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Eine Frage des Stils

Growth, Value und Size

Schon seit einigen Jahren ist der Anlagestil ein wichtiger Faktor für die Wertentwicklung eines Portfolios. Dabei kann im Prinzip jede charakteristische Eigenschaft einer Aktie oder eines Aktienportfolios als Stil definiert werden. In der Praxis sind jedoch „Growth“, „Value“ und „Size“ die drei bedeutendsten...

Anlagestile. Was verbirgt
sich aber hinter den Begriffen „Wachstum“, „Wert“
und „Größe“, und wie verhalten sich die
Anlagestile im aktuellen Wirtschaftsklima?


Value-Anleger sind Schnäppchenjäger.
Sie steigen bei Aktien ein, wenn die
Kurse im Keller sind – in der Annahme,
dass noch viel Aufwärtspotenzial besteht
und der Kurs sich mit der Zeit wieder
erholt. Growth-Investoren dagegen
setzen eher auf Unternehmen mit
einem besonders hohen Gewinnwachstum,
selbst dann, wenn diese Titel
teuer sind. Sie gehen davon aus, dass
die Wachstumsstärke anhält und damit
den hohen Preis der Aktie rechtfertigt.
„Size“ steht für die Einteilung von
Aktien nach ihrer Marktkapitalisierung,
entweder als kleine („Small Caps“),
mittlere („Mid Caps“) oder große Aktien
(„Large Caps“).
Die Anlagestile Wachstum, Wert und
Größe weisen historisch betrachtet
eine negative Korrelation untereinander
auf. So schneiden beispielsweise
Wachstumstitel immer dann besser ab,
wenn wertstarke Aktien eine unterdurchschnittliche
Wertentwicklung


zeigen. Kleine und mittlere Aktien marschieren
zwar meistens im Gleichschritt,
verhalten sich aber konträr zu
den großen Standardwerten. Der Zusammenhang
zwischen Größe und Stil
ist dadurch gekennzeichnet, dass die
Nebenwerte meistens als Wertaktien
gelten, während sich unter Standardwerten
vorwiegend Wachstumstitel
finden.
Rückkehr der Wachstumswerte. Weil
die Weltwirtschaft die Phase der starken
Erholung inzwischen hinter sich
gelassen hat und nur noch langsamer
wächst, wird sich voraussichtlich auch
das Wachstum der Unternehmensgewinne
abschwächen. Zudem wird die
US-Notenbank ihre Zinserhöhungspolitik
fortsetzen, die Renditen bei
Anleihen mit kurzer Restlaufzeit werden
steigen, und auch die zurückgehenden
Renditen bei den lang laufenden
Anleihen deuten auf einen langfristigen
Wachstumsrückgang hin.
In diesem Umfeld von Wachstumsverlangsamung,
zurückgehenden Unternehmensgewinnen
und steigenden
Zinsen spricht einiges für Wachstumsaktien,
die zudem in Zeiten sinkender
Renditen bei kurzlaufenden Anleihen
historisch zumeist besser abschnitten
als Value-Titel. Die Wachstumswerte
sind im Vergleich zu ihren historischen
Höchstständen derzeit attraktiv bewertet
und bieten ein hohes Gewinnpotenzial
zu relativ günstigen Preisen.
Value-Schnäppchen sind dagegen nur
noch schwer zu finden.
Regionale Unterschiede. Trotz der
zunehmenden globalen Verzahnung
der Kapitalmärkte ist die Wertentwicklung
eines Anlagestils auch von der Positionierung
eines regionalen Marktes
im Konjunkturzyklus abhängig. Während
das sich wieder abkühlende Wirtschaftsklima
in Europa und den USA
eine Investition in Growth-Aktien nahe
legt, steht Japan ein Großteil der konjunkturellen
Erholung mit hoher Wahrscheinlichkeit
noch bevor.
Im ersten Quartal 2005 erreichte das
Land der aufgehenden Sonne ein höheres
Wachstum des Bruttoinlandsproduktes
als alle anderen Industrienationen,
und das Ende der lang anhaltenden
Deflationsphase scheint erreicht.
Vor diesem Hintergrund haben
japanische Unternehmen gute Chancen,
ihre Gewinne deutlich zu steigern,
zumal sie die Früchte von Restrukturierungen ernten werden, die europäische
und US-Firmen bereits hinter sich
haben. Das Potenzial für eine tiefgreifende
Neubewertung japanischer Aktien
ist also gegeben – was dafür
spricht, dass Investoren dort, anders
als in den USA und Europa, wo Wachstumswerte
vielversprechend sind – auf
Wert-Aktien setzen sollten.



Der kleine Unterschied

Im Grunde unterscheiden sich Value- und Growth-Lager
durch ihre Prioritäten: Während wertorientierte Anleger unterbewertete
Aktien suchen, die Aufwärtspotenzial bieten, setzen
Wachstums-Investoren auf stark wachsende Unternehmen,
deren Aktien dann allerdings auch ihren Preis haben dürfen.
Fundamentale Faktoren wie Gewinn, Dividende und
Buchwert deuten bei Wertaktien typischerweise darauf hin, dass
der Preis der Aktie künftig über dem aktuellen Kurs liegen wird,
bei Wachstumsaktien dagegen sieht der Investor Anzeichen für
ein langfristig überdurchschnittliches Gewinnwachstum.
Einige Value-Fondsmanager vertreten auch einen Ansatz des
„relativen Wertes“. Sie vergleichen beispielsweise das Kurs-/
Gewinn-Verhältnis eines Unternehmens mit dem anderer
Firmen aus derselben Branche und investieren dann in die
vergleichsweise günstigste Aktie. Manche wachstumsorientierte
Fondsmanager setzen dagegen ihrerseits auf das GARP-Konzept
(„growth at a reasonable price“). Sie sind nicht so preisempfindlich
wie Value-Investoren, achten aber mehr als reine
Growth-Jäger auf die Bewertung eines Wachstumstitels.


Spielt der Stil noch eine Rolle?

Noch nie war es so schwer wie heute,Wachstumstitel und Wertaktien auseinander zu halten. Die

Bewertungsunterschiede zwischen Growth- und Value-
Titeln haben sich in den vergangenen Jahren so stark verringert, dass manche Aktien inzwischen

sowohl in Value- als auch in Growth-Indizes auftauchen. Exxon
Mobil beispielsweise ist Bestandteil des S&P 500 / Barra Growth Index, findet sich aber ebenso im

Russell 1000 Value Index. Spielt in diesem Umfeld
der Anlagestil noch eine Rolle?
Sicher wird die individuelle Kursentwicklung einer Aktie nicht nur durch ihren Stil
geprägt, wichtigstes Kriterium dafür sind und bleiben Entwicklungen bei den
Einzelunternehmen. Die relative Wertentwicklung der verschiedenen Anlagestile hängt
auch stark von Branchenschwerpunkten ab, die sich im Laufe der Zeit verschieben können.
Dennoch wird der Anlagestil die Wertentwicklung eines Portfolios weiterhin
stark mitbestimmen, vor allem, weil seit dem Ende der Technologieblase die typischen
Mechanismen der Stil-Anlage wieder verstärkt zur Geltung kommen: Während
Wachstumsaktien in wirtschaftlich schwächeren Phasen besser abschneiden, haben
Wertaktien in Boomphasen einen Vorteil.

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