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Zweitmarktinitiative

Geschlossene Fonds mit Lebensversicherungen

Geschlossene Fonds, die in gebrauchte Lebensversicherungen anlegen, kamen im letzten Jahr erstmals auf den deutschen Markt. Dagegen boomt in den USA der Handel mit gebrauchten Policen, bestätigt das Beratungsunternehmen Conning & Co.. So soll in 2002 eine Versicherungssumme von rund 2 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt haben. Fonds mit Policen aus zweiter Hand dürften sich daher auch hier durchsetzen.

Wenigstens bei den Lebensversicherungen funktioniert offensichtlich ein geregelter Zweitmarkt. Interessanterweise über das Vehikel Geschlossener Fonds. „Die Idee ist bestechend und dennoch einfach”, meint Andree L. Hoffmann, Geschäftsführer der HPC Capital und freut sich über den Vertriebserfolg seines Unternehmens. So konnte innerhalb weniger Wochen die erste Tranche von immerhin 5 Millionen Euro platziert werden. „Die Kombination einer hohen Sicherheitsqualität mit einer außergewöhnlichen Renditechance hat den Geschmack der Anleger voll getroffen”, meint auch Andreas Schwarzwälder, verantwortlich für Investor Relations bei MPC. Insgesamt wurde von MPC mit den drei bisher initiierten Fonds ein Eigenkapitalvolumen von insgesamt 124 Mio. Euro eingeworben und ein Investitionsvolumen von 416 Mio. Euro realisiert.
Grundsätzlich sind zwei verschiedene Konzepte zu unterscheiden: Der aktuell aufgelegte König & Cie. Deutsche Leben (wie der vormals angebotene MPC Rendite Fonds Leben Plus II) setzt auf deutsche Gebrauchtpolicen, die anderen Fonds auf US-Risikolebensversicherungen. Der Unterschied: Die deutschen Lebensversicherungen werden im Todesfall des Versicherten oder im Erlebensfall (bei Erreichen der vertraglich vereinbarten Laufzeit) ausgezahlt, die US-Risikolebensversicherungen nur im Todesfall des Versicherten. Die in deutschen Versicherungen investierenden Fonds erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Diese sind zwar zu versteuern, dafür bietet der aktuell angebotene Fonds der König & Cie. eine Verlustzuweisung von rund 32 Prozent. US-Risikolebensversicherungs-Fonds sind dagegen vermögensverwaltende KGs - es gibt kein verrechenbares negatives Steuerergebnis am Anfang, die geplanten Renditen (elf bis 14 Prozent) sind nach übereinstimmenden Gutachten der Wirtschaftsprüfer dafür steuerfrei. Ansonsten ist das Muster bei beiden Varianten gleich: Die Lebensversicherungspolicen werden auf dem Zweitmarkt unter ihrem tatsächlichen Wert, der sich aus der voraussichtlichen Ablaufleistung ergibt, eingekauft. Die Prämien werden vom Fonds weitergezahlt, die Ablaufleistung wird am Ende der Laufzeit (deutsche Gebrauchtpolice) oder beim Tod des Versicherten (US-Risikolebensversicherung) ausgezahlt.
Die Partnerauswahl ist dabei entscheidend: „In den USA gibt es rund 150 bis 200 Life-Settlement-Firmen. Davon haben nur etwa zwei Hand voll genügend Erfahrung und einen überzeugenden Track Record“, sagt Detlev von Arnim, Geschäftsführer der Life Bond Management GmbH, die sich um das Portfolio der BVT-Fonds kümmert. Anders als bei der deutschen Secondhand-Police gibt es bei den US-Risikolebensversicherungen ein sogenanntes Langlebigkeitsrisiko. Stirbt der Versicherte später als auf Grund einer Art amtsärztlichen Zeugnisses bei Erwerb der Policen unterstellt, sinkt die Rendite. Dagegen hatte sich der erste 2002 aufgelegte BVT-Fonds bei Lloyds of London rückversichert. Aber derzeit sind solche Rückversicherungen nicht zu bekommen. Eingespart wird dafür die Versicherungsprämie. Dem nach Meinung von Experten nur theoretisch höheren Risiko steht dafür ein höherer Ertrag gegenüber. Daher wählte BVT für den aktuellen Fonds die Bezeichnung BVT Life Bond Fund II Dynamic, dem ein weiteres Produkt ("classic") folgen soll. HPC Capital brachte nur die Variante ohne Rückversicherung. "Versicherungsmathematisch macht die Rückversicherung keinen Sinn," meint HPC-Geschäftsführer André L. Hoffmann, "wohl aber vertriebstechnisch." Die Deutschen sind eben total risikoavers gestimmt. Dies berücksichtigt auch das neue Angebot von König & Cie.; Vorstand Tobias König: „Wegen ihres hohen Aktienanteils im Deckungsstock kommen für uns keine britischen Policen in Frage.” Für seinen „Deutsche Leben” hat die cash.life AG ein Portfolio zusammen gestellt, dass dank eines hohen Fremdkapitalanteils breit streuen kann. So langsam scheint zudem das Angebot an vernünftigen Policen zudem enger zu werden. „Da für uns die Qualität der Produkte und in diesem Fall die Qualität der Policen im Vordergrund steht, erwarten wir den vierten Fonds der Leben-Plus-Reihe erst im kommenden Jahr", meint Andreas Schwarzwälder von MPC.

(Dr. Leo Fischer)


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