Publizistischer Motor des Mittelstandes
Günter Weber wird 70!
Günter WeberAuch in der Finanzbranche hat Günter Weber einen hohen Bekanntheitsgrad. Der Düsseldorfer Verleger und Herausgeber von 37 Branchenbriefen, die in der „markt intern-Verlagsgruppe“ überwiegend im Wochenrhythmus erscheinen, zeichnet verantwortlich bspw. für „kapital-markt intern“, „finanztip“ oder „steuertip“.
Im Fachhandel und im Fachhandwerk sind Webers Publikationen nahezu allgegenwärtig. Seine Redaktionen betreiben – ganz im Sinne des Herausgebers – publizistische Lobbyarbeit für kleinere und mittlere, zumeist inhabergeführte Unternehmen.
Der gelernte Dipl.-Ingenieur hatte früh eine Affinität zum Journalismus gefunden. Über eine Zwischenstation als Berufsschullehrer für Mathematik und Physik kam er, nachdem eine Stimmbandentzündung einer weiteren Ausübung der Lehrtätigkeit im Wege stand, zu den „VDI-Nachrichten“ und später zur „DM“. Als Leiter der Test-Redaktion der „DM“ war er geübt darin, technische Versuchsreihen so aufzubauen, dass die Berichterstattung über die Testergebnisse einem breiten, technisch interessierten Leserkreis Freude bereitete.
Im April 1971 startete Weber, finanziell unterstützt von seinem Mentor Hans J. Bernecker und dessen verlängertem Arm Hans Bayer, einen publizistischen Großangriff auf die Großindustrie im Segment Radio/Fernsehen. Die Kölner Haushaltswarenmesse bot den geeigneten Rahmen, die erste „markt intern“-Ausgabe in den Markt zu tragen. Angeheuerte Studenten, unter ihnen der verstorbene Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin, trugen die Startauflage zu nächtlicher Zeit in die Kölner Hotels und verteilten sie auf den Frühstückstischen der Messebesucher.
Der Versuch gelang. Weber schmiedete so eine publizistische Speerspitze für den Fachhandel. Fortan wuchs der Verlag Ausgabe um Ausgabe an. Inzwischen ist er der wohl größte Branchenbriefverlag Europas. Weber übernahm nach und nach zusammen mit Hans Bayer die Geschäftsanteile von Bernecker und baute das Unternehmen stetig aus.
Die Philosophie von „markt intern“, ja die Philosophie Günter Webers, ist schnell dargelegt: Fachhandel und Fachhandwerk brauchen eine Lobby, um sich gegenüber den Produzenten, sprich den Herstellern, einerseits bzw. den Verbrauchern andererseits Gehör zu verschaffen.
In besonderer Weise hat es Günter Weber die Finanzverwaltung angetan. So genannte Geheimverfügungen aus der Finanzverwaltung, von den Verfassern regelmäßig in handverlesen organisierten internen Zirkeln einer speziellen Zuhörerschaft erläutert, war Weber ihrer erst einmal habhaft geworden, wurden sie über den „steuertip“ allen Interessierten zur Kenntnis gebracht. Klar, dass dies der Finanzverwaltung ein Dorn im Auge war. Mit allen Mitteln versuchte man Weber mundtot zu machen. In einer Razzia ähnlichen Aktion Ende der 80er Jahre wurden sämtliche Redaktionsbüros des Verlages durchsucht, noch so unverdächtige Zettelchen auf den Schreibtischen der Redakteure eingesammelt und nahezu sämtliche Ordner konfisziert. Das Ausmaß dieser Aktion, später von „FRONTAL“ in einem Krimi ähnlichen Beitrag von Hans Werner Conen ausgestrahlt, gewürzt mit massiver Kritik am Verhalten der Steuerfahnder, ist wohl einmalig gegenüber einem deutschen Verlag. Vergleichbar ist allenfalls der Einmarsch der Staatsanwälte beim „Spiegel“ in Hamburg, der wegen seiner publizistischen Aufbereitung der Franz-Josef Strauß-Eskapaden in den Fokus der Obrigkeit gelangt war.
Mitte der 90er Jahre kam der quirlige Herausgeber auf die Idee, im Rahmen einer groß angelegten öffentlichen Veranstaltung den Blick auf den Mittelstand zu richten. Er erfand den Deutschen Mittelstandspreis und verlieh ihn erstmals 1996 an den damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens und späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder. Ihm folgten als weitere Preisträger u. a. der EU Wettbewerbs-Kommissar Karel van Mieert, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann, oder der damalige Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz und heutige Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, oder auch der damalige BDI-Präsident Prof. Dr. Hans-Olaf Henkel. Ihren sehr unterschiedlichen persönlichen Einsatz würdigte Weber als Herausgeber von „markt intern“ und setzte damit ein in der breiten Öffentlichkeit signifikantes Signal „pro Mittelstand“.
Zahlreiche Preisträger und Wegbegleiter würdigten jetzt anlässlich des Geburtstages die Schaffenskraft und den Ideenreichtum Webers in einer viel beachteten Festschrift, herausgegeben von Olaf Weber und Dr. Axel J. Prümm. Die über den Buchhandel erhältliche Festschrift trägt den Titel „Mittelstand – gestern, heute und morgen“ (ISBN 978-3-00-030543-6).
Vor kurzem konnte Günter Weber seinen 70. Geburtstag feiern. Dem publizistischen Motor des Mittelstandes in Deutschland gratulieren wir herzlich aus Wiesbaden.
(Dorothee Schöneich)







