Über den Wolken...
Flugzeuge faszinieren Reisende und Anleger
Die Flugzeugfonds, die 2007 ein überzeugendes Comeback feierten, setzen ihren Höhenflug auch 2008 fort. Flugzeuge profitieren wie Schiffe von der Globalisierung.
Innerhalb weniger Stunden war der A380 mehr als ausgebucht. Die Rede ist vom DS-Fonds Nr. 128 Flugzeugfonds III, der in das neue Großraumflugzeug A380- 800 von Airbus investiert. Anleger sind ähnlich fasziniert vom A380 wie die Passagiere. Das Fondsobjekt ist seit Oktober 2007 zwischen Singapur und Sydney im Einsatz, und die Reisenden wollen kaum mehr mit der altehrwürdigen Boeing 747 fliegen, dem Jumbo. Allerdings besteht bei Anlegern kein Anlass zur Panik: Weitere A380 werden Dr. Peters und Doric auf den Markt bringen. Und es gibt Alternativen zum A380.„Flugzeugfonds bilden das am schnellsten wachsende Segment im Markt der ge schlossenen Fonds“ heißt es im News - letter Ratingwissen. Trotz der spektakulären Platzierungserfolge haben es die Flugzeuge noch nicht zu einer eigenen Assetklasse geschafft. Früher, in den Zeiten hoher Verlustzuweisungen, wurden Flugzeuge zusammen mit Eisenbahnwaggons unter Leasing geführt.
In der aktuellen Statistik der Beteiligungsmodelle von Feri Rating & Research werden die Flugzeuge unter Spezialitäten eingeordnet – neben Container-, Spiele- und Musikfonds sowie Wald- und Holzfonds. Und auch auf der Verkaufsplattform von efonds24 müssen die Flugzeugfonds mit einem Platz unter „Sonstige“ vorlieb nehmen. Als „neue Assetklasse“ stellte dagegen Christian Oscar Geyer, geschäftsführender Gesellschafter bei Dr. Peters GmbH & Co. KG, auf dem Feri Symposium „Beteiligungsmodelle 2008“ die Flugzeugfonds vor.
Flugzeugfonds haben einiges gemeinsam mit den Schiffsfonds, die ganz eindeutig als eigene Assetklasse gelten. Beide profitieren von der Globalisierung. Und es sind ausgerechnet die Emissionshäuser, die mit Schiffsfonds groß geworden sind, die Flugzeugfonds wiederentdeckt haben, wie Lloyd Fonds in Hamburg und Dr. Peters.
Grundsätzlich profitieren beide Transportmittel von der Expansion des Welthandels, der schneller wächst als das weltweite Bruttoinlandsprodukt. Die heutigen Flugzeugfonds sind reine Operating Leasing Fonds, dieser Markt lässt sich durchaus mit dem Chartermarkt bei den Schiffen vergleichen. In beiden Fällen wird mit einer langfristigen Vermietung der Investitionsgüter kalkuliert. „Ein Verkauf ist grundsätzlich jederzeit mit und ohne Charter-/Leasingsvertrag möglich, aber die Höhe des Verkaufserlöses ist vom Marktumfeld abhängig“, erläutert Geyer. Das gilt sicherlich für ein Flugzeug wie die A 380, die auf Jahre konkurrenzlos sein dürfte. Und auf Grund der bestehenden Produktionskapazitäten ist auch nicht davon auszugehen, dass der Markt mit dem neuen Flugzeug überschwemmt wird.
Die Flugzeugfonds prognostizieren ähnlich wie die Schiffsfonds steuerfreie Ausschüttungen zwischen 7 und 8 %. Die Schiffsfonds können die Tonnagesteuer nutzen, die Flugzeugfonds die Abschreibungen und Zinszahlungen auf die Erträge anrechnen und damit ebenfalls weitgehend steuerfreie Ausschüttungen in Aussicht stellen. „Und der Veräußerungserlös ist nach zehn Jahren steuerfrei“, unterstreicht Geyer. Bei Schiffsfonds ist auch die Steuer auf den Veräußerungsgewinn durch die Tonnagesteuer abgegolten.
Im Groben sind zwei Konzepte zu unterscheiden – wie bei den Schiffen: Fonds, die einzelne Flugzeuge oder mehrere desselben Typs erwerben, und Flottenfonds. In Einzelflugzeuge wird auch ein in der Planung befindlicher Fonds von KG Allgemeine Leasing GmbH & Co. (KGAL) investieren. Es handelt sich um drei Regionaljets vom Typ DASH 8-Q 400 mit 10-Jahres-Leasing - verträgen für Croatia Airlines.„Einzelflugzeugfonds sind für mich ein sinnvolles Investment, wenn es sich um ein gängiges Muster handelt und damit das Wertentwicklungsrisiko des Flugzeugs als gering einzuschätzen ist“, meint Gert Waltenbauer, Mitglied der Geschäftsführung KGAL, insgesamt Marktführer bei Flugzeug-Leasingfonds. Auch Hannover Leasing plant die Rückkehr ins Geschäft mit Flugzeugfonds.
Bei HGA Capital hat der Anleger mit dem HGA/Aviation Co-Invest I die Möglichkeit, sich neben großen institutionellen Anlegern an einem Portfolio von bis zu 30 Passagierf l u g z e u g e n z u beteiligen. Ein identisches Angebot kommt von Wealth- Cap. „Der Wealth- Cap Aircraft 24- Fonds beteiligt sich am selben Flugzeugpool, dessen Konzept uns derart überzeugt hat, dass wir uns entschlossen haben, diesen Zugang auch unseren Vertriebspartnern und Kunden anzubieten,“ erläutert Hans-Georg Acker, Geschäftsführer der Wealth Management Capital Holding. Der Fonds investiert ebenso wie der HGA/Aviation Co-Invest I in Genussrechte, die von der HSH Global Aircraft I S.à r.l. begeben wurden. Der Anleger erzielt, wenn die Finanzverwaltung das Konzept anerkennt, Einkünfte aus Kapitalvermögen, die eigentlich ab 1.1.2009 der Abgeltungssteuer von 25 % unterliegen. Weil die Emission der Genussscheine vor dem 31.12.2008 erfolgte, bleiben die Einkünfte für den deutschen Anleger steuerfrei. Auch der Veräußerungsgewinn ist nicht zu versteuern.
Um eine Art Flottenfonds handelt es sich auch beim Air Portfolio III von Lloyd Fonds. Der investiert über Indexzertifikate in ein Portfolio von Flugzeugen, das dem Guggenheim Aviation Investment II entspricht, in dem rund 120 Passagierund Frachtflugzeuge enthalten sind. „Anders als bei den Einzelflugzeugfonds, die ihre Erträge aus dem Betrieb eines Flugzeuges und anschließendem Verkauf generieren, setzt das ‚Air Portfolio III‘ auf Wertsteigerung durch Umbau zu Frachtflugzeugen, die dann zeitnah verkauft werden", erläutert Dr. Marcus Simon, Vorstand der Lloyd Fonds AG. Allerdings: Während bei den Einzelflugzeugfonds schon 2008 Ausschüttungen von 7 bis 8 % winken, ist bei dem Fonds Portfolio III mit ersten auszahlungsfähigen Liquiditätszuflüssen ab 2011 (dann aber 11 bis 12 %) zu rechnen. Die Einnahmen aus den Zertifikaten unterliegen aber anders als die aus Genussscheinen der Abgeltungssteuer.
Aber es gibt auch warnende Stimmen, die von einer Schwemme von neuen Flugzeugen sprechen. Und auch bei den Schiffen schwappen die Orderbücher über, wen man den Skeptikern glaubt.
(Dr. Leo Fischer)







