“Klasse statt Masse”
Hansa Treuhand
Hansa Treuhand-Alleininhaber Hermann Ebel zum Anlass des 20jährigen Firmenjubiläums
FINANZWELT: Was waren denn Meilensteine für Sie?
Ebel: Als echte "Schifffahrtsleute" waren wir die ersten, die den Gesamtkomplex einer Schiffsbeteiligung wie Bereederung und Schiffbau mit abgedeckt haben. Außerdem haben wir seinerzeit Schiffe bestellt, ohne dass eine feste Vercharterung vorlag und konnten somit bessere Konditionen erzielen gegenüber Projekten, wo z.B. die Werft gleichzeitig den Chartervertrag mitbrachte. Man erkennt bei den Fonds unsere Handschrift, mit der wir in den letzten zwei Jahrzehnten das Vertrauen der Kunden und die Anerkennung der Banken und Schifffahrtsindustrie erworben haben: niedrige Baupreise bei höchstem technischem Standard und bestmögliche Charterraten.
Ebel: Natürlich, entscheidend ist allerdings, wie man Krisen bewältigt. In der marktschwachen Phase Ende der 80er Jahre bewies sich unsere Leistungsfähigkeit. Nur billig hilft da nicht weiter. Ein Schiff muss kostengünstig und wettbewerbstüchtig sein. Wir haben seinerzeit sieben Schiffe saniert und dabei Sorge dafür getragen, dass die Investoren zu einem positiven Ergebnis kamen. Der Erfolg gibt uns recht, denn diese Schiffe haben wir inzwischen verkauft und dabei Renditen von 25 % p.a. und mehr für unsere Gesellschafter erzielt. Das hat die Kundenbindung an unser Haus zusätzlich positiv beeinflusst. Wir meinen übrigens: Gesellschafter gehören immer frühzeitig informiert, egal ob es sich um gute oder schlechte Nachrichten handelt. Zum Thema Transparenz gehört auch die Leistungsbilanz, die wir bereits seit 1986 veröffentlichen und für die wir jüngst von Fonds Media "25 Prozent über Marktperformance" bestätigt bekamen.
FINANZWELT: Wie sehen Sie die derzeitige Konjunktur?
Ebel: Sie ist ganz eindeutig anlegergetrieben und wir beobachten mit Sorge, dass aktuell Schiffe erworben werden, die sich nur dann rechnen, wenn für die nächsten zehn Jahre eine Charter "all time high" erzielt werden kann. Wir setzen lieber auf Klasse statt Masse, denn wir wollen die in der Vergangenheit erzielte gute Performance auch in den nächsten Jahren gewährleisten.
FINANZWELT: Kritisches Thema Provision, über diese dürften einige Anbieter aufgrund des 5. Bauherrenerlasses jetzt ja wohl noch einmal nachdenken?
Ebel: Ich denke, wir zahlen mit Abstand die niedrigsten Provisionen am Markt. Die Beschränkung stört uns von daher nicht. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass wir den Anleger- vor den Beraternutzen stellen, auch wenn dies einige nicht hören wollen. Außerdem ist Folgegeschäft immer einfacher und wir vertreiben mehr als 2/3 unserer Fonds an Altkunden. Zudem gilt: Sollten die Schiffsbaupreise weiter steigen und die Charterraten gegebenenfalls sinken, werden alle Anbieter die Vorkosten erheblich zusammen streichen müssen, um vernünftige Erträge darstellen zu können. Das betrifft auch die Vertriebskosten.
FINANZWELT: Ihr Flottenfonds verzichtet auf Steuervorteile - ist das nicht wagemutig?
Ebel: Unser HT-Flottenfonds II optiert von Anfang an zur Tonnagesteuer und erzielt daher praktisch steuerfreie Einnahmen; auch der Veräußerungsgewinn bleibt steuerfrei. Wissen Sie, als seinerzeit die Verlustzuweisung von 200 und mehr auf 150 Prozent herunter ging, hatten viele Vertriebe Existenzangst. Das Gegenteil war der Fall - es wurden sogar höhere Summen gezeichnet als zuvor. Ich will aber nicht abstreiten, dass unverändert einige Zielgruppen Steuervorteile wünschen. Wir haben allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass Anleger, die uns seit zehn Jahren und mehr vertrauen, zunehmend in dem Alter sind, dass steuerfreie Ausschüttungen jetzt interessanter sind als Steuervorteile. Wir können jedenfalls über Umsatzschwierigkeiten nicht klagen. Neben dem Flottenfonds II bieten wir auch konventionell strukturierte Beteiligungen an, um auch die übrigen Kundengruppen befriedigen zu können. Insgesamt werden wir im Jahr 2003 sieben Schiffsprojekte platzieren.







