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Investment-Instrumente

ETF-Segment bleibt attraktiv

Der Markt für so genannte ETFs, Exchange Traded Funds, bleibt auch in der Krise aktiv, auch wenn das kumulierte Volumen der in Europa verfügbaren Fonds im I. Quartal 2009 minimal abgenommen hat.

Die Anlagegesellschaften brachten 26 neue Angebote auf den Markt mit klarem Wertpapierschwerpunkt: 13 Fonds zielen auf Aktien, 11 auf Renten. Die verbleibenden 2 unter „Sonstige" sind auf definierte Strategien (meist short) festgelegt und entstammen ebenfalls dem Wertpapierbereich.

Die Dominanz der Wertpapiere lässt sich auch an der Kapitalisierung der Fonds ablesen: Die 10 größten Aktien-ETFs liegen meist deutlich über 1 Mrd. Euro, was auch für die 7 größten Renten-ETFs gilt. Unter allen anderen Klassen schafft das lediglich ein Gold-ETF der Zürcher Kantonalbank, die sich auf Rohstoff-ETFs spezialisiert hat.

Gemessen an den von der Researchfirma Lippers gelieferten Zahlen zum Umsatz werden die ETFs gerade in Deutschland bereits stark genutzt. Die deutschen Börsen halten mit gut 35 % nicht nur den größten Anteil (gemessen am Umsatz), sondern weisen auch mit 34,7 % die höchste Wachstumsrate gegenüber dem Vorquartal auf. Tatsächlich beweisen ETFs hier ihre spezielle Qualität als schnell und kostengünstig einsetzbares Instrument: Durch den laufenden Börsenhandel der vorhandenen Anteile (daher der Name Exchange Traded) sind die bei normalen Investmentfonds vorkommenden „Schließungen" (Aussetzung der Rücknahme von Anteilen) bei ETFs ausgeschlossen.

Die Performance zeigt, dass die bei ETFs prinzipiell passiven Strategien (in der Regel Reproduktion eines Index wie DAX oder Dow Jones) unter Verzicht auf weitere aktive Eingriffe jedenfalls nicht schlechter sind als die aktiv gemanagten Fonds: Die Liste der 10 besten Aktien-ETFs wird dominiert von Brasilien- und Taiwan-Fonds, die zwischen 13 % und 18 % erzielten, wobei Differenzen in erster Linie auf die Verwendung unterschiedlicher Indexkonstruktionen für einen gegebenen Markt zurückzuführen sind.

Bei den Renten und Geldmarkt-ETFs wurde die Performance vom Trend der Währungen bestimmt, wobei sich die Erholung des Dollar gegenüber dem Euro bemerkbar machte, sechs der 10 am besten performenden ETFs sind an den Dollar gebunden. Unter den auf Euro lautenden Fonds konnten die auf die Renten der Emerging Markets zielenden Fonds mithalten. Allerdings werden auch die bestehenden Verwerfungen der Märkte sogar in diesen Fonds fühlbar: Die steigenden Risikoprämien auf dem US-Markt belasteten US-Unternehmensanleihen so stark, dass der Währungsgewinn klar überkompensiert wurde. Unterm Strich zählten US- und UK-Unternehmensanleihen zu den klaren Verlierern unter den Fonds für festverzinsliche Anlagen.

Gemessen am Fondsvolumen von knapp 40 Mrd. Euro ist die britische Barclays Global Investors die wichtigste europäische ETF-Anbieterin mit einem Marktanteil von 35 %. Das Angebot ist stark auf Aktien konzentriert mit 105 von 140 Fonds, dazu kommen 26 Renten-ETFs. Ein Kuriosum: 81 der Fonds haben ihren Sitz in Deutschland. Hintergrund ist die Übernahme des deutschen Anbieters Indexchange als Rückgrat des Angebotes.

Nummer 2 in Europa mit einem Volumen von rund 22 Mrd. Euro ist die französische Lyxor, die zu den Pionieren des ETF-Geschäftes zählt. Ihre Angebote sind stark auf Wertpapiere fokussiert, nur 17 der 155 ETFs sind keine reinen Aktien- oder Anleihekonstrukte. Darunter fällt allerdings der Lyxor ETF Commodities CRB (Reuters Jeffries CRB), der die Agrarprodukte stark berücksichtigt.

Die Deutsche Bank Tochter db x-trackers hält mit einem Volumen von 17,8 Mrd. Euro (16,2 % Marktanteil) den dritten Rang in Europa und wartet mit zwei Auffälligkeiten auf: Das Angebot ist relativ stark auf spezielle Strategien (long/short etc.) zugeschnitten mit 30 der 108 angebotenen ETFs, die allesamt in Luxemburg beheimatet sind.

Europäische Nummer 4 ist die britische State Street, die lediglich 14 reine Aktien- ETFs mit einfacher Long-only Strategie im Volumen von 6 Mrd. Euro anbietet, von denen 12 auf dem MSCI Europe und dessen Subindize (Branchen) beruhen. Hinzu kommt vor allem der mit Abstand größte ETF (Diamonds Trust, Dow Jones-orientiert) sowie ein weiterer US-orientierter Fonds. State Street führt alle ETFs außer Diamonds Trust von Frankreich aus.

Die Crédit Suisse hat 8 einfache Wertpapier- ETFs (5 auf Aktien, 3 auf Bonds) im Angebot, deren Volumen das Angebot der Zürcher Kantonalbank nur rein quantitativ überragt: Letztere ist im ETF-Geschäft eine reine Rohstoffspezialistin mit immerhin 8 verschiedenen Varianten, mit denen Anleger neben Gold bspw. auch Platin oder Palladium ins Depot nehmen können, um auf dieses aktuell interessante Segment zu setzen.

Die Nummer 7 in Europa, Easy ETF, ist mit gerade mal 3 Mrd. Euro noch recht klein. Der Joint Venture von AXA Investment Managers und BNP Paribas ist trotzdem der Beachtung wert durch die Spezialisierung auf die Segmente Real Estate und Rohstoff-Indizes und geht neuerdings auch Wege in echte Nischenmärkte wie Ägypten oder die kürzlich von Goldman Sachs' Chef-Volkswirt Jim O'Neill aus der Taufe gehobene „Next-11"-Gruppe, mit der ein Ersatz für die langsam auslaufende BRIC-Welle gesucht wurde. Interessant könnte hier vor allem der Easy ETF GSCI auf den Goldman Sachs Commodity Index sein, den es sowohl auf Dollar- als auf Eurobasis gibt.

Aus deutscher Sicht sind noch zwei weitere Anbieter zu nennen: Die ComStage der Commerzbank, die neben den auf Wertpapier basierten ETFs auch die Segmente Immobilien und Rohstoffe beackert, sowie die zur Deka gehörende ETFlab, die bislang nur mit reinen Aktien- (Basis DAX und EuroStoxx) und Anleihenfonds (Basis EUROGOV) am Markt aktiv ist. Diese beiden Anbieter haben das Wachstum wohl auch noch vor sich.

(Martin Klingsporn)


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