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Baring German Growth Trust

Fondsportrait

Deutschland erlebt im Moment sicherlich keinen Boom. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf hohem Niveau, die Binnennachfrage lahmt, die Lohnnebenkosten sind zu hoch und vieles mehr. Dennoch glaubt Gianluca Giardina an das Potenzial von Deutschland. FINANZWELT sprach mit dem Fondsmanager des Baring German Growth Trust über...

ein Investment in Deutschland und stellt dabei seinen Fonds vor.


Der Fondsmanager

Gianluca Giardina gehört seit August 2004 dem Pan European Small Mid Cap Team bei Baring Asset Management an. Er ist verantwortlich für die Analyse europäischer und speziell deutscher Aktien. Bevor Giardina zu Baring kam, arbeitete er zwei Jahre als Analyst bei Fidelity. Vor dieser Zeit war er ebenfalls als Analyst tätig – bei Schroders Investment Management in London. Giardina studierte an der Universität La Sapienza in Rom Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft. Er spricht fließend Italienisch und Französisch.

Der Fonds

Der Baring German Growth Trust investiert in deutsche Unternehmen, die im DAX, M-DAX und S-DAX gelistet sind und ist seit 15 Jahren in Deutschland zum Vertrieb zugelassen. Als Benchmark dient ihm ein Composite Index, der sich aus 50 Prozent DAX Unternehmen, 30 Prozent M-DAX und 20 Prozent S-DAX Unternehmen zusammensetzt. Das Ziel des Fondsmanagers ist es, Unternehmen zu finden, deren Wachstumspotenzial noch nicht vollständig im Kurs der Aktie berücksichtigt ist – sprich Wachstum zu einem angemessenen Preis. Beim Investmentprozess spielt neben der Fundamentalanalyse der einzelnen Unternehmen (Bottom-Up-Ansatz) auch die Asset Allocation (Top-Down-Ansatz) eine Rolle. Der Fonds ist derzeit in den Bereichen Grundstoffe, Informationstechnologie und Energietitel über- und in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Gesundheit und hochwertige Konsumgüter untergewichtet. Der Kassenanteil beträgt aktuell 2,45 Prozent. Der Fonds besitzt ein Fondsvermögen von 266,6 Millionen Euro, der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent, die Managementgebühr 1,5 Prozent und die Total Expense Ratio 1,61 Prozent.

Die Fondsgesellschaft

Barings wurde 1762 gegründet und spielte bereits Ende des 18. Jahrhunderts eine gewichtige Rolle an den Kapitalmärkten. Abzulesen war dies an einem Zitat des ersten französischen Ministers, des Duc de Richelieu im Jahre 1818: „Es gibt sechs Großmächte in Europa: England, Frankreich, Rußland, Preußen und Baring Brothers.” Baring Asset Management wurde 1989 in London gegründet, verwaltet aktuell mehr als 26 Milliarden Euro und beschäftigt weltweit etwa 600 Mitarbeiter in 13 Niederlassungen. Baring Asset Management gehört mittlerweile zur Massachusetts Mutual Life Insurance Company (MassMutual). MassMutual ist ein breit diversifizierter Finanzdienstleistungskonzern und gehört zu den größten Lebensversicherer der USA. MassMutual verwaltet 285 Milliarden US-Dollar im Asset Management Bereich.


Interview mit Gianluca Giardina

FINANZWELT: Herr Giardina, die Situation in Deutschland ist derzeit nicht gerade von Aufbruchstimmung gekennzeichnet. Die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute reduzierten in ihrem Frühjahrsgutachten ihre Wachstumserwartungen für das laufende Jahr von 1,5 Prozent auf 0,7 Prozent. Die Arbeitgeber klagen in Deutschland über zu hohe Lohnnebenkosten und vieles mehr. Warum lohnt es sich für Sie, in Deutschland zu investieren?

Giardina: Die Deutschen sehen vieles zu pessimistisch. Ein Aspekt in Deutschland zu investieren, ist gerade die Tatsache, dass die deutschen Unternehmen die Lohnstückkosten gegenüber den Vorjahren signifikant reduzieren konnten. Die Anzahl der Flächentarifverträge in Deutschland ist rückläufig, da die Gewerkschaften mittlerweile lohnkostensenkende Maßnahmen, die ihnen von Seiten der Unternehmen vorgeschlagen werden, akzeptieren. Beispielsweise wurden bei der Volkswagen AG für die nächsten 18 Monate Lohnnullrunden vereinbart bzw. eine Arbeitszeitverkürzung von 35 bis 40 Wochenstunden ohne Lohnausgleich ausgehandelt.

FINANZWELT: Doch reichen diese Maßnahmen, um etwa mit China konkurrieren zu können?

Giardina: Schauen Sie nicht auf China. Schauen Sie auf Ihre eigenen Stärken. Wir gehen davon aus, dass diese Maßnahmen etwa eine Lohnstückkostenreduzierung von 15 bis 20 Prozent bedeuten und sich positiv auf die Unternehmensgewinne – im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten wie Italien, Frankreich oder Spanien – auswirken.

FINANZWELT: Ein anderes Problem in Deutschland ist die geringe Binnennachfrage.....?

Giardina: Dies ist ein psychologisches Problem. Das Sparaufkommen der deutschen Haushalte ist weiterhin hoch. Bei ansteigendem Konsumentenvertrauen und rückläufiger Sparquote auf einen normalen langfristigen Durchschnitt würden massive Mittel zur Verfügung stehen, die die deutsche Wirtschaft in Schwung bringen könnte.

FINANZWELT: ...und die hohe Arbeitslosigkeit?

Giardina: Der Anstieg auf fünf Millionen ist weitgehend statistisch begründet. Die Arbeitsmarktreformdebatte hat dazu beigetragen, dass „Arbeitslosigkeit” transparenter gemacht wird. Positiv zu vermerken ist, dass die Deutsche Bundesbank einen starken Anstieg der offenen Stellen im ersten Quartal 2005 verzeichnen konnte. Auch auf diesem Gebiet erwarten wir langsam positive Einflüsse.

FINANZWELT: Worin sehen Sie die Wettbewerbsvorteile Deutschlands?

Giardina: Deutschland ist Exportweltmeister. Die Auftragseingänge in der Industrie aus dem Ausland nehmen kontinuierlich zu, wodurch die Kapazitätsauslastung langsam wieder an Fahrt gewinnt. Deutschland exportiert mehr Güter nach Russland und Osteuropa als die USA.

FINANZWELT: Dennoch beklagen die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich eine zu hohe Steuerbelastung.

Giardina: Auch hier bewegt sich etwas. Die diskutierte Senkung der Körperschaftssteuer von 25 Prozent auf 19 Prozent würde mehr Liquidität für die Unternehmer bedeuten und könnte sich auf die Investitionstätigkeit auswirken.

FINANZWELT: Wie beurteilen ausländische Investoren den deutschen Pessimismus?

Giardina: Der Standort Deutschland wird von ausländischen Unternehmen besser eingeschätzt als von den deutschen. Und dies zu Recht. Produkte aus Deutschland werden immer noch als qualitativ hochwertig angesehen, und für einen überdurchschnittlichen Service nehmen ausländische Unternehmen auch höhere Preise in Kauf. Zudem nimmt Deutschlands Produktivität seit 2003 kontinuierlich zu. Deutschland ist ebenfalls bei der Anmeldung von Patenten - und dies seit Jahrzehnten - führend.

FINANZWELT: Was spricht für deutsche Aktien?

Giardina: Die Bewertungen der Aktien vieler deutscher Unternehmen sind in absoluter und relativer Hinsicht sehr attraktiv. Dies gilt jedoch nicht für alle Unternehmen. Für die Performance eines deutschen Aktienfonds ist im Moment vor allem die Auswahl der Aktientitel entscheidend – Stichwort Stockpicking. Wir verfolgen beim German Growth Trust einen Bottom-Up-Ansatz und suchen Unternehmen, die für die Zukunft gut gerüstet sind und ein überdurchschnittliches Wachstum erwarten lassen – und dies unabhängig von den Aussichten des Sektors, dem sie zugeordnet sind.

FINANZWELT: Welche Unternehmen erfüllen Ihre Auswahlkriterien?

Giardina: Diese Unternehmen finden wir vor allem im Small- und Mid Cap Bereich. Mittelständische Unternehmen profitieren stärker von Wachstumsimpulsen als Large Caps. Sie sind auch von der Entwicklung des US-Dollars weniger beeinflusst als Large Caps, da sie vor allem in Euro fakturieren. Was die einzelnen Unternehmen angeht, favorisiere ich derzeit Unternehmen wie Metro, Continental, MAN, Krones und Puma.


Gianluca Giardina gehört seit August 2004 dem Pan European Small Mid Cap Team bei Baring Asset Management an. Er ist verantwortlich für die Analyse europäischer und speziell deutscher Aktien. Bevor Giardina zu Baring kam, arbeitete er zwei Jahre als Analyst bei Fidelity. Vor dieser Zeit war er ebenfalls als Analyst tätig – bei Schroders Investment Management in London. Giardina studierte an der Universität La Sapienza in Rom Volkswirtschaft und Betriebswirtschaft. Er spricht fließend Italienisch und Französisch.

(Michael Lennert)


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