Neu gemischt!
Geschlossene Fonds
Die von Stefan Loipfinger jetzt vorgelegten Zahlen für die Umsätze 2005 lassen keinen Raum für Zweifel: Die in gut 20 Jahren aufgebauten Strukturen, Größenordnungen und Gewohnheiten dieses Marktes sind am Ende. Erstmals war der Dezember nicht mehr der umsatzstärkste Monat. Die bekannte...
Finanznot der öffentlichen Kassen diktierte das Ende der Steuermodelle und sorgte 2005 dafür, dass es kein Jahresendgeschäft mehr gab.Wie groß der Umsatzverlust insgesamt war, lässt sich freilich nicht so recht abgrenzen: Die neue, durch das Anlegerschutzverbesserungsgesetz eingeführte Pflicht zur Genehmigung der Prospekte hat dafür gesorgt, dass nun zumindest alle Angebote am Markt über die Datenbanken der BAFin greifbar sind. Dieser Effekt schlägt sich nieder in der von 362 (in 2004) auf 548 (in 2005) gestiegenen Zahl der erfassten Anbieter.
Dabei scheinen sich alle Befürchtungen bezüglich des Missbrauchs der BAFin-Genehmigung zu bestätigen: Allein schon die Tatsache, dass nach den Loipfinger-Zahlen fast 100 neue Anbieter mit dem BAFin-Siegel erstmals auf den Markt kamen, deutet jedenfalls nicht auf eine Bereinigung des Marktes hin, eher im Gegenteil. Und diese skeptische Interpretation kann sich auch darauf stützen, dass trotz des Einbruchs bei den etablierten steuerorientierten Produktlinien das Gesamtvolumen des platzierten Eigenkapitals bei 12 Milliarden Euro (wie auch der Gesamtinvestitionen) im letzten Jahr gegenüber 2004 kaum verringert hat. Hinter der Stabilität des Aufkommens standen zwei gegenläufige Faktoren: Noch nie haben so viele Anleger (über 400.000) pro Kopf eine so geringe durchschnittliche Anlagesumme erbracht (rund 30.000 Euro). Der Trend zu den sinkenden Zeichnungssummen spiegelt sicher ganz allgemein die wirtschaftlich schwierige bis kritische Lage wider, die sich mit stagnierenden oder sinkenden Einkommen bemerkbar macht, aus denen eben weniger angelegt wird. Bremswirkung dürfte zudem die Zurückhaltung der Banken bei den Finanzierungen gewesen sein.
Auch der Blick auf die einzelnen Gruppen offenbart gewaltige Verschiebungen: Noch nie spielten die Immobilien eine so geringe Rolle als Anlageklasse innerhalb der geschlossenen Fonds. Im Jahr 2005 kamen sie – über alle Varianten von den USA bis Dubai gerechnet – gerade noch auf ein knappes Drittel (32,5 Prozent) des platzierten Eigenkapitals. In den Jahren zuvor lag die Klasse als Ganzes stabil über 40 Prozent. Neben den bekannten Problemen des deutschen Marktes wirkte sich hier auch die Überhitzung des USMarktes aus, auf dem kaum mehr brauchbare Objekte zu akzeptablen Preisen beschafft werden konnten. Der US-Spezialist Jamestown kam daher 2005 nur mit einem einzigen Fonds auf den Markt. Die Anteilsverluste auf den beiden größten Märkten ließen sich beim Rest der Welt nicht auffangen.
Fühlbare Verluste gab es auch bei den Medienfonds, die von den 2004 immer noch erzielten 11,7 Prozent Marktanteil nochmals 3,6 Punkte auf 8,1 Prozent abgaben. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2001 lagen sie bei 22,7 des Marktes.
Die größten Gewinner waren Private Equity (PE) Fonds, die ihren Marktanteil verdoppeln konnten. Da sich die wirtschaftlichen Aussichten langsam bessern und vor allem die Börse sich wieder zum Exit aus typischen PE-Beteiligen anbietet, dürfte hier noch Luft drin sein. Denn der Bedarf für externes Eigenkapital, das nicht zuletzt durch PE-Fonds zur Verfügung gestellt wird, wird weiter fühlbar bleiben. Ein Blick auf die Vertriebswege zeigt ein weiteres Vorrücken der Banken, die ihren Anteil um zwei Punkte auf 59 Prozent ausbauen konnten, wohl in erster Linie zu Lasten der Großvertriebe.







