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Das Märchen von den sicheren Rentenfonds

Festverzinsliches

Der lange positive Aktientrend scheint seinen Zenit erreicht zu haben. Die Indizes dies- und jenseits des Atlantiks stehen auf oder nahe All-Time Highs und vor allem aus den USA mehren
sich die negativen Zeichen. Zeit, aus den Aktien auszusteigen und auf „sichere“ Rentenwerte zu setzen?

So scheint jedenfalls die Mehrzahl der deutschen Anleger zu denken. Sie gab bis Ende Mai Anteile an Aktienfonds im Wert von 8 Mrd. Euro zurück und nahm dafür Geldmarktfonds ins Depot. Das war wohl „sicher“, aber von der Rendite her eher unerotisch: Es brachte gerade mal 1,65 %, was niemanden vom Stuhl reißt, der gleichzeitig mit den Aktienfonds 18,1 % eingefahren hat.

Offenbar wiederholen die deutschen Anleger einen typischen Fehler, der letztlich auf einem Missverständnis über die „Sicherheit“ von Festverzinslichen beruht. Die sich andeutende konjunkturelle Abkühlung geht mit steigenden Zinsen einher. Die Vorstellung, dass feste Zinsen zu einer „sicheren“ Anlage führen, scheitert an einem kleinen Haken: Man muss wissen, für welchen Zeitraum Sicherheit durch feste Verzinsung geschaffen werden soll. Das geht nur mit festem Enddatum. Der Grund: Die schwankenden Marktzinsen sorgen bei festen Coupons für Kursausschläge. Sicher ist hier nur der Ableger, der sein Papier zu einem fixen Termin und einem fixen Kurs wieder abgibt, und das ist normalerweise nur zum Laufzeitende gegeben.

Wer aber dagegen mit offenem Zeit - horizont im Rentenmarkt investiert, wie die meisten Fonds, der trägt auch das Zins-/Kursrisiko und muss mit beachtlichen Wert- schwankungen leben. Die kommen zwar nicht so plötzlich, wie bei den Aktien, dafür sind die Ausschläge dauerhafter. Daher sind steigende Zinsen Gift für Rentenfonds. Zumal der Kursverlust bei steigenden Zinsen umso größer ist, je länger die Restlaufzeit ist. Wer also in den Trend steigender Zinsen hinein Rentenfonds kauft, nimmt praktisch sichere Verluste ins Depot. Aber noch wichtiger sind die gegenläufigen Bewegungen von Zins und Aktienertrag.

Natürlich werden die Aktien irgendwann schwach, wenn die Zinszange in die Aktien beißt: Höhere Zinsen sind für die Unternehmen unausweichlich höhere Kosten, was die Erträge schmälert. Zugleich führt ein steigender Diskontierungssatz zu einem niedrigeren Kurs- Gewinn-Verhältnis. Kurz: Der laufende Gewinn wird schwächer und dann auch noch schlechter bewertet. Da müssen die Kurse runtergehen. Allerdings braucht das Zeit. Wer direkt an der Zinswende die Aktien weggibt und stattdessen Festverzinsliche ins Depot nimmt, kassiert die vollen Kursverluste des Zinsanstiegs mit und verpasst die oft zum Ende eines Aktientrends auftretenden beachtlichen Gewinne (s.o.).

Sinnvoll ist der schrittweise Ausstieg aus den Aktien mit festverzinslicher Wiederanlage, die sich anfangs überwiegend auf kurze Laufzeiten beschränken und erst später im Zinszyklus auch auf längere ausweiten sollten. Natürlich gibt es keine Garantie für die richtige Schätzung der Zinsentwicklung. Sicher ist, dass wer sich vom Märchen „Renten sind sicher“ einfangen lässt, am Ende zu den Verlierern gehört.

(MARTIN KLINGSPORN)


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