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Der gläserne geschlossene Fonds Teil 2

Fondsrating

Gemeinsam mit der Rating Services AG, München - als neuer Kooperationspartner - setzt FINANZWELT eine Serie fort, die Licht ins Dunkel möglicher Beurteilungsmethoden, Anbieter und Zielsetzungen von Ratings geben soll.

> Teil 2: Rating der Fonds (Produktrating) und/oder Fondsgesellschaft (Unternehmensrating)


Manchmal ist es schwierig oder sogar unmöglich auf eine einfache Frage wie z.B. „Welchen Fonds soll ich kaufen?“ eine einfache Antwort zu geben. Auch die Gegenfrage „An welcher Art von Fonds sind Sie interessiert“ hilft nicht weiter.

Es ist aber gerade die Aufgabe der Berater, komplexe und für den Anleger intransparente Produkte soweit vereinfacht zu kommunizieren, dass der interessierte Anleger versteht, worum es geht und so seine Entscheidung auf einer belastbaren Informationsbasis treffen kann. Fehlende Transparenz und mangelndes Verständnis stören die Bildung von Vertrauen und sind damit für den Vertriebsprozess äußerst gefährlich. Auf der Suche nach Lösungen hat die Branche das Rating entdeckt, nicht zuletzt deswegen, weil dieser Begriff dank Basel II seit 1999 fast täglich in den Wirtschaftsteilen der Presse auftaucht.

Jedoch entsteht jetzt eine neue Gefahr der zunehmenden Verwirrung bei der Unterscheidung zwischen mathematischen bzw. qualitativen Bewertungssystemen und Stern-Ranking-Systemen sowie Fonds-Rating-Systemen und der Frage, was diese denn eigentlich aussagen.
Glücklicherweise wissen heute immer mehr Finanzberater, dass eine einfache Antwort nicht immer die richtige ist. Sie sind sich der Notwendigkeit bewusst, einen Fonds zu verstehen: „Was sind die Anlageziele? Wie versucht der Fonds, diese Ziele zu erreichen? Welche Organisation, welche Person steht dahinter?“ usw.. Daher fordern sie zurecht die qualitative Analysen, die Ratings liefern, und einheitliche Klassifikationen und Aussagen für die quantitativen Rankings. Ratings und Rankings dürfen aber nicht in einen Topf geworfen werden, denn sie haben unterschiedliche Bedeutung und machen ganz verschiedene Aussagen.


> Fonds oder Fondsgesellschaft

Der Anleger stellt sich an dieser Stelle die Frage: Welche Bewertung ist für mich aussagerelevant, der Fonds oder die Fondsgesellschaft? Investieren will der Anleger in einen Fonds, also ist die Antwort doch klar: Es geht um Fonds- Rating. Passt der Fonds in seiner prospektierten Konzeption mit dem prognostizierten Wertentwicklungszielen und dem unvermeidbaren Risikoprofil mit den Zielen und Vorstellungen des Anlegers zusammen? Ein Fondsrating muss also hier eine nachvollziehbare und qualifizierte Auskunft geben, um als Entscheidungshilfe nützlich zu sein.
Häufig wird von der Annahme ausgegangen, dass man jedem Investor ein spezifisches Anlagetypus zuordnen kann, der im Wesentlichen die individuelle Risikobereitschaft und die Höhe seiner Investments sowie die Anlagedauer definiert. Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob man es mit einem Investor zu tun hat, der bisher seine Ersparnisse in Festgeldanlagen und Bundesschätzen angelegt hatte, oder einem, der Aktien und Optionsscheine gekauft hatte. Ebenso ob die generell zur Verfügung stehende Summe 5-stellig oder 7-stellig ist. Die Kunst einer erfolgreichen Beratung besteht also darin, erstens den Anlagetypus eines Interessenten zu erkennen und zweitens den dazu passenden Fonds der entsprechenden Gesellschaft zu präsentieren. Vereinfacht gesagt, es geht um die Kompatibilität des Anlegerverhaltens mit der Fondskonzeption. Dabei ist nicht zu vernachlässigen, dass die Fondskonzeption in der Verkaufsphase zunächst nur auf dem Papier, d.h. im Prospekt steht.
Wie aber die im Prospekt definierten Ziele und Strategien umgesetzt und mit welcher Konsequenz und Professionalität die Entwicklung des Fonds während der Laufzeit gemanagt wird, das hängt von der Fondsgesellschaft, vom Fondsmanagement und den Entscheidungs- und Anlageprozessen ab. Also interessiert den Anleger auch die Bewertung der Fondsgesellschaft. Bei Fonds, die während der gesamten Laufzeit Aktivitäten seitens der Fondsgesellschaft erfordern, weil das Erstinvestment z.B. mehrmals gedreht wird, muss diese Bewertung kontinuierlich erfolgen. In der Praxis hat sich eine jährliche Überprüfung und ggf. ein quartalsmäßiges Monitoring als zweckmäßig erwiesen. Ergeben sich personelle Veränderungen, z.B. bei den Leistungsträgern im Fondsmanagement, so können sich völlig neue Verhältnisse einstellen und eine Adjustierung des Ratings zur Folge haben.
Schlussendlich ist die Effizienz einer Fondsgesellschaft sowie die gewählten Vertriebswege ganz wesentlich verantwortlich dafür, wie hoch der Investitionsgrad eines Fonds am Ende des Tages ist. Die so genannten „Soft Costs“ sind umso höher je ineffizienter eine Fondsgesellschaft arbeitet und je kostspieliger der gewählte Vertriebsweg ist. Dieser Teil des Investments steht dem eigentlichen Zweck gar nicht mehr zu Verfügung. Bei der Auflage eines Fonds steht lediglich das Konzept zur Verfügung, welches mehr oder weniger verständlich und nachvollziehbar im Prospekt beschrieben wird. Kann die Fondsgesellschaft auf das Management früherer Fonds verweisen, ist die Frage der Prognosesicherheit ein ganz wesentlicher Bewertungsfaktor, also die Frage nach der Übereinstimmung von Angaben des Prospektes mit laufenden oder in der Vergangenheit abgewickelten Fonds. Alle diese Einflussfaktoren werden in einem Rating der Fondsgesellschaft analysiert und bewertet und schlussendlich zu einem Ratingergebnis zusammen gefasst.


Im nächsten Teil werden u.a. die Fragen untersucht: Welchen Nutzen haben Ratings für Anleger, Initiatoren, Fondsgesellschaften und Vertriebe?

(Hans J. Loges)


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