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Die neue DCM als Anbieter verschiedener Asset-Klassen

FINANZWELT IM GESPRÄCH

Das Münchner Emissionshaus DCM AG, das im vergangenen Jahr insbesondere mit der Entwicklung eines der ersten G-Reits in Deutschland befasst war, bietet mittlerweile eine breite Auswahl an unterschiedlichen Asset-Klassen. Das Ziel des Unternehmens ist, sich durch besondere Produktmerkmale und durch die Art der Assets von den Mitbewerbern zu unterscheiden. FINANZWELT sprach mit Claus Hermuth, Vorstandsvorsitzender der DCM AG, über die neue DCM.

FINANZWELT: Ihr Haus war über Jahre führend im Bereich Immobilienfonds Deutschland. Was hat dazu geführt, dass diese Erfolgsserie unterbrochen wurde?

Hermuth: Wir haben in den letzten Jahren erfolgreich großvolumige Immobilienfonds platziert, die in hochwertige Büroimmobilien und zuletzt – im Jahre 2006 – in Pflegeheime investierten. In den letzten zwei bis drei Jahren stiegen die Preise für Immobilien dieser Qualität, wie sie aus meiner Sicht für eine Fondsinvestition erforderlich ist, rasch an und erreichten Einkaufsrenditen von nur noch 5 % bis 6 %. Dies war für den Immobilienmarkt sicherlich eine erfreuliche Entwicklung, für die Konzeption geschlossener Fonds, die nach meiner Ansicht eine Anfangsausschüttung im Bereich von 6 % ermöglichen sollten, war und ist dieses Preisniveau ungeeignet. Diese Entwicklung ging mit unserer strategischen Entscheidung im Jahre 2006 einher, unser Produktangebot stärker zu diversifizieren, das heißt, unseren Vertriebspartnern und Investoren eine breitere Auswahl unterschiedlicher Asset-Klassen anbieten zu wollen – allerdings selbstverständlich, ohne das Immobiliengeschäft aufzugeben.

FINANZWELT: Sie haben ja im letzten Jahr nur ein Fondsvolumen von ca. 200 Mio. Euro realisiert – eine durchaus respektable Zahl, nach den Statistiken der Vorjahre jedoch nur ca. 1/3 Ihrer früheren Umsätze. Einige Marktteilnehmer machten sich da schon Sorgen um die DCM – zu Recht?

Hermuth: Es ist natürlich immer schön, wenn man sich um uns sorgt – aber Spaß beiseite – dafür gibt es keinerlei Anlass. Wir hatten im letzten Jahr drei Schwerpunkte: Wir haben Anlegern ausgewählter Immobilienfonds angeboten, ihre Immobilien in eine neue Aktiengesellschaft einzubringen, die als REIT an die Börse gehen sollte. Dieses „REIT-Projekt“, angestoßen durch die Einführung des deutschen REITs im ersten Halbjahr 2007, beanspruchte alle unsere Kapazitäten. Es war schlichtweg unmöglich, daneben noch zahlreiche geschlossene Fonds zu konzipieren und zu platzieren. Andere Schwerpunkte lagen im Um- und Aufbau unseres Personals im Hinblick auf unsere neue „Multi-Asset-Strategie“ sowie darin, in den neuen Asset-Klassen Verhandlungen mit Produktpartnern aufzunehmen und mit unserem ersten Solarfonds bereits eine neue Asset-Klasse an den Markt zu bringen.

FINANZWELT: Zunächst zum Thema Personal und Management: Da haben Sie als – mit Verlaub – „alter Hase“, der seit relativ vielen Jahren die DCM führt, doch einiges durcheinander gewirbelt …

Hermuth: So alt fühle ich mich mit meinen 52 Jahren zwar noch nicht, Sie haben aber durchaus Recht, dass ich mich als jemand, der sich einschließlich seiner Rechtsanwaltszeit seit weit über 20 Jahren in der Fonds- sowie Immobilienbranche bewegt, schon manchmal über die vielen neuen, jungen Gesichter in unserer Branche wundere. Aber wir haben tatsächlich in unserem Management eine große Branchenerfahrung, die wir in unserem nach wie vor mittelständisch geprägten Unternehmen auch in schnellen Entscheidungswegen zur Weiterentwicklung der Gesellschaft einsetzen können. Deshalb wurde auch die Entscheidung des Vorstands, einen personellen Um- und Aufbau vorzunehmen, von unseren Aktionären getragen und im Januar 2007 rasch umgesetzt. Zehn Mitarbeiter verließen die DCM, seither haben wir unseren Mitarbeiterstamm stark erweitert. So engagieren sich bspw. nunmehr zehn Mitarbeiter in den Bereichen Steuer, Recht und Konzeption, um gemeinsam mit Kooperationspartnern unsere neuen Produktlinien zu realisieren.

FINANZWELT: Zur von Ihnen angesprochenen „Multi-Asset-Strategie“: Machen Sie nun alles das, was auch andere große Emissionshäuser machen, oder verbirgt sich dahinter ein strategischer Ansatz, der Sie von Ihren Mitbewerbern unterscheidet?

Hermuth: Unser Ziel ist es natürlich, uns von den Mitbewerbern zu unterscheiden – entweder durch die Art der Assets oder besondere Merkmale, die unsere Produkte aufweisen. Wenn Sie erlauben, gebe ich Ihnen hierfür einige Beispiele: Wir haben die Produktlinie „Containerfonds“ mit einem außergewöhnlichen steuerlichen Konzept begonnen, das sich vom Sitz und dem Management unseres Produkts auf der Insel Madeira ableitet. Wir haben mit unserem ersten Solarfonds im Jahre 2007 vom Stand weg die Markführerschaft übernommen, indem wir eine Vielzahl von Solaranlagen auf Aldi-Distributionslager-Dächern in Deutschland und Spanien gebündelt haben. Wir starten unsere Flugzeugfonds nicht mit Passagiermaschinen, wie sie den Markt der geschlossenen Fonds dominieren, sondern mit Frachtflugzeugen. Dazu haben wir vier Maschinen vom neuesten und kosteneffizientesten Frachtflugzeug – der Boeing 777-200LRF – erworben, die von der Firma Aero Logic, einer Tochtergesellschaft von Lufthansa Cargo und DHL, langfristig geleast und vom Flughafen Leipzig / Halle aus geflogen werden. Schließlich haben wir einen Fonds in der Platzierung, mit dem wir in Immobilien-Projektentwicklungen in Indien investieren.

FINANZWELT: Also doch noch Immobilien – aber warum gerade Indien?

Hermuth: Wir haben gemeinsam mit dem in London sitzenden Investmentteam von Jones Lang LaSalle verschiedene Länder und Investitionsmöglichkeiten – insbesondere also mögliche Zielfonds – analysiert mit dem Ziel, möglichst konkrete Projekte in einem bestimmten Land mit bestimmten Partnern zu finanzieren. Wir wollten uns hier absetzen von den Dachfonds, die in eine Vielzahl von – zum Teil noch nicht feststehenden – Ländern über wiederum mehrere mögliche, aber nicht abschließend definierte Zielfonds investieren. Im Ergebnis haben wir uns aus einer Vielzahl von Gründen für Indien als Investitionsland und Saffron Asset Advisors als regionalen Immobilienspezialisten, der mit Jones Lang LaSalle Meghraj vor Ort kooperiert, entschieden. Bspw. überzeugten uns die Wachstumschancen des Landes auf der Grundlage einer jungen, bestens ausgebildeten Bevölkerung ebenso wie die langjährige Immobilienkompetenz und hervorragende Vernetzung des Saffron-Managements, deren konservative „Denke“ sowie die uns aufgezeigten früheren und aktuellen Projekte. Dies alles führt meiner Überzeugung nach zu einem hoch spannenden Produkt mit einem ausgezeichneten Chancen-Risiko-Profil.

FINANZWELT: Da haben Sie ganz schön viel vor – ist das nun die neue DCM oder wechseln Sie in Kürze wiederum zu anderen Asset-Klassen?

Hermuth: Was die breite Diversifikation in verschiedene Asset-Klassen betrifft, ist das die neue DCM. Aber keine Sorge: Unser strategisches Ziel besteht darin, diese Produktlinien dauerhaft fortzuführen und auszubauen, nicht, jedes Jahr komplett neue Produkte zu konzipieren. Wir werden weiterhin in Immobilien investieren, haben zur Weiterentwicklung mit der Produktlinie Energiefonds vor einigen Monaten die DCM Energy AG gegründet, mit der wir an mehreren Solarfonds arbeiten, wir haben nicht nur ein Flugzeug, sondern derer vier erworben, um mehrere Fonds realisieren zu können, und schließlich – wir werden in Indien bleiben. Nicht zu vergessen dabei unser Produkt „Vorsorgeportfolio“ als Dachfonds, der in mehrere geschlossene Fondsklassen investiert, auch diese Produktlinie werden wir fortführen.


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