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Performance

Gute Erträge trotz der Krise

© Foto: Rodica Nelson - Fotolia.com

Das Jahr 2009 beweist einmal mehr, dass Zuwächse auf den Kapitalmärkten nicht an eine boomende Wirtschaft gebunden sind.

Das abgelaufene Jahr brachte beachtliche, zum Teil auch klar überdurchschnittliche Zuwächse für fast alle Segmente des Marktes der Investmentfonds. Ein Blick über die vom Branchenverband BVI veröffentlichten Zahlen zur Performance zeigt: Je risikoreicher die jeweilige Investmentfonds-Gruppe, desto deutlicher liegt das Ergebnis 2009 über den langfristigen Mittelwerten. Schon ein echter Ausreißer sind in diesem Vergleich die Fonds mit Unternehmensanleihen, die über 20 % Wertentwicklung hinlegten gegenüber Mittelwerten, die kaum über die Marke 5 % hinausgehen. Vergleichbar stark waren auch die Aktien- und Mischfonds sowie alles, was die Emerging Markets in die Anlage einbezieht.

Kurz gesagt: Risiko-Übernahme hat sich 2009 richtig gelohnt.
Die Gründe dafür sind im Chart schon ablesbar: Im Jahresverlauf 2009 wurde der Schock der Lehman-Pleite und der ganzen Krise verwunden, der Blick ging wieder nach vorne, und die anlaufende Erholung prägte das Bild.

Die üblich gewordene Formel von der „erhöhten Risikoaversion“ ist genau genommen nicht ganz korrekt: Die Risikoaversion ist per Definition ein konstanter Maßstab, anhand dessen effektive oder geschätzte Risiken bewertet werden. Und genau auf dieser Ebene spielte sich das Drama ab: Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers war ein einschneidendes Erlebnis. Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine Bank von der absolut erstklassigen Bonität (Ratings Aaa/AAA) innerhalb von Wochen in die definitive Pleite rutscht. Der Lernprozess der Marktteilnehmer drehte sich um die Frage: „Wenn so etwas bei Lehman passieren kann, was ist dann bei den schwächeren Schuldnern noch möglich?“ Folge war, dass gewissermaßen die Risikoschätzungen über das gesamte Anlagespektrum jeweils zum höheren Risiko verschoben wurden. Was vorher ein zu vernachlässigendes Restrisiko war, wurde jetzt als unsicher angesehen. Und was vorher ein tragbares Risiko war, wurde jetzt als spekulativ angenommen: Die Risikoprämien, die die Banken im Geldmarktgeschäft untereinander verlangen, stiegen um mehr als das Zehnfache, wie die Differenz vom Liborsatz zu den Schatzwechseln des Bundes (jeweils 3 Monate Laufzeit) zeigt.

Vergleichbares tat sich bei den Anleihen und beim Buchkredit: Die Prämie der mittleren Schuldner (Baa/BBB) gegenüber den erstklassigen (Aaa/AAA) verdreifachte sich nach dem Lehman-Knall im Herbst 2008. Von daher war die Ausgangssituation für 2009 so negativ, dass es 2009 nur aufwärts gehen konnte. Und genau das geschah dann ja auch, wenn auch verzögert: Zunächst gelang es den Regierungen, die Panik unter den Banken zu stoppen und die Institute arbeits- und marktfähig zu halten mithilfe von Garantien. Diese Beruhigungsspritze (oder Narkose?) wirkte mit Verzögerung auch in den Kreditmarkt hinein, die enorm aufgeblähten Risikoprämien begannen zu sinken und damit die effektiven Zinssätze, mit denen die Kundschaft der Banken konfrontiert wurde. Zunächst hatte der Anstieg der Risikoprämien die von den Notenbanken vorgenommenen Zinssenkungen überkompensiert. Erst mit dem Abbau der Prämien ab dem 2. Quartal 2009 kam der expansive Zinsimpuls bei Unternehmen und privaten Haushalten an – dann aber richtig, zumindest, soweit es die Wertpapiermärkte anging. Der Kurstrend drehte klar nach oben, je stärker im jeweiligen Segment der Abbau der Risikoprämien fühlbar war: Das war natürlich vor allem dort der Fall, wo ohnehin ein erkennbares Risiko besteht, wie bei allen Unternehmenstiteln oder den Papieren aus den Emerging Markets.

Dieser Trend wurde vor allem von den Managern der verschiedenen Aktienfonds in den Anlagestrategien so gut verwertet, dass nicht nur die besten, sondern der Durchschnitt über alle erfassten Fonds 2009 den jeweiligen Bezugsindex schlagen konnten: Die Deutschlandfonds waren um 3,5 Prozentpunkte besser als der DAX, die europaweit anlegenden waren gut 5 Prozentpunkte besser als der DJ Stoxx 50 und fast 9 Prozentpunkte besser als der Euro Stoxx. Die global anlegenden Fonds erzielten im Durchschnitt gut 4 Prozentpunkte mehr als der MSCI-World-Index.

Die innerhalb der Aktiengruppe dominierenden Fonds sind schnell ausgemacht: Es waren natürlich die Emerging Markets, die hier den Vogel abgeschossen haben. Allein die von der BVI-Statistik erfassten Fonds erzielten ein Plus von 68,3 % im letzten Jahr. Hinter dieser fulminanten Performance stecken gleich drei parallele Trends. Zunächst haben die Papiere Emerging Markets als riskantere Klasse überproportional vom eingangs beschriebenen Abbau der Prämien profitiert. Hinzu kam der bemerkenswerte Krisenverlauf, der zeigte, dass die wichtigen Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien besser aufgestellt waren als die Industrieländer – und daher auch schneller wieder flott wurden und ihrerseits die Industrieländer ziehen konnten. Zudem haben die Schwellenländer vom Rohstoffboom profitiert, weil ihr Rohstoffanteil an der Produktion größer ist. Die Rohstoffaktienfonds selbst fuhren ein Plus von 63 % ein.

Bei den Anleihefonds sind die gleichen Effekte wirksam geworden: Auch hier haben die Corporates und die Emerging Markets als die riskanteren Klassen auch die bessere Performance geliefert, während die normalen Rentenfonds näher an den längerfristigen Durchschnitten liegen. Der von den Verwaltungen der offenen Immobilienfonds dargestellte Zuwachs liegt mit 2,5 % im Rahmen des Erwartbaren.

Fazit: Das Investmentfonds-Jahr 2009 zeigt einmal mehr, dass es sich immer lohnt, Engagements gerade dann einzugehen, wenn im Markt Anzeichen von Panik erkennbar sind.

(Martin Klingsporn)


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