Mogelpackung Lightfood-Produkte?
Fitfood – Fastfood – Brainfood – Sportfood – Fatfood – Lessfood – Biofood – Slowfood – Funfood
Anfang der neunziger Jahre wurde der Markt mit Lightprodukten überschwemmt, die weniger Kalorien und leichten Genuss versprachen. Dass sich der Light-Trend Mitte der 90er abschwächte, hat sicher auch damit zu tun, dass die Verbraucher geschmacklich mit den neuen Produkten nicht zufrieden waren. Die Light-Varianten blieben eben oft nur Imitate. Auf die mäßige Nachfrage reagierten die Hersteller mit verbesserten Rezepturen, neuen Begriffen und aufwändigen Werbekampagnen.
Ursprünglich sollte das Attribut light auf eine Kalorienverminderung hinweisen, wenn in bestimmten Produkten Zucker durch Süßstoff und Fett durch Wasser ersetzt wurde. Oder die fettärmere Variante zum Einsatz kam, wie z.B. Magermilchprodukte, Pute, Rind oder Kalb. "Light" ist per Gesetz nicht definiert, so dass der Industrie ein großer Spielraum an Definitionsmöglichkeiten bleibt. Begriffe wie "leicht bekömmlich, geringer Nährstoffgehalt, kalorienarm, alkoholarm, salzarm, weniger Kohlensäure" sind nur einige Beispiele, die dem Verbraucher die Vorzüge des Produktes anpreisen sollen. Hinzu kommen die Assoziationen des Verbrauchers. Diese statteten Lightprodukte mit dem folgenden Eigenschaftsprofil aus: "gesund" (51,7 %), "ich kann damit abnehmen" (62,4 %), "gut für die Verdauung" (39,3 %), "fettarm" (86,1 %), "viele Vitamine" (31,1 %), "kalorienarm" (91,6 %), "weniger Fett als vergleichbares Produkt" (85,6 %). Mit Beginn des neuen Jahrtausends scheint der Begriff "light" langsam aus der Mode zu kommen, die Ablösung steht bereit und heißt jetzt "Fitness", "Balance" und "Wellness". Ganz im Trend der gesunden Ernährung werden einem herkömmlichen Joghurt nun Vitamine, Ballaststoffe oder Mineralien zugesetzt. Die Bewerbung des natürlichen Fettgehalts suggeriert dem Verbraucher Ursprünglichkeit. Wer weiterhin Kalorien sparen möchte, der achte auf den Hinweis "ohne Fett" oder "low fat". Dieser Hinweis findet sich zunehmend auch auf Nahrungsmitteln, die von Natur aus kein oder kaum Fett enthalten, z.B. Geflügelwurst, Joghurtgums etc..> Was erscheint gesichert in dem Wirrwarr der Begrifflichkeiten?
Diätprodukte sind überwiegend für Diabetiker gemacht. Energiegehalt und Inhaltsstoffe müssen deklariert werden. Das Etikett Diät ist kein Garant für eine Kalorienverminderung. Oftmals wird der Zucker durch Zuckeraustauschstoffe ersetzt, die in der Regel einen vergleichbaren Kaloriengehalt aufweisen. Das sagt aber noch nichts über den Fettgehalt aus. Kalorienarm darf ein Lebensmittel genannt werden, das nicht mehr als 50 Kalorien pro 100 Gramm bzw. 20 Kalorien pro 100 ml Getränk enthält. Kalorienreduziert sind die Produkte, die gegenüber einem vergleichbaren Produkt 40 % weniger Kalorien aufweisen. X-Prozent absolut gibt den tatsächlichen Fettgehalt eines Lebensmittels an. Werbestrategen nutzen diesen Hinweis gerne, um einen tatsächlich viel fetteren Käse mit dem beeindruckenden Hinweis light verkaufen zu können. Fett i. Tr., die Abkürzung steht für "Fett in der Trockenmasse". Dieser Hinweis ist vor allem bei Käse notwendig, weil er während der Lagerung Feuchtigkeit verliert und das Gewicht nicht als Bezugsgröße heran gezogen werden kann. Deshalb wird der Fettgehalt auf die Trockenmasse des Käses bezogen. Fett liegt im gereiften Käse in konzentrierter Form vor. Das erklärt den hohen Gehalt an Fett in der Trockenmasse, der in der Regel nur klein gedruckt dem Konsumenten präsentiert wird. Die Aufmerksamkeit wird lieber auf die Formulierung "X-Prozent absolut" gelenkt, die etwa ein Drittel der Wertes i.Tr. ausmacht. Teilweise werden Lebensmittel sogar mit Luft/ Stickstoff aufgepumpt, um deren Volumen zu erhöhen. Der Käufer schluckt den Preis für dieses Luftprodukt, das sich mit dem Hinweis "doppelt leicht" recht gut verkauft.
> Wie reagiert der Körper auf light und Co.?
Light bedeutet nicht automatisch auch gesund. Denn oft enthalten die Lightprodukte neben viel Wasser auch jede Menge Zusatzstoffe. Eine Halbfettbutter oder -margarine zum Beispiel kompensiert das Weniger an Kalorien durch ein Mehr an Wasser und Emulgatoren. Wie anders sollte sonst das Fett, das ja bekanntlich auf Wasser schwimmt, gleichmäßig in der Margarine verteilt werden? Eine Light-Mayonnaise wird auch nicht zwangsläufig kalorienarm, wenn der Fettgehalt von 80 % auf 50 % sinkt. Der Esslöffel Mayonnaise liefert dann immer noch stolze 90 Kalorien (statt 60 Kalorien). Ganz verdammen sollte man diese Produkte nicht. Auf dem Weg zur Gewichtsstabilisierung bzw. -reduzierung können sie unterstützend eingesetzt werden. Vorausgesetzt, das Attribut leicht verleitet nicht dazu, jetzt die doppelte Menge zu essen. Dies ist in der Praxis häufig der Fall. Immer wieder in der Diskussion sind die zur Kalorienersparnis eingesetzten Süßstoffe, die mal als Krebs erregend oder als den Appetit steigernde Zusätze in der Schweinemast in die Schlagzeilen gelangen. Seit Jahrzehnten ist widerlegt, dass Süßstoffe in normalen Mengen Krebs verursachen. Die Appetit stimulierende Wirkung, die aufgrund einer physiologischen Insulinsekretion ausgelöst wird, ließ sich durch eine Vielzahl von Studien eindeutig widerlegen. Hätten Süßstoffe Auswirkung auf die Blutzuckerkonzentration bzw. auf den Insulinspiegel, so dürften Sie in Lebensmitteln nicht vorkommen, da sie verschreibungspflichtige Arzneimittel wären.
(Dipl. oec.troph. Sabine Echterhoff)







