Trendwende bisher nicht in Sicht
Gesundschrumpfung bei der Assekuranz
Wer aus der Versicherungsbranche erinnert sich nicht gerne an die Zeit direkt nach Wiedervereinigung, als die Versicherer massiv das Geschäft in den neuen Bundesländern ausweiteten und hierzu Man Power benötigten. So stieg die Anzahl der fest angestellten Mitarbeiter des Innen- und Außendienstes von 1990 bis 1992 auf fast 260.000 Beschäftigte! Danach folgten eine Menge „Personalabbaujahre“, ehe in den Jahre 1999-2002 wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen war. Seit 2003 fallen die Mitarbeiterzahlen allerdings stetig und im Jahre 2005 gab es mit 226.700 Assekuranz-Beschäftigten die geringste Mitarbeiterzahl in der Geschichte des wiedervereinigten Deutschland. Und eine Trendwende ist bisher nicht in Sicht. Wie auch?
So bauen sowohl Allianz als auch Talanx im Zeitalter von Globalisierung und des immer härteren Wettbewerbs Mitarbeiter ab! Die Allianz will bis ins Jahr 2008 insgesamt 7.500 Mitarbeiter (davon 2.500 bei der Allianz Tochter Dresdner Bank) einsparen und der drittgrößte Versicherer – die Talanx Gruppe – will dazu nach der Gerling-Übernahme auch gleich einmal 1.800 Stellen abbauen. Im Zuge der Entlassungen propagieren die großen Unternehmen, in Zukunft eine bessere Dienstleistung bieten zu können. Diese erhoffen sie sich durch effizientere (kostengünstigere) Arbeitsabläufe, Unternehmverlagerungen, Umstrukturierung bzw. Konzentrierung.Was ich nicht verstehen kann: Gleichzeitig vermeldet die Allianz beispielsweise einen Rekordgewinn im letzen Geschäftsjahr von 4,4 Milliarden Euro! Wie passen Unternehmensentlassungen, höherer Servicegedanke und Rekordgewinne wirtschaftsethisch zusammen? Oder einfacher: Wie erkläre ich dem 53-jährigen Versicherungssachbearbeiter, dass er entlassen wird, obwohl der Laden brummt?Auch andere (noch) Angestellte zittern: Diejenigen der gesetzlichen Krankenkassen! Denn: Im Rahmen des Gesundheitsfonds und der neuen staatlichen Beitragseinzugszentrale werden sich circa 25.000-30.000 Krankenkassenbeschäftige – die den Beitrag für ihre jeweilige Krankenkassen einziehen – eine neue Beschäftigung suchen müssen. Klar ist, dass trotz eines eventuellen Beitragseinzugs der Kassen – die vom Fonds propagierten Zusatzbeiträge, sofern eine Kasse schlecht wirtschaftet – eine solch große Anzahl an Mitarbeitern nicht mehr benötigt wird. Sofern keine anderen Position im Unternehmen gefunden werden kann, bedeutet dies Entlassungen im großen Stil! Verdi hat daher aus Sorge vor Stellenabbau schon zu Protestaktionen aufgerufen. Übrigens: Auch die Allianz Mitarbeiter setzen ihre Protest-Aktionen fort. Anscheinend ist irgendwann selbst beim Deutschen Michel das Maß voll!
(Marc Oehme)







