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Legenden live – Herbert Ebertz

Everybody’s darling!

Herbert EbertzHerbert Ebertz

Kein anderer Unternehmer, der mit Anlegergeld Investitionen finanziert, hat sich jemals so engagiert wie Herbert Ebertz. Die Prospekte seiner Beteiligungskonzepte waren dünn, sein Know-how und sein Vertrauen in seinen Erfolg immens. Der Mann, der die Hotelkette Dorint entwickelte, wurde zum Vorbild einer Branche, auch wenn er ihre Grundsätze nicht immer akzeptierte.

Herbert Ebertz sitzt mit mir in seinem neuen Büro in Köln an der Aachener Straße neben dem RTL-Komplex und gegenüber seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Büro der Unternehmensgruppe Ebertz & Partner. Er ist der umtriebigste, bekannteste und wohl ehrlichste Immobilien-Unternehmer, den die Finanz- und Beteiligungsbranche (die früher mit dem schrägen Begriff „Abschreibungsbranche“ diffamiert wurde), hervorgebracht hat. Und: Er ist einer der bedeutendsten. Seine Firma Dr. Ebertz & Partner hat seit 1975 für rund 10 Mrd. Euro Immobilien-Objekte realisiert, darunter 75 (!) Hotels, und meist über geschlossene Immobilienfonds finanziert.

Ich bewundere Herbert Ebertz. Ich beneide ihn nicht. Wenn Sie diesem Mann begegnen und ihm in die Augen sehen und er fragt Sie: „Wollen Sie sich bei meinem neuen Projekt beteiligen?“, dann fragen Sie nicht lange nach Details, sondern geben ihm einen Scheck. Solches jedenfalls haben ca. 10.000 wohlhabende Bundesbürger seit 1975 getan. Sie haben sich an Ebertz Fonds beteiligt, ohne viel zu fragen. Es gab wenig schriftliche Unterlagen zu seinen Investitionsvorhaben. Es gab aber immer sein Wort. Er übernahm immer die persönliche Haftung. Das war so vom ersten seiner Beteiligungsfonds an bis heute, Herbert Ebertz haftete stets persönlich. Auf einige Milliarden Euro (!) addierten sich zeitweise diese Verpflichtungen.

„Ich bin bis heute nie aus meiner Komplementärhaftung in Anspruch genommen worden. Gezahlt habe ich aber dennoch viel – meist freiwillig. Ich hatte mir ein ordentliches Vermögen erarbeitet, aber vier Fünftel daraus gingen letztendlich für Subventionen an die Fonds, speziell für die Objekte im Osten, wieder weg.“

„Sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem ich Bilanz ziehe. Über 30 Jahre ist bei uns alles gut gelaufen. In den letzten Jahren gab es leider einiges, das schiefging, So mit einem Bau in Düsseldorf auf der Königsallee, dem heutigen Hotel Interconti (s. Foto): schwerer Kranunfall – Tote – Bauverzögerungen – Mietausfall – Schaden insgesamt rund 20 Millionen Euro (!). Bis heute wurde nichts von der Versicherung bezahlt! Ärger gab es auch in Kitzbühel, dem wunderschönen Schlosshotel Arosa. Es wurde zwei Jahre lang von einem Grundstücks-Nachbarn, dem früheren VW-Vorstand Lotz, bekämpft. Folgen: EK-Platzierungsprobleme, verzögerte Fertigstellung, Millionen Mehrkosten. Und schließlich haben im Osten unsere Projekte auch hohe Subventionen erfordert. Das musste erst einmal alles verkraftet werden.

Warum ich vor zwei Jahren aufgehört habe und meine Firma verkauft habe? Ich war gerne Unternehmer. Aber die Errichtung einer Immobilie kostet durchschnittlich fünf Jahre: Grundstück besorgen, Baurecht beschaffen, Bauzeit, Mängelbeseitigung. Das sind fünf Jahre, bis alles problemlos läuft. Das möchte ich heute – mit bald 70 Jahren – nicht mehr auf mich nehmen. Ich konzentriere mich deshalb auf die Verwaltung des mir verbliebenen Restvermögens.“

Das Gespräch ist gerade mal elf Minuten alt. Ebertz redet schnell. Er zögert nicht bei Hochvertraulichem oder auch Unangenehmem. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Ebertz ist ein Wertmaßstab der einmaligen Art. Vertrauen nimmt er, Vertrauen gibt er. Beides ohne Einschränkung. Er erwartet kein Falschspiel vom Gegenüber, von niemandem.

„Sie wissen, ich habe ein Handelslehrer- und ein Volkswirt-Examen und war zuerst Repetitor für WiSo-Studenten der Uni Köln. Dann habe ich promoviert. Das Thema lautete: ‚Das so genannte Zonenrandgebiet, regionalpolitische Zielsetzung und verteilungspolitische Wirkung’ ... Welch ein Zufall!“

Dieses Gesetz hat danach in Deutschland eine Investitionswelle mit hohen Steuervorteilen für Anleger ausgelöst. Die „Abschreibungsbranche“ war geboren. Ebertz, neben Rüger, Gräbner, Quast u. a., einer der ersten Protagonisten.

„Ich habe immer aus ‚Spaß an der Freud’ meinen Job gemacht. Ob wir bei einem Objekt Geld verdient haben oder nicht, das war mir fast egal. Ich wollte die Herausforderung und die Befriedigung, etwas zu schaffen. Wenn sich ein Projekt später nicht rechnete, dann habe ich mir gesagt: ‚Okay, dann haben wir eben Pech gehabt’. Wir standen dazu und zahlten im Zweifel drauf, insgesamt sicher 50 Millionen.“

Heute ist alles anders.
Die Immobilienbranche hat sich gewaltig entwickelt. Die Zeit des persönlichen Engagements, z. B. der Unternehmer, ist wohl vorbei. Herbert Ebertz aber ist noch präsent: als Komplementär bei 30 Fonds. Heute allerdings sähe sein Geschäftsmodell anders aus als in den 70ern und 80ern.

Was würden Sie heute anders machen? „Zunächst: Ich würde sicher vorsichtiger sein und weniger Risiken eingehen. Dann würde ich mehr Objekte an Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen verkaufen. Und schließlich würde ich die Steuervorteile nicht beachten, denn sie sind natürlich nur eine Kompensation für mehr Risiko. Aber wer hätte damals – in der Euphorie des Mauerfalls und der Wiedervereinigung – nicht an eine baldige Erholung der Ostländer geglaubt?“

Herbert Ebertz zu seinen schönsten Erlebnissen als Immobilienunternehmer: „Alle Eröffnungsfeiern unserer Objekte mit unseren Anlegern zählen dazu. Die Freude über etwas Geschaffenes, die Anerkennung der Investoren.

Schließlich die Reisen mit unseren Kommanditisten nach Wien, Petersburg, Rom und Prag. Vor zwei Jahren haben wir 200 unserer Kunden nach Prag in die Deutsche Botschaft eingeladen. Sie erinnern sich an die historische Szene, als Außenminister Genscher 1989 den Flüchtlingen im Garten der Prager Botschaft die Ausreise in den Westen ankündigte? Herr Genscher trat auf meine Bitte hin tatsächlich noch einmal auf dem Balkon auf und hat unseren Kunden das damalige Ereignis auf emotionale Weise erklärt. Ein einmaliges Erlebnis. Wir haben fast alle geheult.“

(Dieter E. Jansen)


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