Leistungsbilanzen
Geschäfte in der Grauzone

Die Leistungsbilanz gehört zum festen Bestand der Beteiligungsbranche als Instrument, das in Zusammenhängen Transparenz schafft, die einen halbwegs funktionierenden Markt auf längere Sicht erst ermöglichen.
Dazu muss die Leistungsbilanz die Doppelrolle aufnehmen und wiedergeben, die die Initiatoren typischerweise in Beteiligungsmodellen spielen: Zunächst sind sie Konstrukteure und Lieferanten eines Anlageproduktes. Hier bemisst sich die Initiatoren-Leistung nach der Qualität von Prognosen und Konzepten, weil eine über längere Zeit profitable Investition zu planen und zu programmieren ist. Der mehr oder weniger gelungene Vollzug dieser Pläne in der Bewirtschaftungsphase fordert dagegen Managementqualitäten, vor allem die Fähigkeit, mit negativen Überraschungen umzugehen. Beide Dimensionen kommen in der üblichen Leistungsbilanz zusammen und ergeben einerseits eine aussagekräftige Grundlage für eine faire Bewertung der Initiatorenleistung und schaffen andererseits so viel Transparenz, dass die Qualität eines gegebenen Angebots im Verhältnis zum Markt eingeschätzt werden kann. Soweit ist die Sache wohl unumstritten.
Problematisch wird es da, wo den Fonds die für die Emission verantwortlichen Initiatoren abhanden kommen und neue Köpfe für die Geschäftsführung gebraucht werden. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Die reichen vom Abgang per U-Haft im Zusammenhang mit dem Griff in die Kasse der Anleger bis zur Pleite der Kerngesellschaften ohne konkreten Bezug zu den einzelnen Fonds. Aus Sicht der Anleger geht es entweder darum, einen unerwünschten Partner loszuwerden, der nicht mehr vertrauenswürdig erscheint, oder einen akzeptierten Partner ersetzen zu müssen, der ungewollt verloren ging. Der Vorgang selbst kommt so häufig vor, dass es durchaus einschlägige Adressen für die Führung von Geschlossenen Fonds gibt, die angestammte Geschäftsführer verloren oder abgeschafft haben.
In der Branche gut bekannt ist das Münchner Haus IC Immobilien, das gemäß Leistungsbilanz per Ende 2007 unter eigenem Namen emittierte Geschlossene Immobilienfonds mit einem Investitionsvolumen von etwas über 600 Mio. Euro auswies. Der insgesamt verwaltete Immobilienbestand wird aber mit über 4 Mrd. Euro angegeben, beläuft sich also fast auf das Siebenfache der eigenen Emissionen. Den größten Einzelposten unter den fremden Beständen in IC-Betreuung bilden die BBVI-Fonds, die der Versicherungskonzern BBV der eigenen Fondstochter aus der Hand nahm und in die Obhut der IC gab in den Nachwehen der Affäre um die Konzerntochter BBV Immobilienfonds. Das Volumen der von der BBVI übernommenen Fonds wird mit rund 1,4 Mrd. Euro angesetzt. Das wirklich Spannende daran ist aber die Selbstverständlichkeit und Konsequenz, mit der die IC die BBVI-Fonds in ihre Verwaltung integriert hat. Vor allem gehört eine saubere Berichterstattung über den Verlauf mit einer ordentlichen Leistungsbilanz dazu.
Die Angebote der Berliner Gesellschaft Kondert & Mainka (K&M) klingen ganz ähnlich, wenn auch das Geschäft wohl nicht in vergleichbar großem Rahmen läuft. Dafür ist die Zielrichtung etwas deutlicher: „Im Mittelpunkt unserer Tätigkeit stehen die von den Initiatoren unabhängige Betreuung und Verwaltung Geschlossener Fonds, die Beratung bei der wirtschaftlichen Sanierung sowie die Betreuung von Anlegern problematischer Fondsgesellschaften bei der Auseinandersetzung mit deren Anspruchsgegnern", heißt es in der Selbstdarstellung auf der Internetseite der Firma. Sie ist in dem Netzwerk um den Berliner Anwalt Wolfgang Schirp verankert. Zentrales Element ist dabei der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz, in dem Anlegerinteressen aufgefangen und gebündelt werden. Der Kreis der professionellen Dienstleister rund um den Aktionsbund kann auf den Internetseiten von K&M oder der Kanzlei Schirp Schmidt-Morsbach Apel (SSMA) nachvollzogen werden. Bekannt geworden sind die K&M und ihre wichtigste Protagonistin Kerstin Kondert im Zusammenhang mit den Problemen der Berliner Immobilienfonds mit Objekten aus dem sozialen Wohnungsbau, den Fonds aus dem Konzern der Bankgesellschaft Berlin sowie zuletzt auch im Zusammenhang mit dem Thema Medienfonds, insbesondere dem zunächst einmal gescheiterten Versuch, die Führung von VIP-Fonds an sich zu ziehen.
Die eigene Rolle bei den Sanierungen beschreibt K&M so: „Wenn wir einen ‚Fonds in der Krise' übernehmen, überprüfen wir zunächst anhand der uns überlassenen Unterlagen die wirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen." (...) „Im nächsten Schritt analysieren wir den aktuellen Finanzierungsaufbau, die langfristig realistischen Einnahmen und Ausgaben und erarbeiten ein neues Finanzierungskonzept, das eine nachhaltige Sanierung des Fonds ermöglicht." (...) „Wird mit den finanzierenden Banken ein Sanierungskonzept verabschiedet, stellen wir dieses Konzept im Rahmen einer Gesellschafterversammlung vor, so dass jeder Gesellschafter entscheiden kann und muss, ob er die Umsetzung des von uns vorgeschlagenen Konzeptes mittragen will."
In dieser Darstellung gibt es klare Anhaltspunkte für die Initiatorenrolle von K&M: Die Fonds erhalten eine neue (Sanierungs-)Konzeption, die von K&M entwickelt, mit den Beteiligten ausgehandelt und schließlich umgesetzt wird.
Eine E-Mail mit der Bitte um eine Leistungsbilanz wurde nicht beantwortet und die telefonische Nachfrage bei Kerstin Kondert ergab eine klare Absage: K&M wird demnach keine Leistungsbilanz vorlegen für die Fonds, deren Geschäftsführung von den Berlinern übernommen wurde. Man sehe sich nicht als Initiator. Zudem ständen die meisten Sanierungsvereinbarungen seitens der Banken unter Geheimhaltungsvorbehalten und letztlich lohne sich der Aufwand für eine Leistungsbilanz auch nicht, weil K&M dieses Geschäftsfeld nicht weiter ausbauen wolle.
Damit wird Kerstin Kondert in gewisser Hinsicht von ihrer Vergangenheit eingeholt: Sie war vor der Entdeckung des Anlegerschutzes in leitender Funktion für die mittlerweile insolvente Berliner Initiatorin Ärzte Treuhand tätig und verweigerte damals schon mit vergleichbaren Argumenten die Herausgabe von Leistungsbilanzen.
(Martin Klingsporn)







