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Von Marktkennern und Marktstrategen

Es gibt dreierlei Wege, klug zu handeln: durch Nachdenken ist der Edelste, durch Nachahmen ist der Leichteste, durch Erfahrung ist der Bitterste. (Konfuzius)

Es ist gerade einmal ca. zwei Jahre her, da die Aktienstände insbesondere innerhalb der neuen Technologien – an ihren historischen Höchststand angelangt waren. Und auch wenn wir keineswegs den Anschein erwecken möchten, dass wir uns in der Lage sehen, das ideale Timing für Investitionen auszuloten – von sogenannten Marktkennern, welche doch schon immer genau wussten, dass es so kommen musste, gibt es schließlich genug innerhalb unserer Branche – konnte doch spätestens im Dezember 1999 bzw. Januar 2000 selbst ein „Blinder mit Krückstock“ erahnen, dass die Entwicklung der Märkte einer starken Überhitzung unterlag.

Marketingstrategen bestimmen Anlagestrategien

Noch im ersten Halbjahr des Jahres 2000 liefen sich die Investmentgesellschaften mit „Produktinnovationen“ wie einem Neuen Märkte, einem Asian Internet oder einem New Technology Fonds den Rang ab. Damit wurden reihenweise Produkte in den Markt gestellt, welche sich auf ein Angebot stützten, für das die Nachfrage und damit auch die Preise bereits ausgesprochen hoch lagen. Nahezu keine Fondsgesellschaft wollte das Risiko eingehen, dass sie in Bezug auf die Mittelzuflüsse ohne Berücksichtigung blieb. Also mussten Fonds an den Markt gebracht werden, welche von den Anlegern und Beratern auch nachgefragt wurden. Ohne Rücksicht auf allgemein anerkannte Anlagegrundsätze führten die Marketingabteilungen der KAG´s die Regie. Auf groß angelegten Roadshows und unzähligen Kundenveranstaltungen wurden nur noch diese Trendprodukte propagiert und die Risiken dieser Assetklassen klein geredet. Der gewaltige Strom der Nettozuflüsse gab den Umsatzverantwortlichen recht. Da die eingezahlten Gelder jedoch auch zeitnah investiert werden mussten, stieg wiederum die Nachfrage und folglich auch der Preis.

Aber anstatt aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Lehren zu ziehen und jetzt überlegter zu handeln, heißen die „Produktinnovationen“ von heute „Top 100 Garantie” und „Blue Chip Welt”, werden offene Immobilien und Rentenfonds gerade so angepriesen, als würde es sich um neue und revolutionäre Anlagestrategien handeln. Statt genau jetzt die niedrigen Einstände einiger mittel bis langfristig hoch interessanter Wachstums, respektive Technologiefonds zu nutzen und liquide Gelder in die am stärksten gebeutelten und damit günstigsten Märkte zu investieren. Zumal es in vielen Fällen wirklich vorteilhaft wäre, durch sinnvolle Nachinvestitionen den durchschnittlichen Einkaufpreis diverser Fondsanteile zu drücken. Das würde aber bedeuten, dass wir unseren Kunden mit Fonds gegenübertreten müssten, welche bezogen auf die letzten 24 Monate schlechte bis sehr schlechte Performanceergebnisse aufweisen. Natürlich sind gerade jene Maklerbetreuer und Finanzberater, welche all ihre Sach und Fachkenntnis auf eine Fondshitliste der letzten zwei Jahre beschränken, damit völlig überfordert. Abgesehen davon zeichnet sich wiederum ab, wer innerhalb der Investmenthäuser die aktuellen Produktempfehlungen ausgibt. Wieder liegt die Vermutung nahe, dass die Marketingstrategen eindeutig die Lufthoheit übernommen haben. Getreu dem Motto, gib dem Kunden mehr von dem was er möchte und weniger von dem was er nicht möchte, werden die Überlegungen einer antizyklischen Einkaufspolitik zu Gunsten einer lapidaren Verkaufsförderung weitestgehend ignoriert.

Gegen den Strom schwimmen bringt Erfolg

Befragen Sie heute einen Schüler aus der Mittelstufe einer weiterführenden Schule nach den Zusammenhängen zwischen Preis, Angebot und Nachfrage, so werden Sie mit großer Wahrscheinlichkeit sinngemäß die folgende Antwort erhalten: In einer freien Marktwirtschaft bilden sich Preise im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Ist die Nachfrage groß, das Angebot aber begrenzt, dann steigen die Preise. Lässt die Nachfrage hingegen massiv nach, werden sich in der Regel auch die Preise erheblich nach unten korrigieren. Spätestens seit dem Jahr 1999 und bis zum heutigen Tag wurden unzählige Investmentfondsanleger mit dieser grundlegenden Erkenntnis der Volkswirtschaftslehre konfrontiert. Oftmals konnten wir bei Anlegern wie auch bei Beratern dabei den Eindruck gewinnen, dass sie über die Entwicklungen in diesem Zeitraum gar überrascht waren. Gerade so, als hätten sie fest daran geglaubt, dass diese Form der Preisbildung nicht mit den Aktienmärkten in Verbindung zu bringen wäre. Hat die Entwicklung der Kurse bis Mitte März 2000 noch dazu geführt, dass viele Anleger am liebsten sämtliche liquiden Mittel in den Erwerb von Aktien oder Aktienfonds investiert hätten, so setzte seit Beginn der nachhaltigen Baisse das laute Wehklagen ein.

Werfen Sie doch nur mal einen Blick in die aktuellen Statistiken des BVI und Sie werden sehr schnell erkennen, dass die Mittelzuflüsse eindeutig ein zyklisches Anlageverhalten belegen. Aber nur jene Investmentberater und -beraterinnen, welche neben der nötigen Sach- und Fachkompetenz auch über ein ausgesprochen starkes Rückgrat verfügen, werden ihre Klienten dazu bringen, gegen den Trend zu handeln. Und nur diese Kollegen und Kolleginnen werden ihren Klienten damit auch einen nachhaltigen Mehrwert generieren.

Fazit: Selbst wenn es einem nicht vergönnt sein sollte, durch Nachdenken klug zu handeln, dann sollte man zumindest in der Lage sein, aus bitteren Erfahrungen heraus seine Lehren zu ziehen. Und wir sind der festen Überzeugung, dass wir als kompetente und kundenorientierte Anlageberater dazu aufgefordert sind, statt mit der Herde zu laufen lieber kräftig gegen den Strom zu schwimmen. Wir sollten dazu übergehen, im Hochsommer zu einem günstigen Preis die wärmenden Strümpfe zu kaufen, die wir im kommenden Winter benötigen. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Spaß dabei.

(Thomas Kux)


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