Mittelstandsfinanzierung wird vielfältiger
Fachkongress der Rating Services AG in Gemeinsamkeit mit FINANZWELT
Nachdem die deutschen Banken ihre Börsenkrise überwunden hatten, haben sie sich inzwischen auf den Mittelstand besonnen. Nach wie vor gibt es jedoch vielfach schwierige Finanzierungsbedingungen für Unternehmen.
Der Bankkredit ist nach wie vor die wichtigste Finanzierungsform für den deutschen Mittelstand. Zudem lebt sie weiter: die Hausbank des deutschen Mittelständlers. Dies ist zunächst das positive Ergebnis einer umfänglichen Befragung mittelständischer Unternehmen durch den Lehrstuhl für Finanz- und Bankwirtschaft an der Universität Bayreuth. Dennoch gebe es „eine spürbare Spreizung der Kreditkonditionen zwischen Unternehmen mit guter und schlechter Bonität“, so Prof. Dr. Manfred Steiner von der Universität Bayreuth. Zudem habe das Umfeld von Basel 2 zu einer Limitierung des Kreditangebotes bzw. zu vermehrten Ablehnungen geführt. „Logische Folge für Unternehmer ist daher die Beschäftigung mit alternativen Finanzierungsangeboten sowie die Notwendigkeit zu verändertem Informationsverhalten“, so Prof. Steiner. Die neue Herausforderung beschreibt Hans Loges, Vorstand der Rating Services AG, wie folgt: „Die traditionelle Mittelständler- Hausbank-Beziehung wird um viele weitere Partner ergänzt.“ Wie gewöhnungsbedürftig diese neue Situation ist, beschrieb Gregor Battistini, Vorstand der ARBOmedia AG: „Früher hat man sich mit dem Banker an einen Tisch gesetzt, um zu sehen, wie man die Kuh vom Eis bekommt. Heute wird derart viel Eigenkapital vorausgesetzt, dass man das Darlehen eigentlich nicht mehr benötigt.“ Zudem bemängelte Battistini, dass viele Bankberater „entweder nicht wissen oder nicht weitergeben wollen, dass es im eigenen Haus auch Ansprechpartner gibt, die für alternative Finanzierungsinstrumente zuständig sind.“Ein Vorwurf falschen Informationsverhaltens, den sich allerdings auch viele Anbieter von Mittelstandsfinanzierungen entgegenhalten lassen müssen. So bemängeln viele Kapital suchende Unternehmen, dass ihnen die Anforderungen der Mittelstandsfinanzierer nicht klar seien. Nach einer Statistik der KfW Bankengruppe, die unter Mittelständler eine Firma mit bis zu 500 Mio. Euro Umsatz versteht, gibt es in Deutschland 3,5 Mio. Firmen dieser Größenordnung. Allerdings setzen davon 85 % weniger als 1 Mio. Euro im Jahr um. Ignoriert man dabei Finanzierungsarten wie Leasing und das zunehmend an Bedeutung gewinnende Factoring, spielen alternative Finanzierungen keine große Rolle. So gaben 20 % der befragten Unternehmer an, bereits negative Erfahrungen mit alternativen Finanzierern gemacht zu haben und 73 % glauben, die seien nur etwas für größere Unternehmen. Diese Einschätzung ist falsch. Richtig ist allerdings, dass ohne umfangreiches und positives Rating nichts geht. Dies erschwert die Situation gerade für junge Unternehmen.
Potenzial der Fonds für Mittelstandsfinanzierungen nicht ausgeschöpft. Bisher noch keinen Durchbruch bei den sogenannten Mittelstandsfonds konstatierte dann auch Thomas F. J. Voss, bei Rating Services AG verantwortlich für Vertriebsstrategien und vertriebliche Umsetzungen – bei allerdings großem Potenzial. Voss forderte daher höchstmögliche Transparenz, nur so könnten die Mittelstandsfonds gegenüber den international investierenden Private Equity Dachfonds eine eindeutige Positionierung erreichen. Als weitere Kriterien forderte er Mitsprache- und Kontrollrechte und klare Investitionsstrategien. Immer mehr Anleger seien bereit, entsprechende Risiken einzugehen und ohne Umwege direkt in mittelständische Unternehmen zu investieren. Hierzu seien die Anbieter jedoch gefordert, die Berater beim „Transportieren“ dieser komplexen Anlageformen zu unterstützen. Telekommunikations- und Medienfinanzierungen in Form von fremdkapitalnahem Mezzanine Kapital sind das Ziel der Christopher Private Equity GmbH & Co. 7 KG. Der Fonds profitiert dabei vom großen Vorteil weitestgehend gesicherter Einnahmen bei Ablieferung der jeweiligen Filmproduktion. Fondsinitiatorin Sylvia Hess versteht sich dabei als „echte“ nternehmerin und will die jeweils finanzierten Zielfirmen am eigenen Know-how partizipieren lassen.
„Ein Prinzip der offenen Ohren“ verfolgt auch Michael Motschmann, Vorstand der MIG Verwaltungs AG. Er versteht seine Fonds daher nicht nur als Kapitalgeber, sondern als aktive Begleiter der Unternehmen in ihrer Entwicklung. Aus dem Bereich der Unternehmensberatung und –finanzierung kommt auch Dr. Ralph Westerhoff, Geschäftsführer der WCP Westerhoff Capital Partner GmbH. Er machte darauf aufmerksam, dass die Anbieter von Mittelstandsfonds in den kommenden Jahren mehr politisches Gewicht bekommen müssen und sich potenziellen Zielunternehmen als „ein“ Ansprechpartner präsentieren sollten. Es sei noch zu sagen, dass Georg Fahrenschon, Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Finanz- und haushaltspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, den Kongresstag mit aktuellen, den Mittelstand etreffenden steuerrechtlichen Themen abrundete und noch einmal deutlich formulierte: „Der Mittelstand liegt uns am Herzen – und das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern beschäftigungspolitische und wirtschaftliche Basisarbeit in der Bundesrepublik Deutschland.“ Auch für junge, innovative Unternehmen sollen in den nächsten Jahren Fördergelder und KfWDarlehen deutlich ausgebaut werden, meinte Fahrenschon auf eine Publikumsfrage. Das alleine wird jedoch nicht reichen.
(Michael Oehme)







