Lebensversicherungen
Etwas klamm
Die schwache Börsenverfassung des vergangenen Jahres und die anhaltende Niedrigzinsphase zwingen selbst die potentesten Lebensversicherer in die Knie. Zum Jahresbeginn wurde die Überschussbeteiligung der Kundschaft nahezu marktweit gesenkt. Nur ein paar Ausreißer zeigen sich ungerührt.
Noch vor Jahresschluss 2001 hat die Allianz-Lebensversicherungs-AG in Stuttgart die Verringerung ihrer Überschussbeteiligung für Lebens und Rentenversicherungen zum 1. Januar 2002 von bislang 7,5 auf nunmehr 6,8 Prozent bekannt gegeben. Der Marktführer war zwar nicht Vorreiter der allgemeinen Senkungsrunde, aber seine Entscheidung gab den Ausschlag. Die Branche hat auf dieses Signal gewartet. Axa in Köln, der zur Aachener und Münchener Gruppe gehörende Direktversicherer Cosmos in Saarbrücken oder die Victoria in Düsseldorf folgten prompt. Es ging Schlag auf Schlag.Der Branchendienst „mapreport“ hat noch vor Jahresende 2001 auf der Grundlage von 58 entsprechenden Unternehmensmeldungen hochgerechnet, was das für die Versicherten bedeutet. Demnach sinken die Zinsen auf deren Sparguthaben im Geschäftsjahr 2002 durchschnittlich von 7,15 auf 6,23 Prozent. Zwar ist dieser Ansammlungszins noch nicht alles. Auch so genannte Sterblichkeits und Kostengewinne fließen in die Überschussbeteiligung der Versicherungsklientel. Doch der Ansammlungszins spielt dabei die erste Geige.
Besonders hart betroffen von der Börsenflaute war aber die Hannoversche Lebensversicherung a.G, die wegen ihrer zeitnahen Beteiligung der Kunden an ihren erwirtschafteten Überschüssen jahrelang der Liebling aller Verbraucherschützer gewesen ist. Es gab kaum ein Rating, in dem die Hannoversche keinen Spitzenplatz einnahm. Dieser Direktversicherer glänzte durch geringe Kosten und hohe Erträge. Doch schon gut drei Monate vor der Allianz sah sich die Hannoversche gezwungen, ihre Überschussbeteiligung 6,75 auf nur noch 5 Prozent pro Jahr zu reduzieren. Eine klammheimliche Häme der Branche war dem Unternehmen gewiss.
Diese Entwicklung hat den Lebensversicherungsmarkt kräftig durcheinander gewirbelt. Plötzlich stehen in Unternehmensratings wie dem „mapreport“ Versicherer an der Spitze, die bisher eher im Verborgenen blühten. Doch auch Altbekannte sind darunter: die Cosmos, der Direktversicherer der AMB Generali Gruppe, Debeka, BHW Lebensversicherung, Delta Direkt, sowie Condor und Inter. Manche Lebensversicherer scheinen geradezu in einer eigenen Wirtschaftswelt zu leben. Doch einsame Spitze ist die Asstel, die erst 1998 aus der eher betulichen Berlin-Kölnischen Lebensversicherung a. G. entstanden ist. Sie deklariert Überschüsse, die an die guten Zeiten vor Börsebaisse und Niedrigzins erinnern. Dazu heißt es aus Köln wörtlich: „Bezüglich der Ertragskennzahlen ist die Asstel mit Abstand Marktführer auf dem deutschen Versicherungsmarkt“. Erklärt wird das mit den sehr hohen Reserven des zum Gothaer Versicherungskonzern gehörenden Direktversicherers.
Zum Trost für die Klientel anderer Versicherer sei gesagt: Die Reduzierung der Überschüsse gilt nur für die Zukunft und keinesfalls unbefristet. Und bisher zugeteilte Überschussanteile sind von der Kürzung nicht betroffen. Über Kürzungen oder Erhöhungen wird außerdem Jahr für Jahr neu entschieden. Der garantierte Rechnungszins von derzeit 3,25 Prozent im Jahr bleibt dabei außen vor. Denn diesen verdienen die Versicherer nach wie vor. Außerdem ist für dessen Höhe das Finanzministerium zuständig.
(Michael Glück)







