Datum: 12.08.2011
Flussaufwärts!
Flusskreuzfahrten werden bei den Deutschen immer beliebter. Die Passagierzahlen stiegen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozent auf rund 432.800. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um zehn Prozent auf 472 Millionen Euro. Das zeigen aktuelle Zahlen des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Vor diesem Hintergrund sprach „finanzwelt“ mit Dr. Thomas Ritter, Geschäftsführer Hamburgische Seehandlung GmbH & Co. KG, über Investitionen in Flusskreuzfahrtschiffe. Das Emissionshaus hat derzeit den Fonds „Flussfahrt 11“ in der Platzierung, der in zwei Flusskreuzer der 110-Meter-Klasse investiert.
finanzwelt: Beteiligungen in Flusskreuzfahrtschiffe scheinen das ideale Investment zu sein. Gute Leistungsbilanzen, steigende Marktzahlen, wenige Anbieter. Wie kann das noch gesteigert werden? Welche Störgrößen gibt es?
Dr. Ritter: Ideale Investments gibt es leider nur in einer idealen Welt. In der Tat ist es aber so, dass Beteiligungen an Flusskreuzern stabile und gute Ertragsaussichten für Investoren bieten. Das hängt u. a. mit der guten Preisstabilität von Flussschiffen zusammen, zumal nur einige wenige Werften in Europa in der Lage sind, solche Schiffe zu bauen und zugleich im weltweiten Vergleich das Marktsegment so klein ist, dass es sich für Billiganbieter – zum Beispiel aus China – nicht lohnt, in diesen Bereich einzusteigen. Aufgrund der Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung ist die Zielgruppe für Flusskreuzfahrten in einem nachhaltigen Wachstum, aber auch, weil beispielsweise Städtereisen, bei denen man das Hotel nicht wechseln muss, enorm an Bedeutung gewinnen. Viele Nachteile bei der Hochseekreuzfahrt fallen bei der Flusskreuzfahrt nicht an. Wir erwarten nicht, dass sich der Markt in irgendeiner Weise stark vergrößert, sondern langfristig ein gesundes Wachstum haben wird. Störend wäre es, wenn zu viele Emissionshäuser gerade wegen der Attraktivität dieses Marktes den gleichen Fehler machen wie in der Handelsschifffahrt und nur wegen der Investorennachfrage zu viele Schiffe bestellen.
finanzwelt: Warum gibt es Ihrer Meinung nach derzeit so wenige Anbieter geschlossener Fonds in diesem Marktsegment?
Dr. Ritter: Für viele Marktteilnehmer im Bereich Geschlossener Fonds ist das Investitionsobjekt Flussschiff, das nur ein Eigenkapital von wenigen Millionen Euro benötigt, viel zu klein, als dass sich eine sinnvolle Fondskonstruktion lohnen würde. Auf der anderen Seite wird ein erhebliches Know-How im Kreuzfahrtbereich gefordert, das sich nur auf wenige Personen konzentriert.
finanzwelt: Wie kann die Auslastung der Schiffe in der Nebensaison verbessert werden?
Dr. Ritter: Für einen Fonds wie „Flussfahrt 11“ beispielsweise ist die Auslastung der Schiffe in der Nebensaison für das Emissionshaus nicht von primärem Interesse, da der Charterer eine Bareboatcharter für das ganze Jahr ohne Bezug zur konkreten Auslastung der Schiffe zahlt. Bei dieser Konstruktion trägt also der Charterer alle Kosten- und Auslastungsrisiken.
finanzwelt: Wie beurteilen Sie die Perspektiven des Marktes? Welche Zielgruppen wollen Sie ansprechen?
Dr. Ritter: Die Marktperspektiven sind nach wie vor und auch langfristig als sehr gut zu bezeichnen. Unsere Hauptzielgruppe sind Investoren, die relativ gut planbare Einkünfte erwarten und möglichst von Marktschwankungen verschont bleiben möchten.
Das Interview führte Kim Brodtmann








