Datum: 21.10.2011
Frauenquote – Nein, Danke!
Frauen werden – besonders im Job - mit Attributen wie ehrgeizig und zielstrebig belegt. Es heißt, dass Frauen in Deutschland heute besser ausgebildet sind als ihr männliches Pendant. Doch trotz alledem sind weibliche Führungskräfte immer noch in der Minderheit.
Dieses Problem hat nun auch die Politik erkannt. Gleich zwei Frauen aus dem Regierungslager streiten zurzeit über den Sinn einer Frauenquote. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen möchte per Gesetz die Quote durchsetzen. Familienministerin Kristina Schröder will dagegen die Konzerne per Gesetz nur zur Abgabe einer Selbstverpflichtung zwingen. Offen ist, wer das Rennen macht. Mit einer Blitzumfrage bei Versicherungsunternehmen wollte die finanzwelt wissen, wie die Branche zur Frauenquote steht.
Die Auswertung der Befragung macht deutlich: Qualifizierte Frauen sollten die Chance bekommen, in Führungspositionen aufzusteigen; aber dafür eine strikte Quote zu installieren, lehnt die Mehrheit der befragten Versicherer ab.Gerade weibliche Führungskräfte äußern sich ablehnend einer Frauenquote gegenüber. „Ich fördere alle Mitarbeiter, die über das nötige Potenzial verfügen“, beschreibt Signal-Iduna Vorstand Marlies Hirschberg-Tafel ihr Vorgehen.
„Es ist unsere Verantwortung, sicherzustellen, dass Frauen ihren Weg nach oben gleichberechtigt mit Männern beschreiten können. Auch eine gezielte Förderung wie über unser Gender Mentoring Programm halte ich für sinnvoll. Eine gesetzliche Frauenquote empfinde ich hingegen als ein falsches Signal. Denn bei der Besetzung von Führungspositionen sollte das Geschlecht keine Rolle spielen“, schließt sich AXA-Personalvorstand Ulrich C. Nießen an.
Mit speziellen Förderprogrammen entgegnen viele Versicherungsunternehmen der immer noch vorherrschenden Meinung, dass Frau auf dem Weg an die Führungsspitze größere Hürden überwinden müssen als ihre männlichen Kollegen – Stichwort Familie und Kinder. „Es entspricht der Unternehmenskultur unseres Konzerns, den bei unseren Unternehmen tätigen Frauen Möglichkeiten zu bieten, berufliche Karriere einerseits und Familienleben andererseits möglichst zu verbinden. Hier sind wir mit sehr flexiblen Arbeitszeiten und vielfältigen Teilzeitangeboten – auch für Führungskräfte – recht weit, sehen aber weitere Optimierungsmöglichkeiten“, Karl Hochstadt; Pressesprecher der ALTE LEIPZIGER – HALLESCHE.
Einige Unternehmen setzen sich Ziele bei der Frauenquote und untermauern diese mit Zahlen. Die ERGO Tochter Munich RE will bis Ende 2020 in Deutschland konzernweit mindestens 25 % Frauen in Führungspositionen bringen. Schon eher, nämlich 2015 will die Allianz erreichen, dass 30 % der Führungspositionen in Frauenhand sind. Jürgen Stahl, Personalleiter der HanseMerkur Versicherungsgruppe, berichtet stolz, dass bei dem Hamburger Versicherer 55 % der Beschäftigten Frauen sind. Zudem liege die Frauenquote bei leitenden Angestellten bei 30 %. Von allen leitenden Mitarbeitern im Unternehmen sind rund 10 % Frauen, lautet das Statement der R+V.
Mehr als Männer bilden Frauen für ihre Arbeit zunehmend Netzwerke. Das „Generali Deutschland Frauennetzwerk“ z. B. avisiert Ziele und schärft das Bewusstsein für dieses Thema im Konzern.
Fazit: Ein klares NEIN zur gesetzlichen Frauenquote, aber ein konsequentes JA zu weiblichen Führungskräften.
(Claudia Krämer)








