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FINANZWELT IM GESPRÄCH

Gut gerüstet für den Markt der Zukunft

Im November vergangenen Jahres folgte die Finanzhaus Rothmann AG ihrem derzeitigen Hauptaktionär Albis Leasing AG an die Börse. Das Geschäftsmodell ist dabei nicht nur auf die Tätigkeit als Emissionshaus beschränkt. Mit dem Ausbau von zwei neuen Geschäftsfeldern bietet das Finanzhaus dem sich im Wandel befindlichen Finanzdienstleistungsmarkt eine ganzheitliche Lösung an. Zum Unternehmensverbund zählen neben dem Emissionshaus Rothmann & Cie. AG die Rothmann Akademie, die Privatbank Hesse Newman sowie die FinanzDock AG. Mit dem Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Wolff sprach FINANZWELT über seine Einschätzung der derzeitigen Entwicklung sowie über das Geschäftsmodell der Finanzhaus Rothmann AG.

FINANZWELT: Sie gehen davon aus und schreiben dies auch in Ihrem Halbjahresbericht 2006, dass sich die Situation für Finanzdienstleister in den kommenden Jahren dramatisch verändern wird.

Wolff: Die MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) und die VVR (Versicherungsvermittlerrichtlinie) werden das Gesicht der deutschen Vertriebssysteme für Finanzdienstleistungen im weitesten Sinne nicht nur ändern, sondern zu einer grundlegenden Neuorientierung führen. Nach unseren Schätzungen werden nach der nationalen Umsetzung der EU-Richtlinien nur noch ca. 150.000 Finanzdienstleister am Markt tätig sein. Wir gehen jedoch gleichzeitig davon aus, dass sich hierdurch der Gesamtumsatz statt auf bisher 450 bis 500.000 Finanzdienstleister künftig auf diese deutlich geringere Zahl an Beratern verteilen wird. Mit anderen Worten: Finanzdienstleister, die sich auf die neuen Marktanforderungen einstellen, gehen rosigen Zeiten entgegen. Doch für die meisten Nebenberufler dürfte die Einführung von MiFID und VVR eine erhebliche Hürde darstellen, um das Geschäft weiter zu führen.

FINANZWELT: Sie sagen, dass Sie mit dem Geschäftsmodell „Finanzhaus Rothmann AG“ eine Antwort für die Herausforderungen des künftigen Marktes und somit auch für die beschriebene „neue Generation“ von Finanzdienstleistern gefunden haben.

Wolff: So ist es. Wir entsprechen mit den Leistungen des Finanzhauses vor dem Hintergrund von MiFID und VVR den Anforderungen der freien Finanzdienstleister und der institutionellen Anbieter im Finanzdienstleistungsmarkt. Dazu zählen auch Banken und Versicherungen. Dabei steht unser Geschäftsmodell auf einem stabilen Fundament: Qualifikation, Administration, Sicherheit und Produkte spielen hierbei eine gewichtige Rolle.

FINANZWELT: Können Sie dies ein wenig erläutern?

Wolff: Gern. Nehmen wir zunächst einmal die Rothmann Akademie: Alleine im vergangenen Jahr nutzten über 2.500 Menschen unsere Akademie und profitierten so von einer fachlichen wie vertrieblichen Weiterbildung auf höchstem Niveau. Dieser Erfolg ist nach meiner Einschätzung am Markt einzigartig. Dass die Rothmann Akademie in diesem Segment zu den Spitzenreitern zählt, zeigen übrigens auch Erhebungen, die in den vergangenen Jahren hierzu gemacht wurden.

FINANZWELT: Womit der Baustein Qualifikation abgedeckt wäre. Was aber ist mit der Situation vieler Finanzdienstleister, die viel zu viele Stunden mit der Verwaltung ihrer Kunden verbringen, anstatt Kunden aktiv zu betreuen und ihnen passende Produkte und Leistungen anzubieten?

Wolff: Was die Administration anbelangt, so bieten wir mit unserem FinanzDock einen kompletten Rundumservice. FinanzDock ist ein Portal- und IT-Serviceanbieter für Banken, Versicherungen, Finanzdienstleister und andere institutionelle Anbieter. Dabei entwickelt es sich zunehmend zum elektronischen Schreibtisch, bei dem Kunden aus der Finanzdienstleistungsbranche von einer modular aufgebauten Komplettlösung profitieren. Dies gilt beispielsweise für Assekuranz, Investment, geschlossene Fonds, betriebliche Altersvorsorge, Bankprodukte oder Baufinanzierung. Vorbei die Zeiten, in denen der Berater unterschiedliche Lizenzen kaufen musste und immer nur mit „Insellösungen“ auf seinem Rechner arbeitete. Das gilt nicht nur für den freien Berater. Es nutzen auch immer mehr kleinere Banken und Sparkassen FinanzDock als unabhängiges Beratungstool für ihre Kundenberater. Zudem bietet FinanzDock eine umfassende Backoffice-Funktion auf Basis fortlaufend aktualisierter Rechtsgrundlagen.

FINANZWELT: Kommen wir zum Stichwort Haftung. Was bietet das Finanzhaus in diesem Bereich?

Wolff: Im Bereich der Haftung bietet die Privatbank Hesse Newman verschiedene Optionen. Zum einen gewährt sie für ausgewählte Produkte die Produkthaftung. Zum anderen bauen wir ein Team von Anlageberatern auf, die als PrivatBerater komplett unter dem Haftungsdach der Bank arbeiten. Sie werden sich um eine Kundenklientel kümmern, die bislang von vielen großen Geschäftsbanken übersehen wurde. Ich spreche dabei von Einkommensbeziehern im mittleren bis gehobenen Vermögensbereich. Hesse Newman ist eine Privatbank mit annähernd 230jähriger Tradition. Sie verfügt über große Erfahrung und Know-how im Bankenbereich. Davon profitieren Finanzdienstleister, die sich zur Zusammenarbeit als PrivatBerater mit Hesse Newman entschließen, in besonderem Maße. In Kombination mit dem Haftungsdach der Privatbank können sie so auch nach der Umsetzung der MiFID ihr Geschäft weiter betreiben und die angesprochene Klientel wirklich umfassend beraten. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass auch Finanzdienstleister im Status eines PrivatBeraters ihre volle Selbstständigkeit bewahren. Für die Berater, die ausschließlich produktorientiert mit Hesse Newman zusammenarbeiten wollen, haben wir zusätzlich differenzierte Angebote bereitgestellt. Nicht zu vergessen unser Geschäftsfeld Produkte: Das Emissionshaus Rothmann & Cie. AG entwickelt, platziert und verwaltet seit 1992 geschlossene Fonds in Wachstumsmärkten. Mehr als 42.000 Anleger vertrauen den Produkten unseres Unternehmens. Die Rothmann & Cie. AG hat sich auf die Segmente Leasing, Immobilien- und den Lebensversicherungs-sekundärmarkt spezialisiert. Momentan arbeitet das Unternehmen an der Einführung neuer Produkte, die spätestens im ersten Quartal 2007 angeboten werden.

FINANZWELT: Dennoch spiegelt sich diese positive Entwicklung derzeit noch nicht in Ihrem Aktienkurs wider ...

Wolff: Zum Aktienkurs lässt sich folgendes sagen: Wir können mit dem derzeitigen Aktienkurs natürlich nicht zufrieden sein. Der derzeitige Kurs belegt, dass der Markt trotz der immer wieder erfolgten Hinweise auf die von uns geplante Investitionsphase von zwei Jahren scheinbar früher deutlichere positive Effekte aus unseren neuen Geschäftsfeldern erwartet hat und unsere Zahlen mit ein wenig Enttäuschung aufgenommen wurden. Das Potenzial unserer Tochtergesellschaften und unsere strategische Weiterentwicklung zum Finanzhaus findet derzeit noch zu wenig Ausdruck in der Bewertung durch den Kapitalmarkt. Doch eines ist klar: Auch wenn die Investitionen das Ergebnis derzeit noch schmälern, zeigt uns die Entwicklung in den Märkten und auf der gesetzgeberischen Ebene, dass wir mit der Diversifizierung unserer Geschäftsfelder die richtige Entscheidung getroffen haben.

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