Erfolge mit Grünen Fonds
Ethische Investments
„Irgendwann muss sich Nachhaltigkeit auch im wirtschaftlichen Erfolg niederschlagen.“
So formulierte Christian Zimmermann vor gut einem Jahr seine Ziele als Manager des international in Aktien ablegenden Investmentfonds Global Ecology von Pioneer Investments, hinter dem sich der alte Activest Ökotech verbirgt, der seinen Namen mit der Übernahme von Activest durch Pioneer wechselte.
Vorab ist dabei festzuhalten: Schon allein der Untersuchungszeitraum liefert für sich ein beachtliches Signal: Die Branche der „Grünen“ Fonds hat sich als Teil der Finanzmärkte etabliert und kann bereits auf die eigene Geschichte als Maßstab zurückgreifen. Genau das machten sich die Oekom-Analysten auch zunutze: Grundlage des Vergleichs war ein so genanntes Prime-Portfolio, das aus den Aktien gebildet wurde, die jeweils nach dem speziell von Oekom- Research entwickelten Corporate Responsibility Rating nach ökologischen und sozialen Kriterien als jeweils beste Aktien der Branche identifiziert wurden. Dieses Rating erfolgt quartalweise, was eine entsprechende Frequenz der Anpassungen mit sich brachte. Das durch gleiche Gewichtungen für alle aufgenommenen Titel recht schlicht gestrickte Prime-Portfolio startete mit 140 Titeln und war am Ende auf 219 gewachsen. Obwohl bei diesem Portfolio auf die Feinsteuerung durch die Gewichtung der einzelnen Titel nach speziellen Parametern verzichtet wurde, ist das Ergebnis deutlich: Während sich anhand des MSCI World Index eine negative Performance des Marktes über den Untersuchungszeitraum ergibt (das Minus beträgt rund 24 %), weist das Prime-Portfolio der Oekom ein Plus von 35 % (siehe Schaubilder) aus. Und dieses Ergebnis wird auch durch den Vergleich der einzelnen Jahresergebnisse bestätigt: In allen 6 Jahren schneidet das Prime-Portolio besser ab als der Index. Das ist auch insofern bemerkenswert, als diese Untersuchungsperiode die starke Korrektur nach dem Platzen der Hightech-Blase (Tiefpunkt 2003) und der nachfolgenden Erholung bis an die alten Höchststände heran umfasst. Das unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zusammengestellte Prime-Portfolio der Oekom erweist sich in den Abwärtstrends als relativ stabiler gegenüber dem Markt und in den Aufwärtstrends als gewinnträchtiger. Das ist ein guter Beleg dafür, dass das zentrale Ergebnis (Oekom-Portfolio schlägt MSCI) gerade nicht auf die günstige Wahl des Untersuchungszeitraums zurückgeführt werden kann, wie manch kundiger Beobachter wohl vermuten könnte. Bei interessengesteuerten Studien wird häufig folgender Trick benutzt: Das Zielportfolio wird auf Aktien mit hohen Beta-Faktoren getrimmt, die den Markttrend überdurchschnittlich stark abbilden. Der Untersuchungszeitraum wird dann so festgelegt, dass der Markt in der fraglichen Zeit insgesamt mehr Aufals Abwärtstrends erlebt hat. Das Ergebnis liegt dann auch ohne Test auf der Hand: Die Zielportfolios schlagen den Markt. So etwas kann hier ausgeschlossen werden, weil sich das Oekom-Portfolio den vorgelegten Zahlen zufolge auch im Abwärtstrend durch relativ größere Stabilität bewährt, wie die einzelnen Jahresergebnisse zeigen.
Ein Hinweis auf direkt greifbare Vorteile für die Investoren durch das Konzept der Nachhaltigkeit liefert ein anderer Vergleich: Die Oekom-Analysten prüften, wie sich das Prime-Portfolio im Verhältnis zu den nicht gewählten Titeln (zusammengefasst in einem Non-Prime-Portfolio) entwickelt. Die Gesamtheit der ins Auge gefassten Titel („das Universum”) stieg im Untersuchungszeitraum von 346 auf 749 einzelne Titel, von denen anfänglich 140 und am Ende 219 Titel, nach ökologischen und sozialen Kriterien, als „Prime” empfohlen wurden. Der Rest des Universums war automatisch Non-Prime. Der Vergleich dieser beiden Portfolios zeigt dann, dass sich das Prime-Portfolio einen kleinen, aber kontinuierlich wachsenden Vorsprung vor den Non-Prime Investments erarbeitet (siehe Schaubilder). Der Vorteil kommt also erst auf längere Sicht zum Tragen, nach den 6 untersuchten Jahren macht der Vorsprung etwa 15 % aus. Der Vergleich der einzelnen legt auch hier wieder nahe, dass eine Verzerrung durch Sondereffekte eher unwahrscheinlich ist, in 4 der 6 Jahre schneidet das Prime-Portfolio besser ab und da, wo das Non-Prime-Portfolio vorn liegt, ist der Unterschied marginal.
Bleibt zu fragen: Woher stammt der Vorteil der nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen? Die Studie selbst nennt dazu folgende Punkte:
- hohes Maß an Transparenz bei nachhaltigkeitsorientierten Unternehmen
- Existenz integraler Management- Systeme
- hohes Maß an Lernfähigkeit und Lernwilligkeit
- Management mit Vorbildfunktion
- Dialog mit Anspruchsgruppen als Frühwarnsystem
- frühzeitiges Ergreifen von Marktchancen
- Vermeidung regulatorischer Risiken
- Kostenverringerung durch schonenden Ressourceneinsatz
Kurz gesagt: Je deutlicher dieser Anspruch formuliert wird, desto eher verliert sich die allemal negative Beamtenmentalität, die nur den Dienst nach Vorschrift leistet. Der Vorteil wäre dann bei der Motivation der Belegschaften zu suchen.
(Martin Klingsporn)







