“ (OPEC ist die Organisation der erdölfördernden Staaten) fest, dass 70 Dollar pro Barrel Öl der „Goldilock“, also der Idealzustand für alle Marktpartner beim Öl ist. „Nicht zu hoch für Konsumenten – nicht zu günstig für Produzenten", schreibt das Blatt.

Die IEA rechnet in der zweiten Jahreshälfte 2009 deswegen bereits wieder mit einer höheren Ölnachfrage, begründet dies mit saisonalen Faktoren. Im kommenden Jahr könnte die Ölnachfrage dann wieder deutlich anziehen, so die Agentur. Neben der Nachfrage war laut Jahresbericht des Berliner Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) 2008 auch der weltweite Mineralölverbrauch zum ersten Mal seit 1992 rückläufig und lag mit 3,9 Milliarden Tonnen (28,5 Milliarden Barrel) um knapp 1 % unter dem des Vorjahres. Die Entwicklung in den großen Verbraucherländern verlief allerdings sehr unterschiedlich. So sank in den Industriestaaten der OECD die Nachfrage insgesamt um mehr als 3 %. Dagegen verzeichneten einige Schwellenländer, die bislang einen relativ geringen Pro-Kopf-Verbrauch aufwiesen, eine teilweise sehr starke Zunahme. Zu den Ländern mit starkem Wachstum zählen China, Indien und Brasilien. Mit 879 Millionen Tonnen (6.443 Millionen Barrel), das entspricht fast einem Viertel des gesamten Weltverbrauchs, blieben die USA der weltgrößte Ölkonsument.

Obwohl der Mineralölverbrauch insgesamt also rückläufig ist, folgen die
Initiatoren der Einschätzung der Fachleute, die glauben, dass
mit einer Zunahme des weltweiten Verbrauchs zu rechnen ist.

Doch wie steht es um die seit Jahrzehnten immer wieder beschworene baldige Endlichkeit der Ressourcen Öl und Gas? Gehen die Reserven wirklich in 40 Jahren zu Ende, wie immer wieder behauptet wird?

Die weltweiten Ölreserven erreichten 2008 laut MVW Jahresbericht mit 182 Milliarden Tonnen (1334 Milliarden Barrel) ein neues Rekordniveau. Bei der Berechnung dieser Reserven werden nur die Vorkommen berücksichtigt, die mit heutigen Techniken und zu heutigen Preisen wirtschaftlich gewinnbar und durch Bohrungen tatsächlich bestätigt sind. Trotz fortschreitender Ausbeutung der bekannten Felder sind die Reserven im letzten Jahrzehnt wegen kontinuierlicher Verbesserung der Technik laut MWV immer wieder nach oben korrigiert worden.

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