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Bâloise will den Deutschen Ring zerschlagen

Herr der Ringe!

© Foto: linleo- fotolia.de

„Wer hat´s erfunden? Die Schweizer!“ Was in der Werbung so lustig klingt, sorgt in Hamburg seit einiger Zeit für Tumulte. So hat der Schweizer Versicherungskonzern Bâloise einen Aufspaltungsplan für die Gesellschaften des Deutschen Ring in Hamburg auf Drängen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgestellt. Gegner Signal Iduna lehnt den Vorschlag strikt ab, vor allem weil die Bâloise den gemeinsamen Vertrieb für seine Töchter beansprucht.

Seit Monaten liefern sich Signal Iduna und Bâloise einen heftigen Streit um die drei Gesellschaften des Deutschen Ring (DR). Was war geschehen? Im November 2008 verkündete die Schweizer Mutter, ihre Töchter DR und Basler zusammenzuführen. Wolfgang Fauter wurde als Vorstand des DR entlassen – allerdings nur im Sach- und Lebensbereich, da der DR-Krankenversicherungsbereich (DR Kranken) als rechtlich selbstständiger Versicherungsverein a. G. von Personalentscheidungen der Bâloise nicht betroffen war. Nach diversen Klagen und Konfrontationen entschied sich Fauter zum Zusammenschluss seiner DR-Kranken mit der Signal Iduna Gruppe zum April 2009. Deren Vorstandsvorsitzender Reinhold Schulte freute sich besonders darüber, dass durch den Zusammenschluss der Vertrieb entsprechend gestärkt wird. So hatte die Signal Iduna hauptsächlich über eigene Ausschließlichkeitsorganisationen vermittelt, während der DR-Kranken besonders über Makler und freie Vertriebe (wie OVB und FORMAXX) beim Kunden Absatz fand. Problematisch wurde mit der Verbindung DR-Kranken/ Signal Iduna, dass von den DR-Mitarbeitern 321 einen Einzelarbeitsvertrag mit der DR-Leben, 447 mit der DR-Kranken und 876 einen gemeinsamen Vertrag haben. Die DR-Mitarbeiter sind die wahren Opfer der Misere. Laut Handelsblatt sind sie fast geschlossen gegen die Bâloise und zeigen dies auch deutlich. Wohl auch, weil der Standort Hamburg bzw. die Jobs bei einer Verknüpfung mit der Bad Homburger Basler keineswegs mehr sicher sind.

Im „Herr der Ringe Konflikt“ verhärteten sich fortan die Fronten: Während die Schweizer eine Aufspaltung wünschen und die DR-Gesellschaften mit ihrer Tochter Basler verzahnen möchten, will Signal Iduna gerne den kompletten DR übernehmen. Da beide Seiten stur blieben, wurden neue Wege gegangen. Die Signal Iduna erhöhte Anfang Dezember 2009 ihren Anteil am Finanzvertrieb OVB so, dass die beiden Partner DR-Kranken und Signal Iduna seitdem mit 50,9 % die Mehrheit an der OVB besitzen. Ausgerechnet der Vertrieb, an dem der Schweizer Versicherer Ende Dezember 2008 noch seine Machtposition ausbauen wollte.

Nun der „Gegenschlag“ der Schweizer.
Die Bâloise-Töchter DR-Leben und Sach legten einen konkreten Entflechtungsplan vor. Die Finanzaufsicht hatte am 12. November 2009 den Entwurf eines Verwaltungsakts zugestellt und die Verhandlungspartner zu einer Stellungnahme aufgefordert. Grund: Der Zustand verstoße gegen das Versicherungsaufsichtsrecht und seit dem Zusammenschluss von Signal Iduna und DR-Kranken auch gegen das Wettbewerbsrecht. Vorgesehen ist eine geordnete Trennung von DR-Leben/Sach einerseits und DR-Kranken andererseits. Dabei werden die Gesellschaften in jeglicher Hinsicht entflochten – bezogen auf das Personal, die Sachmittel, Räumlichkeiten, IT und Arbeitsabläufe. Martin Strobel, Vorsitzender Konzernleitung Bâloise, sagte: „Wir streben weiterhin eine einvernehmliche Lösung mit der Signal Iduna und DR-Kranken an. Im Interesse der Mitarbeiter und Kunden erwarten wir von der Signal Iduna, dass sie nun mit uns an einer raschen und geordneten Entflechtung arbeitet. Als Reaktion auf die Behördenschreiben haben wir der Signal angeboten, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.“ Für die Mitarbeiter ergeben sich durch die Entflechtung laut Schweizer Versicherer keine Nachteile. Auch die Kosten für die Entflechtung sollen sich in einem vertretbaren Rahmen befinden. Die externen Aufwendungen werden von der Bâloise für beide Parteien auf einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt, der gleichmäßig auf DR-Leben und DR-Kranken aufzuteilen ist.

Knackpunkt Vertrieb.
Während Signal Iduna mit Kauf des gesamten DR auch den Vertrieb will, fordert der vorgelegte Entflechtungsplan der Schweizer vielmehr, dass die Stammorganisation in Händen der DR-Leben fortgeführt wird. Das Krankenversicherungsgeschäft soll die Stammorganisation der DR-Leben als exklusiver Generalagent für den DR-Kranken weiterführen. Die Signal Iduna lehnt diesen Plan ab. Sie bleibt bei ihrem Angebot, den kompletten DR zu übernehmen. Die Kölner setzen derweil einen anderen Plan um. So wurde nebst dem Zukauf der OVB auch im Herbst 2009 die SDV Servicepartner der Versicherungsmakler AG unter Führung von Ex-DR-Vorstand Jens Geldmacher in Augsburg gegründet – ein ideales „Auffangbecken“ für Makler wie auch für DR-Vermittler. Laut Informationen des Handelsblattes sind auch schon eine Vielzahl von Vertretern zur Seite der Signal Iduna gewechselt – darunter führende Vertriebsmitarbeiter des Deutschen Ring. Mit der Zeit könnten somit immer mehr Vertreter die Seiten wechseln, und im Umkehrschluss würde der DR immer günstiger werden. Einzig die Finanzaufsicht könnte der Signal einen Strich durch die Rechnung machen. So hat die BaFin einen Verwaltungsakt in der Sache angekündigt. Darin könnte sie auf eine Trennung der Ring-Gesellschaften bestehen. Jedoch ist für diesen Fall ein Widerspruch mit aufschiebender Wirkung möglich. Und dies würde den Kampf um den „Herr der Ringe“ weiterhin in die Länge ziehen.

 

Interview mit Reinhold Schulte, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe

finanzwelt: Wie geht es weiter mit Signal Iduna/Deutscher Ring?

Schulte: Wir suchen eine wirtschaftlich sinnvolle und tragfähige Verhandlungslösung mit der Bâloise über die Zukunft der Unternehmensgruppe Deutscher Ring. Die Bâloise besteht allerdings bislang auf eine Lösung, die eine mehr als zwei Jahre andauernde Zerschlagung des Deutschen Ring und Kosten in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen würde. Das kann niemand ernsthaft wollen, der eine positive Zukunft für den Deutschen Ring anstrebt.

finanzwelt: Wie sieht es um die Mitarbeiter und die Strukturen aus?

Schulte: Das sind die wirklich Leidtragenden an der Auseinandersetzung. Sie sind verunsichert, wie es mit ihnen weitergeht. Rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Arbeitsverträge sowohl mit dem Krankenversicherungsverein als auch mit der Sach- und der Lebensversicherung. Die Bâloise will 230 Arbeitsplätze abbauen; Signal Iduna garantiert für alle Arbeitsplätze, wenn sie die Verantwortung für den gesamten Deutschen Ring erhält. Das ist auch die wirtschaftlich vernünftigste Lösung, denn neben den gemeinsamen Mitarbeitern müssten bei einer Zerschlagung der Gruppe auch die gemeinsame IT und der gemeinsame Vertrieb aufgetrennt und wieder neu aufgebaut werden. Wie sich das mit dem formulierten Ziel der Bâloise verbinden lässt, die Kosten ihrer deutschen Gesellschaften deutlich zu senken, ist nicht nachvollziehbar. Deshalb verfolgt Signal Iduna eine Entflechtung auf Eigentümerebene.

finanzwelt: Welche Rolle spielt die OVB in diesen Planungen?

Schulte: Unsere Anteile an der OVB AG sind für uns ein wichtiges Investment, wobei wir hier langfristig planen.

finanzwelt: Was halten Sie von dem aktuellen „Zerschlagungsangebot" der Bâloise ?

Schulte: Eine Zerschlagung der Unternehmensgruppe DR auf operativer Ebene ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. Dass die Bâloise als börsennotierte Gesellschaft nicht unserem Vorschlag gefolgt ist, auf Eigentümerebene zu entflechten, ist für uns nicht verständlich. Die Bâloise hat im November 2008 (also vor mehr als einem Jahr!) drei Ziele für die Neuordnung des Deutschlandgeschäftes genannt: 1. „Vernetzung" zwischen Sach- und Lebensversicherung des DR mit den Basler Versicherungen; 2. Synergieeffekte; 3. Aufnahmefähigkeit für Fusionen und Übernahmen in Deutschland. Von allen drei Zielen ist die Bâloise weiterhin sehr weit entfernt. Selbst wenn der Deutsche Ring zerschlagen werden würde, wäre vor 2013 nicht damit zu rechnen, dass die Bâloise in Deutschland wieder ungestört arbeiten könnte. Das kann nicht wirklich das Ziel der Bâloise sein. Deshalb glauben wir weiterhin an eine vernünftige Einigung.

(Marc Oehme)


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