Wo sich investieren (noch) lohnt
Ergebnis der Befragung von Morningstar
„Hedgefonds werden Marktanteile stehlen“ so lautet die Überschrift der aktuellen Juni Umfrage der Ratingagentur Morningstar. Monat für Monat befragt die Ratingagentur 58 europäische Fondsgesellschaften nach deren Meinung. Die Fragen sind immer die Gleichen: Wie schätzen die Fondsgesellschaften die Entwicklung der Märkte, Devisen, Renten etc. in den nächsten 12 Monaten ein?
Hedgefonds und Japan
Zudem wurden diesmal Fondsgesellschaften zum Thema Hedgefonds befragt. Mit dem Ergebnis, dass 73 % der europäischen Fondsgesellschaften befürchten, dass die alternativen Investments die traditionellen Publikumsfonds verdrängen. 54 % geben zudem an, bereits Marktanteile eingebüßt zu haben. Ralf Lochmüller, Geschäftsführer von Lupus Alpha – Lupus Alpha bietet einen Single-Hedgefonds an – sieht dies jedoch anders. „Wir glauben nicht, dass Gelder aus diesem Bereich abgezogen bzw. sich eine Konkurrenz aufbauen wird. Beide Anlageklassen verstehen wir als eine gute Beimischung zu einem breit diversifizierten Portfolio.“ Für ihn sind Hedgefonds eine vielversprechende und notwendige Anlageklasse. „Mit Hedgefonds kann man in der Regel eine höhere Rendite erzielen, somit sollte sich dieses Produkt für den Investor lohnen“, sagt er. Doch auch hier gehen die Meinungen auseinander.
Optimismus überwiegt
Ansonsten ist die Stimmung gut bei den Fondsgesellschaften, denn immerhin 70 % (siehe Tabelle 1) der Befragten gehen davon aus, dass der MSCI-Welt-Index in den kommenden 12 Monaten einen Wertzuwachs von 5 bis 10 % erreichen wird. Allerdings hat sich die Zahl der „bullischen“ Marktteilnehmer im Vergleich zum Vormonat verkleinert. Denn im Mai gingen noch 25 % der befragten Fondsgesellschaften davon aus, dass der MSCI-Welt-Index in den kommenden 12 Monaten um mehr als 10 % steigen wird. Im Juni waren es lediglich 16 %, ein Rückgang um 9 Prozentpunkte. Interessant ist zudem, dass 61 % der Befragten im kommenden Jahr auf Large-Cap-Fonds setzen, Small-Cap-Fonds spielen hingegen, mit einer Befürwortung von 9 %, eine untergeordnete Rolle.
39 Prozent glauben an den Yen
Aufschlußreich waren auch die Ergebnisse zur Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Währungen (siehe Tabelle 2). „Meiner Meinung nach dürfte der japanische Yen die stärkste Währung auf Sicht eines Jahres sein, da es weiter Anzeichen einer erstarkten Binnennachfrage gibt und die Leistungsbilanz sehr ordentlich aussieht“, sagt Percival Stanion, Leiter der Strategic Policy Group von Baring Asset Management in London. Dieser Beurteilung folgten die Mehrheit der Fondsmanager. Ganze 39 % glauben, dass der Yen sich im Laufe des nächsten Jahres am besten entwickeln wird. Ganz im Gegenteil zum US-Dollar. Hier hat sich der Wert der Pessimisten zwar verringert. So glaubten im Mai ganze 58 %, dass sich der Dollar am schlechtesten entwickeln werde. Im Juni waren es dann immerhin noch 55 %. Die Prognosen sehen dennoch ziemlich düster aus. Zwar haben gestiegene Nettokapitalzuflüße aus dem Ausland den US-Dollar gestützt. Der Großteil der Experten schätzt diese Entwicklung jedoch eher als temporär ein. Doch es gibt auch Optimisten, die glauben, dass sich aufgrund des robusten Wirtschaftswachstums und den beginnenden Zinserhöhungen der Abwärtstrend des US-Dollar dem Ende nähert. „Was das britische Pfund angeht, sollten nächstes Jahr um diese Zeit die Leitzinsen in Großbritannien ihren Höhepunkt erreicht haben, mit der Folge, dass die strenge Geldpolitik gelockert werden wird. Das wird dazu führen, dass das britische Pfund, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die anderen Notenbanken (EZB und Japanische Notebank) ihre Leitzinsen erhöhen werden, anfällig sein wird“, erklärt der Baring Experte weiter. Eine ähnliche Einschätzung haben auch seine Kollegen, denn auch sie gehen davon aus, dass sich das britische Pfund eher schlechter als besser entwickeln wird. Am weitesten liegen die möglichen Entwicklungsverläufe jedoch beim Euro auseinander. So glaubten im Juni zwar 32 % der Befragten, dass sich der Euro in den kommenden zwölf Monaten am besten entwickeln wird, gleichzeitig gehen jedoch 21 % auch davon aus, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Vergleicht man zudem den Euro mit dem Dollar, stellt man fest, dass der Dollar im Juni im Vergleich zum Vormonat 7 % an Attraktivität gewonnen hat, der Euro hingegen um 6 % an Wertschätzung verloren hat.
Zinsen rauf - was tun?
Und Morningstar ging der Frage nach, welche Laufzeiten die europäischen Fondsgesellschaften bei ihren Rentenpapieren bevorzugen, um damit auf zu erwartende Zinserhöhungen zu reagieren. Mittlerweile hob Alan Greenspan, der Chef der US-Notenbank den maßgeblichen Zinssatz um 25 Basispunkte auf nun 1,25 % an. Experten rechnen zudem mit weiteren Zinserhöhungen in kleinen Schritten auf 1,75 bis 2 % zum Jahresende und auf bis zu 3 % bis Ende 2005. Den meisten Erfolg versprechen deswegen kürzere Laufzeiten, sagen 65 % der Fondsmanager (siehe Tabelle 3). Doch es gibt auch andere Meinungen. „Das Konjunkturumfeld in Euroland ist weiterhin sehr verhalten, da die Verbesserungen lediglich zyklischer und nicht struktureller Natur sind,“ sagt Martin Demmel, Rentenfondsmanager bei Activest. Deshalb erwartet er nur einen geringen Anstieg der langen Renditen und damit nur geringe Kursverluste. Das zeige auch das Renditenniveau der 10-jährigen Bundesanleihen, die trotz aller Diskussionen um Zinserhöhungen, Geldpolitik und Wachstum mit 4,30 % exakt auf dem Niveau von Jahresanfang läge. „Die Zinsstrukturkurve wird weiterhin steil verlaufen“, erläutert Demmel weiter. Das bedeutet, dass längere Laufzeiten unverändert von ihrer höheren laufenden Verzinsung profitieren werden. Grund: Der Zinsabstand von zwei- gegenüber zehn- jährigen Bundesanleihen liegt bei derzeit 162 Basispunkten. „Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass die nur geringen Kursverluste den Renditevorteil und die Vorteile aus der Laufzeitenabschmelzung, dem so genannten "roll down" geringfügig schmälern. Lange Laufzeiten sollten somit insgesamt besser abschneiden.“
In Japan geht wieder die Sonne auf
Eindeutiger ist die Meinung der Fondsgesellschaften bei der Frage, welcher Markt sich in den nächsten 12 Monaten am besten entwickeln wird (siehe Tabelle 4). Ganze 44 % der Befragten glauben, dass Japan der Markt des nächsten Jahres ist. Das ist noch ein besserer Wert als im Mai, als 43 % dieser Meinung waren. Damals waren 60 % der befragten Fondsmanager der Ansicht, der MSCI-Japan-Index würde in den kommenden 12 Monaten zwischen fünf und 15 % zulegen und 26 % gingen sogar von einer Steigerung von über 15 % aus. Deswegen hatten auch bereits 57 % der Manager japanische Titel übergewichtet. Doch wie lauten die Gründe für diese optimistische Einschätzung? Japans Wirtschaftswachstum hat sich zwar zu Jahresbeginn leicht abgeschwächt, ist aber immer noch stärker ausgefallen als erwartet. Auf das Jahr hoch gerechnet ergäbe sich ein Plus von 5,6 %. Zudem ist die bisher von Export und den Unternehmensinvestitionen getragene Erholung auf den privaten Konsum übergesprungen, der gut die Hälfte der wirtschaftlichen Leistung des Landes ausmacht. Des weiteren sind die Kapitalinvestitionen im ersten Quartal des laufenden Kalenderjahres um 2,4 % gestiegen, die Verbraucherausgaben um 1 % und die Arbeitslosigkeit ging auf 4 % zurück. Diese guten Nachrichten kommen alle aus einem Land, das vor kurzem noch als ein hoffnungsloser Fall galt. „Die großen japanischen Konzerne haben auch in den Krisenjahren die Chancen der internationalen Arbeitsteilung konsequent genutzt, indem sie nicht mehr wettbewerbsfähige Arbeitsplätze in die Nachbarländer exportiert haben und die Investitionen auf Erfolg versprechende Absatzmärkte im Ausland konzentriert haben“, sagt Rainer Vermehren, der Fondsmanager des DWS Japan-Fonds. Somit erwies sich, was vorher als Gefahr einer industriellen Aushöhlung diskutiert wurde, als wichtiger Grundstein für die aktuelle Erholung. Denn Japan profitiert derzeit gleichzeitig vom Boom in den USA und den asiatischen Nachbarn. Doch es gibt auch noch Problemfelder. „Trotz ungelöster struktureller Probleme hat sich der Finanzsektor weiter leicht verbessert, sowohl Banken als auch Versicherer konnten ihre finanzielle Position stärken. Das Volumen notleidender Kredite hat sich nach Angaben der Finanzregulierungsbehörde stark reduziert. Mit Ausnahme von UFJ Holdings sind alle großen Banken wieder zur Profitabilität zurückgekehrt“, erklärt Fondsmanager Vermehren weiter. Somit scheint viel dafür zu sprechen, dass sich der japanische Nikkei-Index weiter positiv entwickeln dürfte. Doch Vorsicht: Japan-Fonds und speziell Japan-Nebenwertefonds sind im vergangenen Jahr schon sehr gut gelaufen. Das bedeutet auch, dass mit jedem weiteren Kursanstieg die Gefahr der Gewinnmitnahmen und der Korrekturen größer wird.
USA: Daumen runter
Überhaupt nicht begeistert hingegen sind die europäischen Fondsgesellschaften von der möglichen Entwicklung des amerikanischen Aktienmarktes. Ganze 37 % gehen davon aus, dass die USA in den 12 Monaten der am schlechtesten performende Markt sein wird. Und selbst die Optimisten sind weniger geworden. Waren es im Mai noch 11 % der europäischen Fondsmanager, die den USA besondere Chancen einräumten, schrumpfte die Anzahl der Optimisten im Juni auf nur noch 5 %. „In den USA könnte es mittelfristig moderate Herabstufungen bei den Unternehmen geben, da die Unternehmensgewinne mittlerweile sehr hoch sind und im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf Rekordniveau stehen. Durch die Schaffung der zahlreichen neuen Stellen werden die Unternehmensgewinne zudem weiter unter Druck geraten, da auch die Lohnforderungen zunehmen werden. Das lässt den Schluss zu, dass wir in den USA den Zenit beim jährlichen Gewinnwachstum überschritten haben“, erklärt dazu Baring Experte Stanion.
Einzeltitelauswahl entscheidend
Doch zu der Entwicklung der einzelnen Märkte gibt es auch noch ganz andere Meinungen. „Achten Sie nicht zu sehr auf kurzfristige Konjunkturprognosen, Sie müssen sich als langfristig orientierter Investor etwas ganz anderes fragen: Wie schneidet mein Unternehmen denn in unterschiedlichen Konjunkturphasen ab? Wie kommt es durch Auf- und Abschwünge? Ist die Bilanz in Ordnung? Hat das Unternehmen freie Mittelzuflüsse? Das sind die entscheidenden Fragen für einen erfolgreichen Investor“, sagt Murdo Murchison, Fondsmanager des Templeton Growth Fund. Denn für die wertorientierte Anlagestrategie der Templeton-Fondsmanager spiele eine solche Prognose nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund ständen vielmehr die Wachstumsperspektive des Einzeltitels, gemessen an seiner heutigen Bewertung. Auch Märkte mit allgemein schwachen Prognosen könnten entsprechend durchaus interessante Kaufgelegenheiten bieten. Umgekehrt gäbe es in Märkten mit stärkeren Perspektiven immer auch Einzeltitel, die sich unterdurchschnittlich entwickeln können. Aus diesen Gründen spielen für Murchison die sorgfältige Einzeltitelauswahl eine größere Rolle, als die Prognose für den Gesamtmarkt.
(Michael Lennert)







