Wenn Pflegefall zur Kostenfalle wird!
Es kann so schnell gehen!
Plötzlich auf Hilfe und Pflege anderer Menschen angewiesen zu sein, ist ein tiefer Einschnitt im Leben. Doch neben dem Verlust an Lebensqualität ist der richtige Umgang mit den bevorstehenden Kosten die Gretchenfrage für die meisten Pflegefälle.
Grundsätzlich lässt sich somit zusammenfassen: Egal ob häusliche oder stationäre Pflege – die Leistungen der gesetzlichen Pflegerversicherung reichen bei vernünftiger Behandlung nicht aus! Denn aufgrund der stärkeren Inanspruchnahme von Leistungen wurde die ursprünglich angesparte Kapitalreserve der gesetzlichen Pflegeversicherung langsam abgeschmolzen – und die Beitragseinnahmen reichen schon lange nicht mehr aus, um die Leistungsausgaben zu decken. Die „Leistungsausgaben-Beitragseinnahmen- Schere“ der gesetzlichen Pflegeversicherung klafft immer weiter auseinander – ein immanentes Problem des umlagefinanzierten Systems. Schon heute fehlen der staatlichen Pflegeversicherung 820 Mio. Euro. „Die demographische Bevölkerungsentwicklung und fortschreitende Lebenserwartung verschärfen die Probleme zunehmend. Der Ruf nach dringend notwendigen Reformen wird lauter“, so Gerhard Glatz, Sprecher des Vorstandes uniVersa Versicherungen. Viele Argumente für private Pflegeversicherung. Die beschriebene, erkennbare Situation macht es deutlich: Die spä- tere Versorgungslücke ist „das Top- Argument“ für den Vertrieb. Ein hochinteressantes Produkt, das gerade einmal acht Prozent der Bundesbürger besitzen. Aufpassen sollte der Makler bei der Kundenberatung jedoch mit den Angstargumenten „potentieller Sozialhilfeempfänger bzw. Haftung der Angehörigen“. Sicherlich ist es richtig, dass bereits heute – bei steigender Tendenz – jeder vierte der stationären Pflegebedürftigen auf die Unterstützung des Staates angewiesen ist. Und ebenso stimmt es, dass das Sozialamt angesichts der leeren Kassen sich verstärkt bemüht, die Ausgaben bei den Kindern der Pflegebedürftigen einzufordern. Dennoch gibt es aktuell zahlreiche Urteile, die deutlich machen, dass die unterhaltspflichtigen Kinder keine spürbare Absenkung des eigenen Lebensstandards hinnehmen müssen. Allerdings müssen die Angehörigen gegenüber dem Sozialamt ihren Vermögens- und Einkommensstand offen legen. Wer seinen Angehörigen und sich selbst diese „Schmach“ ersparen möchte, für den ist die private Pflegeversicherung absolut richtig. „Nur wer privat vorsorgt, kann im Ernstfall sicher sein, sein Einkommen und gespartes Vermögen nicht zur Deckung der Pflegekosten einsetzen zu müssen. Zudem verschont eine private Pflegeversicherung Angehörige vor möglichen Regressen des Sozialamtes. Das Pflegerisiko wird von Verbrauchern immer noch deutlich unterschätzt. Schon aus Haftungsgründen sollten Finanzberater das Thema aktiv beim Kunden ansprechen und protokollieren“, so Glatz.
Welches Konzept ist das Beste? Der Markt der privaten Anbieter stellt sich derzeit mit drei Variationen von Pflegepolicen auf: Pflegerenten-, Pflegetagegeld- und Pflegekostenversicherung. Letztgenannte ist besonders für die Gruppe von Menschen geeignet, die von vornherein wissen, dass sie später mal alleine sind: Bei dieser Form der Zusatzversicherung werden die durch Rechnung nachzuweisenden tatsächlich entstandenen Kosten – bis zu einem bestimmten Höchstbetrag oder Prozentsatz – erstattet. Im Regelfall übernehmen die Versicherer somit einen Teil der Restkosten, die nach Abzug der Zahlung aus der Pflegekasse übrig bleiben. Allerdings müssen die Versicherten Kosten für Unterkunft und Verpflegung in der Regel selbst tragen. Bei der zweiten Art – der Pflegerentenversicherung – handelt es sich um eine Kombination aus Versicherungsschutz gegen Pflegebedürftigkeit und Tod sowie einem Sparvertrag. Oft als Ergänzung beispielsweise zu einer Lebensversicherung.
„Bei einer privaten Pflegezusatzversicherung eines Krankenversicherers lässt sich die Höhe der Beiträge langfristig nicht abschätzen. Häufige Beitragserhöhungen bei Pflegetagegeld- und Pflegekostenversicherungen können im Alter zu einer unkalkulierbaren Belastung werden. Die IDEAL Lebensversicherung a.G. bietet daher eine selbstständige Pflegerentenversicherung mit einem dauerhaft stabilen Beitrag an“, erörtert Stephan Schinnenburg, Vertriebsvorstand der IDEAL Lebensversicherung a.G. Abgeschlossen werden kann die IdealPflegeRente zwischen 40 und 75 Jahren, wobei auf Karenz- und Wartezeiten verzichtet und sogar bis zu 12 Monaten rückwirkend gezahlt wird, wenn die Leistung verspätet beantragt wurde. Bei der Pflegestufe II beträgt die lebenslange Pflegerente 50 Prozent der vereinbarten Rente, bei Schwerstpflegebedürftigkeit 100 Prozent. Schinnenburg: „In beiden Fällen wird zusätzlich eine Sofortleistung von sechs Monatsrenten gezahlt. Sie soll beispielsweise bei einer Haushaltsauflösung und dem Umzug in ein Pflegeheim helfen. Im Gegensatz zu einer Krankenversicherung müssen nach Eintritt des Leistungsfalls keine Beiträge mehr gezahlt werden. Für die Pflegestufe I kann eine Beitragsbefreiung vereinbart werden.“ Der besondere Stolz des Anbieters ist seine „Unterbringungsgarantie“. Mit der IDEAL PflegeplatzGarantie gewährt die IDEAL PflegeRente den Kunden bei Eintritt der versicherten Pflegebedürftigkeit innerhalb von 24 Stunden einen Pflegeheimplatz – ohne Mehrbeitrag. Auch die Delta Lloyd hat sich aktuell bei der Produktentwicklung für die Pflegerente entschieden. Anders als die Ideal sieht der Anbieter aus Wiesbaden Leistungen ab der Pflegestufe I als absolut notwendig an. „Zu einer guten Pflegepolice gehört auch, dass sie bereits bei Pflegestufe I in vollem Umfang leistet und der Versicherte bei Eintritt des Pflegefalls von den Beitragszahlungen freigestellt wird – auch bei niedriger Pflegestufe“, so Wolfgang Fuchs, Vertriebsvorstand der Delta Lloyd Deutschland AG. Das Produktangebot umfasst drei Tarife: PflegeSchutz Plus, Sofort Pflegeschutz und Sofort Pflegeschutz Plus. Hierbei bietet der Versicherer einige Besonderheiten an, die in dieser Kombination sonst nicht zu finden sind. Beispielsweise leisten alle drei Tarife bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer – und zwar in vollem Umfang. Ein weiteres Highlight gegenüber anderen Produkten: Die Sofort Pflegeschutz Tarife können bis zum 80. Lebensjahr abgeschlossen werden. „Also in jener Lebensphase, in der das Risiko, ein Pflegefall zu werden, drastisch ansteigt“, so Delta Lloyd Experte Fuchs.
Viele Kritiker der Pflegerente sehen es jedoch als sinnvoller an, nur das reine Pflegerisiko abzudecken und das darüber hinaus zur Verfügung stehende Kapital selbst anzulegen. So beschreibt auch Heinz-Gerhard Wilkens, Pressesprecher der HanseMerkur Versicherungsgruppe: „Bei der Pflegerente handelt es sich um ein Kombinationsprodukt der Lebensversicherer aus Versicherungsschutz gegen Pflegebedürftigkeit und Tod sowie einem Sparvertrag. Da die Lebensversicherer besonders sicher kalkulieren müssen, sind die Beiträge in der Regel deutlich höher als beim Pflegetagegeld. Grundsätzlich empfiehlt sich ohnehin, das reine Pflegerisiko abzusichern und das noch verfügbare Kapital selber anzulegen.“ Bei der von Wilkens benannten Pflegetagegeldversicherung, der letzten der drei Pflegevarianten, wird ein vereinbarter Geldbetrag ohne Nachweis der entstandenen Kosten pro Tag versichert. Für jeden Tag, an dem Herr Mustermann ärztlich nachgewiesen pflegebedürftig ist, erhält er entsprechend seiner Pflegestufe ein Tagegeld. Hierzu muss er keinen Nachweis über die Verwendung bringen. „Das heißt, er behält sich alle Optionen zur Art der Pflege offen, ob diese zuhause oder im Heim erfolgt oder er sich durch Angehörige oder professionelle Pflegekräfte betreuen lässt“, so Wilkens.
Vorteilhaft gegenüber einer Pflegekostenversicherung ist, dass das Pflegetagegeld über die Pflegekosten hinaus zur Deckung von Kosten der Unterkunft oder Mahlzeiten herangezogen wird. Mit dem Pflegetagegeld lassen sich die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst und auch für Dienstleistungen zur Bewältigung des täglichen Lebens bezahlen, z. B. einem Helfer für den Einkauf von Lebensmitteln oder für das Schieben des Rollstuhls. „Unsere Pflegezusatzversicherung verlangt keinen Kostennachweis. Somit werden auch Leistungen bei Pflege durch Angehörige gezahlt. Und schließlich hat die STIFTUNG WARENTEST den Tarif PTA im April 2006 als „günstigstes Angebot mit verbraucherfreundlichen Leistungen“ ausgezeichnet“, so Wilkens weiter. Das Angebot (Pflegetagegeld PTA) der HanseMerkur zeichnet sich außerdem durch ein überdurchschnittlich gutes Preis-/Leistungsverhältnis am Markt aus und leistet schon ab der Stufe 1 und zu 100 Prozent in allen Pflegestufen bei stationärer Pflege. Dabei erfolgt die Pflegeeinstufung analog der sozialen Pflegeversicherung. Es gibt keine Karenzzeiten, und eine dynamische Anpassung an die Entwicklung der Pflegekosten ohne Gesundheitsprüfung – auch im Pflegefall – ist gewährleistet.
Auch die DBV-Winterthur Versicherungen sehen eine Pflegetagegeldversicherung als die sinnvollste Absicherung an. So bietet der Wiesbadener Versicherer mit seinen Pflegetagegeld-Produkten PTG DYN (Leistungen ab Pflegestufe I) und PTG 3 (Leistung in Pflegestufe III) unter anderem Dynamik, Beitragsfreiheit im Leistungsfall, Erbringung der Leistung auch bei der Pflege durch so genannte Laien und keine Warte- und Karenzzeiten an. Darüber hinaus hat die DBV eine vereinfachte Risikoprüfung sowie medizinische Serviceleistungen rund um das Thema Pflege. Um ein besonders günstiges Preis-/Leistungsverhältnis zu erreichen, können die Tarife PTG DYN und PTG 3 miteinander kombiniert werden.
Die uniVersa Versicherung hat sich bei ihrer Wahl nach dem passenden Produkt ebenso auf das Pflegetagegeld festgelegt und mit ihren Produkten PT-Komfort und PT-Premium zwei deutlich unterschiedliche Produkte für Pflegetagegeld auf den Markt gebracht. „Wir bieten ein völlig neues Lebensphasenkonzept zur Pflegeabsicherung an. Highlights sind die umfangreichen Optionsrechte, die selbst bei eingetretener Pflegebedürftigkeit oder bei möglichen künftigen Reformen ausgeübt werden können. Zudem enthält unser Konzept alle vom Verbraucherschutz geforderten Leistungsbestandteile“, so uniVersa-Sprecher Glatz. Mit PT-Komfort bietet die uniVersa einen preisgünstigen Einsteigerschutz für Pflegestufe III an – z.B. kostet eine monatliche Pflegetagegeldabsicherung von 1.500 Euro für eine 28-jährige Frau 6,50 Euro, für einen gleichaltrigen Mann 4,10 Euro. Wer bereits ab Pflegestufe I abgesichert sein will, kann den Premium-Schutz wählen. Gleich welcher Tarif gewählt wird – das neue Lebensphasenkonzept verfügt über Leistungen, die sich sehen lassen können. So zählt Glatz auf: „Wir bieten zum Beispiel höhere Leistungen im Härtefall und für Eltern während der Kinderphase, eine Beitragsfreiheit im Leistungsfall, zusätzliche Kapitalleistungen alle zwei Jahre, europaweiter Versicherungsschutz, keine Karenz- und Wartezeiten, kein Höchstaufnahmealter, Anerkennung der Einstufung der gesetzlichen Pflegeversicherung und zum Werterhalt alle drei Jahre eine dynamische Anpassung des Tagegeldes – selbst für Pflegebedürftige.“
Ein Anbieter der aktuell ebenfalls sein Leistungsangebot erweitert hat, ist die Gothaer Krankenversicherung AG. So bietet das Kölner Unternehmen zusätzlich zur Pflegetagegeldversicherung PT, die bereits ab Pflegestufe I greift, entsprechende Versicherungen ab Stufe II (Tarif PT2) oder Stufe III (Tarif PT3) an. Damit hat die Gothaer die Palette der angebotenen Pflegeversicherungen, zu denen die private Pflegepflichtversicherung PV, die Pflegekostenversicherung P3 und das Pflegetagegeld gehört, vervollständigt. „In den Tarifen PT2 und PT3 ist durch eine automatische Dynamisierung der Leistungen alle drei Jahre eine Erhöhung auf bis zu 100 Euro pro Tag möglich – ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeiten“, beschreibt Dr. Frank Tschubar, Leiter Gesundheit Produktmanagement der Gothaer Krankenversicherung AG einen deutlichen Vorteil der neuen Gothaer Pflegetagegeldversicherungen PT2 und PT3.
Fazit: Mit zunehmenden Alter steigt auch die Gefahr, pflegebedürftig zu werden. Aber auch immer mehr junge Menschen werden – beispielsweise durch einen Unfall – völlig unerwartet zum Pflegefall. Meist ohne entsprechende Vorsorge. So paradox es klingen mag, aber eigentlich müssten gerade die 30- bis 40-Jährigen – auch wenn die Beschwerden noch so weit weg erscheinen – aufgrund ihres guten Gesundheitszustandes und der damit verbundenen günstigen Pflegeversicherung DIE Zielgruppe für den Vertrieb von privaten Pflegepolicen sein. „Ich rate dringend dazu, das Risiko Pflege frühestmöglich abzusichern. Wer sich für diesen richtigen Schritt entscheidet, braucht aber die Garantie, dass er noch Jahrzehnte später eine gute Absicherung hat. Deshalb ist eine bedarfsgerechte Dynamisierungsmöglichkeit unerlässlich. Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass die Menschen im Pflegefall nicht nur Geld, sondern auch Beratung und Unterstützung brauchen“, erläutert Wolfgang Stertenbrink, Vorstandsvorsitzender der HALLESCHE Krankenversicherung, die auch in naher Zukunft mit einem neuen Konzept auf dem Markt kommen wird. Ob und in welchem Umfang eine private Pflegezusatzversicherung sinnvoll ist oder nicht, lässt sich nur im Beratungsgespräch mit den individuellen Bedürfnissen und den persönlichen Rahmenbedingungen des Kunden abschätzen. Alle drei Variationen – Pflegerenten-, Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung – sorgen dafür, dass man sich nach seinen individuellen Vorstellungen und Möglichkeiten versichern kann, um somit auch im Ernstfall abgesichert zu sein. Das Angebot dafür ist da!
(Marc Oehme)







