Mit Sicherheit zu teuer
Garantiefonds
Anlageprodukte mit Garantiebestandteilen lohnen sich – wenn denn überhaupt – nur im kurzen Anlagehorizont bis zu 5 Jahren Laufzeit. So lautet das generelle Ergebnis einer auf Simulationen aufbauenden Studie von Uwe Wystrup, Professor an der Frankfurt School of Finance (Ex-Bankakademie), im Auftrag der Fonds-Firma Franklin Templeton.
Im Anlagehorizont von 25 Jahren fressen Garantien etwa die Hälfte der Rendite, mit dem Effekt, dass Garantieprodukte – selbst unter günstigen Umständen – schlechter abschneiden als einfache, unbesicherte Index-Produkte. Dieses Ergebnis erfreut zumindest die FINANZWELT-Redak - tion, hatten wir an dieser Stelle doch schon häufiger deutliche Zweifel an dieser Produktklasse geäußert und insbesondere an Nonsensprodukten, wie sie etwa von der Dortmunder apano zum Teil als schlichtes Paket aus Zerobond und Hedgefonds-Zertifikat, teilweise auch als reines Garantiezertifikat unters Volk gebracht werden (s. Ausgabe 02/2006).Wystrups Simulations-Studie bezieht neben Produkten des Auftraggebers (vor allem den Templeton Growth Fund) und dem DAX Discount-und Bonuszertifikate typische Riester-Produkte mit „dynamischen“ Absicherungen (CPPI) und so genannte Performance-Produkte mit einer Kapitalgarantie ein. Letztere werden gewöhnlich mit einem Zerobond dargestellt, der um eine Spielgeldkomponente ergänzt wird (siehe auch unser Konzept für ein Lotto-Zertifikat aus „Wir basteln uns ein Garantieprodukt“, Ausgabe 02/2006).
Diese Produktgruppen wurden in verschiedenen Marktverläufen getestet. Dazu wurden aus den historischen Daten die für bestimmte Marktlagen und -verläufe charakteristischen Parameter wie etwa Häufigkeiten und Größe von Sprüngen (obere und untere 5 %- Intervalle der monatlichen Schwankungen) herausgefiltert. Aus diesen Bausteinen wurden 3 Szenarien konstruiert: ein positiver Verlauf („Glücksfall“), der Normalfall entsprechend den historischen D ten sowie ein „Unglücksfall“. Dieser Ansatz führte zu folgenden Ergebnissen:
Die Zahlen transportieren ganz klar die vorher genannte Botschaft: Garantiestrukturen sind in dem zugrunde liegenden Anlagehorizont von 25 Jahren ein überflüssiger Luxus. Selbst bei ungünstigen Umständen („Unglück“) ergibt die Simulation, dass die Garantieprodukte unterm Strich schlechter abschneiden als der DAX, von gemanagten Fonds ganz zu schweigen. Hier liegt die eigentliche Botschaft der Studie: Absicherung lohnt sich einfach nicht, wenn selbst im negativen Trend der Verzicht auf die Sicherung und die Ersparnis entsprechender Kosten zum besseren Ergebnis führen. Dass Garantieprodukte bei günstigen Umständen schwächer performen als ungesicherte Standardprodukte, ist dagegen zwangsläufig: Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen kann dann letztlich nur in den direkten wie indirekten Kosten der Absicherung liegen, die das Garantieprodukt belasten. Das gilt zumal für die Produkte mit Kapitalgarantie („Performance“), bei denen die indirekten Kosten durch den Verzicht auf lukrative Anlagen zugunsten einer sicheren festverzinslichen Komponente derb zu Buche schlagen. Das Ganze scheint tatsächlich nur im Konzept „Lotto spielen mit Kapitalgarantie“ sinnvoll zu sein.
Nimmt man statt des DAX den rechnerisch noch 2 bis 3 Prozentpunkte besser abschneidenden Fonds des Auftraggebers als Maßstab, wird vollends deutlich, dass die Garantieprodukte wirklich nur den Emittenten nützen, weil sie ein Stück Gebührenschinderei und ein paar Marketing-Gags erlauben. Die Anleger haben weniger Grund zur Begeisterung. Generell sind für das schwache Abschneiden von Garantieprodukten zwei sich zuweilen sogar gegenseitig verstärkende Faktoren verantwortlich: Garantien sind in in aller Regel mit zusätzlichen Gebühren verbunden, Versicherungen müssen eben bedient werden. Wie sehr gerade die Kosten der Absicherung an der Rendite nagen, zeigen die aus den Simulationen gewonnenen Tauschlinien (tradeoffs) zwischen Rendite und Sicherungsniveau bei den Riester-Produkten (s. Grafiken). Bei einer Sicherung auf dem Niveau von 3 % wird die Sicherung direkt negativ: Dann ist im Normalfall auch nicht mehr zu erwarten.
(MARTIN KLINGSPORN)







