Global Warming – der neue Trend
Fonds-Gedanken
Teile der Investmentindustrie versuchen mit „Global Warming“ das Interesse der Anleger und Vermittler auf nachhaltige Investments und damit auch auf den Sustainability-Gedanken zu lenken.
Schon sprechen die ersten Beobachter von einem „Megatrend". Jüngst erblickte sogar ein gleichnamiger Fonds, der Global Warming Strategie BWI (AOKEYM) der Baden-Württembergischen Investmentgesellschaft, das Licht der Welt; und er dürfte bei Absatzerfolgen nicht der letzte sein. Er wird im Portfolio Schwerpunkte bei Bauunternehmen, Windkraft und Versicherungen setzen. Auch auf dem Zertifikatemarkt wird das Thema bedacht. So legte z.B. die SAM Group aus der Schweiz jüngst das „Climate Change Zertifikat“ auf. Was verbirgt sich hinter dem Schlagwort „Global Warming" und was haben wir davon zu halten?Am einfachsten werfen Sie einen Blick aus dem Fenster! Es geht um den Klimawandel. Aus der Summe der Naturkatastrophen der letzten Jahre, den wärmsten Januarwochen seit Jahrzehnten und Orkanen wie jüngst Kyrill wird eine allgemeine Klimaveränderung in Form einer konstant fortschreitenden Erwärmung abgeleitet. Ob es sich bei dem Phänomen um ein von Menschenhand ausgelöstes handelt, oder ob wir es hier mit einer ganz natürlichen über Jahrhunderte hinweg rollierenden Klimarotation zu tun haben, bleibt zunächst offen und wird unter Experten hitzig diskutiert.
Bewiesen ist allerdings, dass der Gehalt an Kohlenstoffen in der Erdatmosphäre in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, eine großräumige Vernichtung des CO2-Filters „Wälder" stattgefunden hat und die Temperaturen im selben Zeitraum im Durchschnitt leicht stiegen. Prognosen erwarten noch im Verlauf des 21. Jahrhunderts einen durchschnittlichen Anstieg der Temperaturen von rund 2 %, Pessimisten rechnen sogar mit mehr als 5 %.
Egal, ob die Klimaerwärmung nun menschlichen oder natürlichen Ursprungs ist, sie wird nicht ohne Auswirkungen bleiben. Meeresspiegel steigen an, Gletscher tauen ab, Fischfang und Landwirtschaft werden sich verändern. In jedem Fall wird die Wüstenbildung zunehmen und wir müssen mit noch größeren Naturkatastrophen rechnen, was ich wiederum auf die Höhe und Summe der Schadensfälle der Versicherer auswirken wird. Trotz größerer Nachfrage nach Versicherungsschutz könnte das Volumen der Versicherungsgeschäfte aufgrund nicht mehr zu deckender Risiken und steigender Prämien zurückgehen. Zu den „Gewinnern" der Entwicklung könnte unter anderem die Bau- und Energiewirtschaft zählen, die von Schutz- und Infrastrukturmaßnahmen profitieren würde. nteressant erscheint auch die Pharma- und Chemieindustrie, die sich einen zunehmenden Bedarf nach Schädlings- und Krankheitsbekämpfung zunutze machen könnte. Der Markt für klimaschonende Technik könnte Prognosen zufolge schon 2050 ein Gewicht von 500 Mrd. Euro haben und die ökologisch orientierte Industrie statt heute 1,7 Mio. Menschen dann schon 25 Mio. beschäftigen.
Mit Blick auf die Kapitalmärkte wird es folglich unter Staaten regionale und unter Unternehmen sektorale Gewinner und Verlierer des „Global-Warming-Phänomens“ geben. Welche Bedeutung dem Themenkreis beigemessen wird, kann man nicht zuletzt auch an der Tagesordnung des Weltwirtschaftsforums in Davos vor einigen Tagen ablesen, als sich die Politik des Themas annahm, sowie auch an einer gerade veranstalteten Konferenz zwischen Vertretern von Großbanken, Wissenschaft und Umweltgruppen, in der über sinnvolle Investitionen in den Klimaschutz diskutiert wurde.
Der Gedanke, schon heute dem drohenden Klimawandel Rechnung zu tragen, liegt also nahe. Ob man allerdings schon ganz konkret sein Portfolio auf diesen Trend ausrichten muss, halten wir für fraglich bis abwegig. Gut beraten ist, wer den Effekt im Auge behält und sich an Fondslenkern orientiert, die es ähnlich halten. Rund 300 Mio. Euro Mittelzuflüsse in den Pictet Water Fund seit Jahresanfang 2007 und reihenweise neu aufgelegte Fonds aus dem Bereich der ökologischen Geldanlage in den letzten Tagen zeigen uns, dass das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen ist und sich gut vermarkten lässt. Wie immer wird es dabei auch zu Übertreibungen kommen und nicht jeder Anbieter hat auch eine angemessene Expertise vorzuweisen. Berater und Anleger kommen also nicht umhin, sich mit der Thematik näher auseinanderzusetzen und innerhalb der angebotenen Produktvielfalt die Spreu vom Weizen zu trennen.
Um es klar zu sagen und auf den Punkt zu bringen: Ökologische Investments sind mehr als eine Modeerscheinung, sie sind dringend erforderlich und die Kapitalströme sollen helfen,unsere Umwelt zu erhalten. Schließlich regiert Geld die Welt. Allerdings sollte man genauso scharf beobachten, wo die Begriffe wie Nachhaltigkeit, Ethik, Umwelt und Ökologie kommerzialisiert und zu Marketinggags entfremdet werden.
(Björn Drescher)







