Die Finanzkrise
FINANZKRISE – Katastrophe zur rechten Zeit …?
„Geht die Ära der Aktie zu Ende?“, fragt die Welt am Sonntag am 26. Oktober. „Geht die Ära der Finanzdienstleister, die Kapitalanlagen vermitteln, zu Ende?“, frage ich heute.
Kapitalthemen. Zu den hoffnungsvollsten Zeilen gehören diese: „Manche Experten sehen eine jahrelange Eiszeit für Dividendenpapiere voraus“, und „… in sechs bis neun Jahren haben sich die Börsen wieder erholt.“ Die Branchennewsletter melden täglich, dass geschlossene Fonds aus dem Markt genommen werden. Emissionshäuser, die Platzierungsgarantien draußen haben, blättern gerade in den Insolvenzvorschriften. Das Frühjahr wird diesbezüglich ein paar Überraschungen bieten.
Es gibt also Gründe genug, die Marktpartner, die Anlagekapital einsammeln, einmal zu fragen, wie es weitergeht. An erster Stelle sollten die Banken und die Vermögensverwalter ihre Analysen und neuen Rezepte darstellen. Aber auch Vertriebe sind gefordert, die Zukunft der Makler, Berater und Anlagenverkäufer zu skizzieren.
Wie immer, wenn es breitflächig gilt, Meinungen zu eruieren, bitte ich Vertreter der Betroffenen an einen Tisch zum aktuellen Gespräch. So auch diesmal. Ich hätte es besser nicht getan. Was ich jetzt erlebte, hat mir die Sprache verschlagen. Eingeladen zu drei Round-Tables waren einerseits Banken, aber auch Vermögensverwalter und die Vertriebe. Allen sollten die gleichen Fragen vorgelegt werden. So zum Beispiel diese: Welche Anlageklassen sind künftig richtig, welche tabu? Welche Renditeziele sind vernünftig und welche Risiken unbedingt zu vermeiden? Schließlich: Wird es einen Krisen-Kahlschlag bei Vermittlern geben?
Hoffnungsfroh brachten wir 60 Gesprächs-Einladungen auf den Weg. Nach 48 Stunden kam die Ernüchterung. Alle, in Worten: ALLE (!) Banken und Vermögensberater sagten ab. Wie konzertiert und zentral gesteuert. Einige Begründungen haben wir einmal in einem Kasten zusammengefasst. Sie sprechen für sich. Ich hatte erwartet, dass besonders jetzt die Banken jede Gelegenheit nutzen, beruhigend und vertrauensbildend zu wirken. Ich habe mich getäuscht.
Hitliste der Interview- Absagegründe der Banken und Vermögensverwalter
- „Leider können wir derzeit auf Grund der durch die Marktumstände bedingten Zeitknappheit nicht an Ihrer Umfrage teilnehmen.“ (Privatbank)
- „Wir bedauern sehr, aufgrund knapper zeitlicher Ressourcen an Ihrer Umfrage derzeit nicht teilnehmen zu können.“ (Großbank)
- „Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir die zur Zeit unglaubliche Flut von Umfragewünschen der Medien nicht in jedem Fall zeitgerecht bearbeiten können. Leider müssen wir deshalb eine Teilnahme an Ihrer Umfrage absagen.“ (Großbank)
- „Aufgrund der Kurzfristigkeit und eines straffen Zeitmanagements können wir bedauerlicherweise keinen Vertreter aus unserem Hause senden.“ (Privatbank)
- „Wegen der Finanzkrise sind alle Mitarbeiter momentan zu sehr beschäftigt.“ (Privatbank)
- „Die Finanzmärkte sind derzeit in großem Aufruhr, weshalb alle Kapazitäten hierfür benötigt werden.“ (Vermögensverwalter)
Aber gewisse Informationsdefizite zeigt auch die Zunft der Vertriebe. Mir sind keine Mailings an Kunden oder Pressemitteilungen mit Baldrian-News oder Argumentarien mit Zukunftsparolen oder -visionen bekannt geworden. Eine ganze Branche starrt wie paralysiert auf den Staat. Soll er unsere Branche ebenso rettend regulieren wie die der Banken? Ich wünsche mir das nur sehr eingeschränkt.
Da FINANZWELT-Leser aber trotz Info-Boykotts Anspruch auf Analysen, neue Ideen und neue Lösungsansätze haben, werde ich versuchen, diese zu liefern.
Die Vertriebe haben die Zeichen der Zeit allerdings erkannt. Die Eingeladenen haben alle zugesagt.
Ich habe aber die Absagen der Banken und Vermögensverwalter nicht hingenommen, sondern einen Fragebogen zur schriftlichen Stellungnahme übermittelt. Es kamen diesmal Antworten. Allerdings nur 4 (!). Diese vier seien hier besonders erwähnt und bedankt.
- Fürst Fugger Privatbank, Augsburg
- FIDUKA Depotverwaltung, München
- Value Holdings Vermögensmanagement, München
- Postbank AG, Bonn
Die Antworten sind richtungweisend und ehrlich. Sie machen den schlechten Anfangseindruck nicht wett, stimmen aber milder.
Aus meinen Versuchen, Sie, liebe Leser, aufzuklären, ist schlussendlich doch etwas Spannendes geworden:
- Ein Exklusiv-Interview mit Alexander Betz. Er ist Gründer und Chef der efonds 24-Gruppe, eine Anlage-Plattform ohne Nutzungs-Beschränkung für freie Vermittler
- Das Ergebnis der Vertriebs-Round-Tables
- Auswertung der Bankenumfrage
Sie erfahren, was die Profis an Veränderungen und Konsequenzen erwarten, und was Anlegern und Vermittlern heute zu raten ist.
Liebe FINANZWELT-Leser, nehmen Sie sich Zeit für die Lektüre – es lohnt sich!
Teil 1 – Das sagen die Klassiker
Teil 2 – Das sagt der Unabhängige
Teil 3 – Das sagen die Konservativen
Teil 4 – Das sagt der Newcomer
Was Sie vermissen werden, sind Anlagevorschläge wie die Listen der Asset-Klassen, die jetzt in sind. Allgemein gültige Rezepte gibt es aber nicht. Anlagekonzepte sind abhängig von den Zielen, dem Finanzpotenzial und der Individualität eines jeden Einzelnen von Ihnen. Rezepte sind out, die individuellen Analysen von Profis sind in. Das ist heute eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Finanzkrise.
(Dieter E. Jansen)







