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Hedge-Fonds
Seit dem 1.1.2004 dürfen deutsche Anleger Hedge-Dachfonds erwerben, das erlaubt das Investmentmodernisierungsgesetz, das am 1. Januar 2004 in Kraft trat. Aber noch sind sie nicht auf dem Markt. Einen Run auf die neuen Anlagevehikel konnte es daher nicht geben. Auch die alt-ehrwürdige Financial Times zeigte sich enttäuscht: "German hedge fund market falls short of expectations.“ Das klingt ähnlich wie das berühmte Brecht-Wort: Stell Dir vor, es gibt Hedge-Fonds, aber keiner will sie haben. Aber dem ist nicht so.
Den Januar 2004 benötigten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zunächst einmal, um die Muster-Vertragsbedingungen abzustimmen. Erst jetzt, nachdem diese vorliegen, macht es für die Fondsgesellschaften Sinn, die Genehmigungsanträge für die Hedge-Fonds einzureichen. Denn das BaFin bearbeitet die Anträge erst, wenn die Muster-Vertragsbedingungen vorliegen.
Rund zwei Monate dürfte es dauern, bis die Anträge genehmigt sind und die Fonds zum öffentlichen Vertrieb freigegeben sind. Die ersten Fonds wird es also frühestens gegen Ende des ersten Quartals, vielleicht aber auch erst im zweiten Quartal geben. Bis dahin müssen sich Anleger und Vertrieb auf die schon bestehenden Angebote beschränken. Das sind Zertifikate (dürfen auch nur von Finanzdienstleistungsinstituten verkauft werden) und geschlossene Fonds.
Rund zwei Monate dürfte es dauern, bis die Anträge genehmigt sind und die Fonds zum öffentlichen Vertrieb freigegeben sind. Die ersten Fonds wird es also frühestens gegen Ende des ersten Quartals, vielleicht aber auch erst im zweiten Quartal geben. Bis dahin müssen sich Anleger und Vertrieb auf die schon bestehenden Angebote beschränken. Das sind Zertifikate (dürfen auch nur von Finanzdienstleistungsinstituten verkauft werden) und geschlossene Fonds (siehe Kasten).
Die meisten Fondsgesellschaften sehen auch wie dit Allianz Dresdner Management keinen Anlass, sozusagen im Windhundrennen ihre Fonds genehmigen zu lassen. Der dit, der im Neuabsatz 2003 ein eindrucksvolles Comeback feierte, will mit zwei Dach-Hedge-Fonds für den privaten Anleger auf den Markt kommen, eine spekulative und eine konservative Variante. "Ende März/Anfang April werden wir die Fonds auflegen", kündigt dit-Sprecher Heinrich Durstewitz an.
Der Marktführer DWS (Marktanteil unter den deutschen Fondsgesellschaften rund ein Viertel) hat offenbar den Ehrgeiz, den Vorteil des First Mover zu nutzen. Nachdem die Musterbedingungen mit einigen kleinen Anmerkungen vom BaFin an den BVI zurück kamen, reichte die Deutsche-Bank-Tochter auf Basis dieser Musterbedingungen den Antrag auf Vertriebsgenehmigung eines von ursprünglich zwei Fonds ein. Ähnlich wie der dit plante DWS eine dynamische und eine ausgewogene Variante. Jetzt will man offenbar möglichst schnell erst einmal mit der dynamischeren Variante auf den Markt, die ausgewogene soll in einigen Monaten folgen.
Axel-Günter Benkner, der Chef der DWS und gleichzeitig Vorstandssprecher des BVI, der vor Monaten die Hoffnung geäußert hatte, dass DWS im ersten Jahr für eine Milliarde Euro Hedge-Fonds verkaufen könnte, ließ sich auf der Jahrespressekonferenz des BVI auch auf Nachfragen der Journalisten nicht auf eine Absatzprognose für alle BVI-Mitgliedsfirmen festlegen. Er glaubt aber zu Recht, dass das Mittelaufkommen ganz stark von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängen werde.
Denn viele Anleger sehen die HedgeFonds nicht als Depotbeimischung, die die Ertragschancen eines gemischten Aktien-/Rentendepots erhöht, ohne dass dafür zusätzliche Risiken in Kauf genommen werden müssen, sondern als eine mögliche Alternative zu den Aktienmärkten, wenn diese nur unbefriedigende Renditen abwerfen. Die starken Kursgewinne am Aktienmarkt dürften also tendenziell das Interesse an Hedge-Fonds bremsen. Und in der Tat: "Am besten schneiden die Hedge-Fonds ab, wenn die Aktienmärkte sich moderat verhalten", konstatiert Martin Garske, Relationship Manager bei Apano, die seit Jahren von Man Investments gemanagte Hedge-Fonds ähnliche Anlagen in Deutschland anbietet.
Auch die ausländischen Fondsgesellschaften haben derzeit keine Eile, für ihre Hedge-Fonds die Vertriebsgenehmigung für Deutschland zu erhalten. Derzeit lässt Mellon Global Investments für seinen Mellon Sanctuary Fund (Zulassung in Dublin) prüfen, welche Zielfonds überhaupt die steuerlichen Transparenzbestimmungen erfüllen; deren Einhaltung ist notwendig, um die Hedge-Fonds „weiß“ zu bekommen, also von der Strafbesteuerung zu befreien. Nur die Erträge aus steuerlich transparenten Fonds sind in Deutschland steuerfrei. "Es ist nicht gesagt, dass die wirklich guten Fondsmanager der Zielfonds bereit sind, die Kosten für die Offenlegung der steuerlich relevanten Daten zu tragen", kritisiert J. Volker Grüneke, General Manager Deutschland von Mellon Global Investments die Vorschriften. Aber ob die wirklich erstklassigen Fondsmanager es sich auf Dauer leisten können, auf den großen deutschen Markt zu verzichten, wie viele befürchten, bleibt abzuwarten. Vorläufig wird Grüneke den Mellon Sanctuary über lizensierte Vermögensverwalter in Deutschland verkaufen. Dafür ist die Zulassung durch das BaFin nicht erforderlich.
Der besondere Vorteil der Hedge-Fonds für die Anleger liegt darin, dass sie weitestgehend unkorreliert sind zu den traditionellen Anlagemärkten wie Aktien und Anleihen, sich also unabhängig von diesen entwickeln. "Unbestritten ist, dass Hedge-Fonds als Beimischung zu einem Portefeuille entweder das Gesamtrisiko des Portefeuilles bei unveränderter Rendite mindern oder aber die Rendite bei unverändertem Risiko erhöhen", erläutert Apano-Hedge-Fonds-Experte Garske. "Es lässt sich aber anhand der Vergangenheitszahlen nachweisen,“ fügt er hinzu, „dass es mit Hedge-Fonds sogar möglich ist, die Rendite zu erhöhen und gleichzeitig das Risiko zu senken". Im Klartext: Ein Portefeuille, das je zur Hälfte aus Aktien und Anleihen besteht, bringt bei Beimischung von Hedge-Fonds einen höheren Ertrag als ohne Hedge-Fonds. Hedge-Fonds können also eine Optimierung des Portefeuilles bringen - wenn man den richtigen Fonds hat. Und Mellon-Manager Grüneke glaubt, dass die optimale Beimischung 15 % beträgt.
„Die Hedge-Fonds versprechen hohe Margen,“ meint Ferdinand Haas, Vorstand des Maklerpools BCA. Und wo es hohe Margen gibt, da winken auch hohe Provisionen für die Vertriebe. „Aber Schlaraffenland ist abgebrannt“, mahnt Haas vor allzu hoch gesteckten Erwartungen die Anleger und Finanzdienstleister.
Zudem gibt es auch andere Anlagen, die keine Korrelation mit Anleihen und Aktien haben und den Ertrag eines Portefeuilles erhöhen und gleichzeitig die Risiken senken können. Dazu gehören die geschlossenen Fonds fast aller Produktlinien, die das in den letzten drei Jahren Baisse am Aktienmarkt deutlich unter Beweis gestellt haben. Die Absatzzahlen 2003 zeigen, dass die Anleger das auch so sehen.
(Dr. Leo Fischer)







