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Boombranche des Jahres 2008

Flugzeugfonds

Immer mehr Anbieter sind mit Flugzeugfonds auf dem Markt oder kündigen solche an. Die Produkte haben unterschiedliche Anlageschwerpunkte und steuerliche Konzepte.


Flugzeugfonds waren die Wiederentdeckung des Jahres 2007 und schwingen sich zum Aufsteiger des Jahres 2008 auf. „Unter Berücksichtigung der in der Konzeption befindlichen Fonds dürfte sich das Investitionsvolumen der Flugzeugfonds in diesem Jahr verdoppeln“, erklärt Steffen Möller, Chief Executive Analyst.

Einige Initiatoren entdecken den Flugzeugfonds wieder und andere entdecken ihn neu. DCM, HCI, und Wölbern gehören in diese Kategorie, im letzten Jahr waren es Dr. Peters und Lloyd Fonds, die mit diesem Produkt debütierten. Wieder auf dem Markt sind KGAL, Hannover Leasing, Real I.S. und WealthCap. „Insgesamt 15 Initiatoren dürften in diesem Jahr Flugzeugfonds anbieten“, prognostiziert Möller. Im vorigen Jahr waren fünf Flugzeugemissionshäuser auf dem Markt.

Mit der Zahl der Emissionen nimmt auch die Angebotsvielfalt zu. Neben Fonds, die auf ein oder zwei baugleiche Flugzeuge setzen, gibt es Flottenfonds, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Flugzeugen erwerben. Und es handelt sich nicht mehr ausschließlich um Passagierflugzeuge. So ist das Investitionsobjekt des ersten DCM-Flugzeugfonds die Boeing 777-200LRF ein Frachtflugzeug, das besonders hohe Nutzlast transportieren kann und eine große Reichweite hat. „Der Luftfrachtverkehr ist einer der großen Wachstumsmärkte der Zukunft“, erklärt Claus Hermuth, Vorstandsvorsitzender der DCM AG. Der DCM-Chef kann sich dabei auf die Studie „Current Market Outlook 2006“ des US-Flugzeugherstellers Boeing stützen. Danach nehmen die Passagierzahlen bis 2026 jährlich um 4,5 % zu, und der Luftverkehr wächst insgesamt um 5 % jährlich. Dem Luftfrachtverkehr wird dagegen eine jährliche Steigerung von ca. 6,1 % prognostiziert.

Der Luftverkehr profitiert ähnlich wie der Seetransport vom schnell expandierenden Welthandel, der nach einer Daumenregel rund 3 % höhere Zuwächse aufweist als das Welt-Bruttoinlandsprodukt (plus 3 %). „Bei Schiffen liegt das Betriebskostenrisiko allerdings bei dem Fonds und damit bei dem Anleger, während dies bei Flugzeugen vom Leasingnehmer zu tragen ist“, konstatiert Christian-Oscar Geyer, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Peters GmbH & Co. Emissionshaus KG. Die Boeing 777-200LRF des DCM-Fonds ist das insgesamt zweite Exemplar dieses Typs – das erste soll im Herbst dieses Jahres an die Air France gehen und wird im Februar an den Leasingnehmer, die AeroLogic GmbH, ausgeliefert werden. AeroLogic ist eine Tochter der Deutsche Post Unternehmensgruppe und der Lufthansa Cargo AG. Das Flugzeug soll auf der Strecke von Leipzig (zählt nach der Inbetriebnahme des DHL-Verkehrsdrehkreuzes im Mai 2008 zu einem der bedeutendsten Frachtflughäfen Europas) nach Asien und den USA eingesetzt werden.

Neben DCM ist es vor allem Lloyd Fonds, das sehr viel Phantasie in Frachtmaschinen sieht. Über Zertifikate beteiligt der Fonds die Anleger am Guggenheim Aviation Investment Fund II, der in bis zu 125 neue und gebrauchte Flugzeuge investiert. „Der Schwerpunkt der Investitionstätigkeit liegt bei Frachtflugzeugen und der Umwandlung von Passagierflugzeugen in Frachtflugzeuge“, erläutert Dr. Torsten Teichert, Vorstandsvorsitzender von Lloyd Fonds. Im Durchschnitt sollen die Flugzeuge drei Jahre im Fonds verbleiben, es soll also ein kontinuierlicher Kauf und Verkauf stattfinden.

Die Flottenfonds bieten eine größere Diversifikation sowohl nach Flugzeugtyp wie auch nach Leasingnehmer. Nicht bei allen ist die Streuung so ausgeprägt wie bei Lloyd Fonds. Der HGA-Fonds investiert in rund 30 Maschinen, bei Macquarie sind es acht. Allerdings lassen sich die Flottenfonds steuerlich nicht so gut optimieren wie Fonds, die nur ein oder zwei Flugzeuge erwerben. Letztere sind vermögensverwaltend konzipiert. Die Anleger erzielen Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung beweglicher Güter, Abschreibungen und Zinsaufwendungen können von den Mieteinnahmen abgesetzt werden. Auf diese Weise können die Fonds viele Jahre steuerfreie Ausschüttungen generieren. Und auch der spätere Veräußerungsgewinn bei Verkauf des Flugzeugs am Ende der Laufzeit bleibt steuerfrei, wenn die Flugzeuge mindestens 10 Jahre gehalten wurden.

Weil bei einem Flottenfonds das Management weit über den Rahmen einer privaten Vermögensverwaltung hinausgeht, sind die Flottenfonds gewerblich konzipiert, der Anleger erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb und muss diese nach seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Diesen Nachteil vermeidet Lloyd Fonds durch die Zertifikatelösung (bei der ab 1.1.2009 die Abgeltungssteuer greift).HGA und WealthCap setzen auf Genussrechte, bei denen der Veräußerungsgewinn nach Auffassung der Steuerexperten steuerfrei bleibt. Für Anleger in hoher Steuerprogression ist auch die Zertifikatelösung günstiger als der gewerbliche Fonds. Die Genussrechtskonstruktion ist nur noch bei Angeboten möglich, die in diesem Jahr die entsprechenden Genussrechte erwerben.

Für Irritationen sorgte in jüngster Zeit der starke Anstieg der Kerosinpreise und die Warnung der Internationalen Luftfahrtorganisation IATA, dass die Luftfahrtunternehmen in diesem Jahr in die roten Zahlen stürzen. „Das kann aber auch eine gute Seite haben,“ meint Janine Schellhorn, Geschäftsführerin der Deutschen Structured Finance, die in den 90er Jahren als erste auf die jetzt ausschließlich angebotenen Operating-Leasing-Fonds umschwenkte. Es werde leichter sein, günstigere Anschaffungskosten und bessere Rückgabebedingungen durchzusetzen. „Im Hinblick auf den gestiegenen Ölpreis haben vor allem Fluggesellschaften mit jungen Flotten einen Vorteil“, meint Dr. Teichert und verweist auf die fueleffizienten Flugzeugtypen wie B747-8F, B777-F, A333-F, die zu fast 40 % im Portfolio des „Airportfolio III” vertreten sind.

Stark machen sich KGAL-Geschäftsführer Gert Waltenbauer und Gunnar Dittmann, geschäftsführender Gesellschafter der HEH, für den Regionaljet Dash8-Q400. Dittmann: „Dieses Flugzeug wird zu den Gewinnern gehören, weil der Kerosinverbrauch rund 30 % unter dem vergleichbarer Typen liegt.“

(Dr. Leo Fischer)


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