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Solarenergie - nicht immer heiß

Erneuerbare Energien - Teil I

Seit die Politik den Klimawandel als ernstes Problem einstuft, werden viele finanzielle Hebel in Bewegung gesetzt, um Investitionen in die erneuerbaren Energien anzuregen.

Es bleibt auch kaum eine Alternative dazu, weil die Regierungen und Parlamente Ziele beschließen können, die Umsetzung aber kaum mit staatlichen Mitteln bewältigen können, denn die Ziele sind gewaltig: Die EU will den Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit 6,5 % auf rund 30 % bis 2020 annähernd auf das Fünffache erhöhen. Die Bundesregierung im Speziellen hat das Ziel für den Anteil der New Energy an der Stromproduktion auf 25 bis 30 % festgeschrieben, derzeit liegt die Größenordnung bei etwa der Hälfte, zwischen 12 und 13 %. Wer sich so hohe Ziele setzt, muss auch viel Geld in die Hand nehmen. Auf rund 250 Mrd. Euro soll das jährlich bewegte Investitionsvolumen daher anwachsen, schätzt die Bundesregierung. Welcher Kraftakt da angestrebt wird, zeigt der Vergleich zu den im Beteiligungsmarkt finanzierten Investitionen in erneuerbare Energien:

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass ausgerechnet auf die Solarenergie der größte Teil des Kuchens entfällt. Tatsächlich hat sie auch, wie wohl von den meisten erwartet, im Bestand und damit auch bei der Stromproduktion den geringsten Anteil mit nur 0,5 %. Sie ist aber aus guten, wenn auch überraschenden Gründen das am schnellsten wachsende Segment unter den Quellen der erneuerbaren Energien.

Die Physik bringt die Voraussetzungen für diese Sonderstellung. Die Solarzellen aus Silizium liefern Strom, weil in den Zellen eine Spannung zwischen beleuchteten und unbeleuchteten Seiten entsteht. Die erste Überraschung: Solarzellen können das diffuse Licht bewölkter Tage annähernd genauso gut verwerten wie direktes Sonnenlicht. Schon das macht Deutschland wider Erwarten zu einem guten Standort für Solarenergie. Es kommt aber noch eine zweite Überraschung: Die Effektivität der Solarzellen hängt auch von der Temperatur ab: Je wärmer die Elemente werden, desto weniger Strom liefern sie bei gegebener Einstrahlung. Konsequenz: Die Sahara ist entgegen unseren Erwartungen gar kein so guter Solarstandort, weil es viel zu heiß wird. Ein kühler Standort mit diffusem Licht kann also mehr Strom liefern als ein heißer Standort mit starker direkter Einstrahlung. So schlecht schneidet der Solarstandort „Deutschland“ also gar nicht ab.

Nimmt man die Möglichkeiten der geneigten Dächer zu Hilfe, die auf Grund des günstigeren Winkels zum Sonnenlicht eine bessere Ausbeute erbringen, ergeben sich für Deutschland sogar sehr gute Perspektiven: Nach vorliegenden Schätzungen haben wir ein Potenzial an günstig geneigten und gelegenen Flächen von etwa 1,3 Mrd. m² zu bieten. Rein rechnerisch würde das bereits reichen, um unseren gesamten Strombedarf zu decken. Etwas realistischer ist aber die Perspektive, bis zum Ende des Jahrhunderts den Anteil des Solarstroms auf etwa 40 % des Verbrauchs zu bringen – was angesichts der aktuell erreichten 0,5 schon ein gewaltiger Weg wäre.

Der Hebel, mit dem es in Gang gebracht werden soll, ist die Förderung nach den Regeln des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Das darin gefasste Fördersystem garantiert dem Anlagenbetreiber langfristig feste Abnahmepreise für den gelieferten Strom. Zur Zahlung dieses politischen Preises ist zunächst der Versorger verpflichtet, in dessen Netz der Strom aus der jeweiligen Solaranlage eingespeist wird. Der Versorger hat im Gegenzug das Recht, die Preisdifferenz zwischen der festgelegten Vergütung für den Solarstrom und dem Marktpreisniveau auf alle seine Stromkunden umzulegen. Letztlich zahlen also die Verbraucher die Mehrkosten für den Ökostrom. Damit sich die Ökostromer nicht auf ihren Sonderpreisen ausruhen, hat der Gesetzgeber eine kleine Peitsche eingebaut: Die Preise sind langfristig sicher, aber nicht konstant. Sie sinken nach einem festen Schema. So wird der Zwang zur Steigerung der Effizienz aufrechterhalten. Trotz dieser Absicherung der Anlagenbetreiber tragen sie natürlich immer noch beachtliche unternehmerische Risiken.

Am Anfang der Kalkulation stehen ähnlich wie bei der Windkraft das oder die Gutachten, die das ausbeutbare Potenzial des Standortes definieren. Mit diesen Parametern kann dann der effektive Ertrag aus dem Betrieb einer bestimmten Anlage am Standort kalkuliert werden, womit die Erlösseite planerisch im Griff wäre – sofern die versprochenen Anlagenqualitäten und prognostizierten Potenziale im praktischen Betrieb bestätigt werden. Fehlerquellen sind hier unrichtige Gutachten und Prognosen sowie die technische Qualität der Anlagen. Von den kleinen Katastrophen einer Lieferantenpleite, bevor der Bau beendet ist, mal abgesehen. Diese Lieferanten- und Dienstleisterpleite ist auch während der auf 25 bis 30 Jahren geschätzten Betriebsphase ein ebenfalls aus anderen Konzeptionen bekanntes Problem: Wenn mit der Service-Firma die Garantin für den reibungslosen Betrieb verschwindet, schauen die betroffenen Betreiber (Anleger) doppelt in die Röhre: Ihre Garantie ist dann wertlos und ihr Investitionsobjekt könnte leiden, wenn kein Ersatz-Service zu bezahlbaren Konditionen gefunden werden kann. Hier kommt es viel auf die Bonität der Vertragspartner an.

Eine weitere trickreiche Hürde erwächst bei der Pacht der für die Anlagen benutzten Flächen. Denn unser Recht sieht vor, dass an Gebäuden angebrachte Anlagen normalerweise als Teil des Gebäudes aufgefasst werden können und sich damit die Zugriffsmöglichkeiten gerade in schwierigen Augenblicken unversehens ändern können. Grundsätzlich können sich die Dachflächenpächter und Anlagenbetreiber durch Eintragung ins Grundbuch samt der Bestellung einer Dienstbarkeit (Recht auf Betrieb der Anlage) dagegen absichern. Diese Absicherung ist aber nicht vollständig möglich: Sie geht bei einer Insolvenz des Verpächters samt Zwangsversteigerung des Objektes leicht verloren. Der Erwerber aus der Zwangsversteigerung hat ein Recht auf lastenfreie Übernahme des Objekts.

Mit der Photovoltaik kommen auf die Anleger zwar ein paar spezifische neue Risiken zu, die aber in der Struktur weitgehend dem gleichen, was bei anderen Produktlinien ebenfalls bewältigt werden muss.

(Martin Klingsporn)


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