Schiffs-Opportunities
Heute Flohmarkt!
© Foto: Ingo Bartussek - Fotolia.comFür Oscar Wilde, den großen irischen Dichter, wären Opportunity Schiffsfonds nicht das geeignete Investment gewesen. „Ich bin nicht reich genug, um mir Billiges zu leisten“, hat er (im übertragenen Sinn) einmal gesagt. Ob Schnäppchen-Schiffe, wie die Reederei Oltmann aus Leer ihre Anlagekonzepte nennt, etwas für vermögende Anleger sind, wollte ich genauer wissen.
Elf Fonds wurden identifiziert, die Emittenten haben wir zum aktuellen Platzierungsstand und den bisher getätigten Schiffsankäufen befragt – sieben haben geantwortet (s. Folgeseiten). Deren Fonds wollen insgesamt 335 Mio. Euro in Schiffe investieren, die, so die Hoffnung der Emittenten, in den heutigen Krisenzeiten mit erheblichen Preisnachlässen zu haben sind. Diese Fonds sind alle zwischen Ende 2008 und Februar 2010 an den Markt gekommen. Eingeworben wurden von allen Fonds bis heute gerade mal 32 Mio. Euro. Investiert wurden 90 Mio. Euro in vier Schiffe. Elf Einkäufe wurden vor Redaktionsschluss avisiert. Diese Daten zeigen deutlich, dass erstens die Anleger nicht auf dieses Anlagekonzept fliegen und viel Zeit benötigen, sich zu entscheiden. Sie zeigen aber auch, dass die Emissionshäuser nicht so richtig loslegen können. Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste: Niemand weiß, wann und in welchem Schiffsmarkt die Preise ihren Einkaufszeitpunkt erreicht haben, denn die Chartermärkte, die letztlich den Schiffspreis determinieren, entwickeln sich derzeit diffus. Das Ziel eines jeden Fondsmanagers ist es aber, möglichst den tiefsten Preis zu treffen.
In diesen Tagen wird von vielen Fachleuten die Meinung vertreten, dass die Krise auf den Schiffsmärkten vorbei sei. Jedenfalls hat das Peter Kastell, Chef der Ratingagentur Fondsmedia Hamburg, kürzlich in einem Vortrag so dargestellt. Ganz offenbar sehen das die Initiatoren Oltmann mit ihrem Schnäppchenfonds II, Maritim Equity, Hamburg, sowie Ocean Partners Shipping, Hamburg, auch so, denn sie haben Schiffe gekauft. Ob diese Entscheidungen richtig oder voreilig waren, weiß allerdings niemand. Störend wirkt allerdings, dass das Szenario einer Doppelkrise von Beobachtern nicht ausgeschlossen wird. Das würde bedeuten, dass der gerade durchlebten Krise eine weitere folgen könnte. Beispielsweise ausgelöst von einer neuen Katastrophe auf den USA-Immobilien-Märkten – diesmal könnte der Gewerbeimmobilien-Markt einbrechen. Das jedenfalls erwartet die „Welt am Sonntag“ in einem Artikel aus dem April. Von mir befragte Immobilien-Experten erwarten dieses Problem allerdings nicht. Auch die Euro-/Griechenland-Krise hat erhebliches Sprengpotenzial. Auf dem Weg zum bestmöglichen Einkauf von Schiffen haben die Fonds verschiedene konzeptionelle Wege eingeschlagen.
Ich denke, der bestmögliche Weg ist es, ein von Anlegern bestimmter Investitionsausschuss entscheidet den Zeitpunkt und vor allem, welche Art Schiffe erworben werden sollen. Diesen Weg hat aber nur ein Fonds gewählt: MCT Shipping Opportunity. Alle anderen Fonds verlassen sich auf Know-how und Näschen des Initiators/ Fondsgeschäftsführers. Ich bezweifle nicht, dass in diesem Fonds überall Profis sitzen, die auch weltweit das richtige preisoptimale Schiff finden könnten, aber ob das wirklich zu bestmöglichen Ergebnissen führt, kann ich nicht glauben. Ich wünsche es auf jeden Fall.
Meine Zweifel sind aber nicht „lebenswichtig“. Entscheidungen, die nicht in allen Fällen bestmöglich sind, erlauben durchaus hochrentierliche Ergebnisse der Fonds, auch wenn der Tiefstpreis verpasst wurde.
Sehen wir uns einmal an, was die Recherchen zu
dem Schnäppchen-Markt ergeben haben. Vielleicht hätte
Oscar Wilde dann trotzdem investiert.
finanzwelt fragte die Emissionshäuser, die Schiffs-Opportunities
anbieten, nach dem aktuellen Platzierungsstand
der einzelnen Fonds.
„Insgesamt haben wir für den ‚MCT Shipping Opportunity’ Zusagen von mindestens 4 bis 5 Mio. Euro bis Mitte des Jahres. Platziert sind bisher rund 1,6 Mio. Euro“, sagt Christopher Botsch, Geschäftsführer der MCT-Gruppe aus Hamburg. „Gekauft haben wir noch kein Schiff.“
„Bei dem aktuellen Publikumsfonds ‚Ocean Partners Shipping Invest 3’ mit einem Zielvolumen von 25 Mio. US-Dollar ist die Platzierung gerade angelaufen. Parallel befindet sich mit ‚Ocean Partners Shipping Invest 2’ ein Private Placement mit einem Zielvolumen von 20 Mio. US-Dollar in der Pipeline“, so Hans-Jürgen Kaiser-Blum, geschäftsführender Gesellschafter der Ocean Partners Shipping GmbH & Co. KG, Hamburg.
„Der aktuelle Platzierungsstand unseres Fonds ‚Maritim Equity III’ liegt bei 8,5 Mio. Euro“, sagt Dr. Werner Großekämper, Geschäftsführer der Maritim Equity GmbH, Hamburg.
„Wir haben ca. 6 Mio. Euro platziert“, teilt uns das Hamburger Emissionshaus König & Cie. GmbH & Co. KG mit.
„Die HCI hat seit der Auflegung des ‚HCI Shipping Opportunity’ bislang rund 4 Mio. Eigenkapital bei Anlegern eingeworben“, so Dr. Oliver Moosmayer, Produktvorstand der HCI Capital AG aus Hamburg.
„Der Co-Investitionsfonds ‚PCE Chancenportfolio Containerschifffahrt’ hat rund 3,4 Mio. Euro eingesammelt“, erklärt Kai-Michael Pappert, geschäftsführender Gesellschafter der Premium Capital GmbH & Co. KG, Hamburg.
Die Jan Luiken Oltmannn Gruppe GmbH & Co. KG aus Leer teilt mit, dass der seit Mitte Dezember 2009 im Vertrieb befindliche „Schnäppchenfonds II“ zu über 85 % platziert ist.
Wie viele Schiffe haben die Emittenten bisher angekauft bzw.
wie viele Ankäufe stehen kurz vor dem Abschluss?
Maritim Equity hat bisher Beteiligungen an drei Schiffen übernommen. Es handelt sich um zwei 1.700 TEU Containerschiffe, die Mitte 2008 abgeliefert worden sind und im September 2009 zu einem Preis von jeweils 21,475 Mio. US-Dollar übernommen wurden, und um einen Mini Capesize Bulker, der im August 2010 zu einem Preis von 59,8 Mio. US-Dollar abgeliefert wird.
„Seit dem 4. Quartal 2009 wurden der Fondsgeschäftsführung ca. 70 zum Verkauf anstehende Containerschiffe vorgelegt, hiervon wurden 25 bis 30 Schiffe in die kommerzielle Prüfung genommen. Eine engere Auswahl von Schiffen befindet sich in der Due Diligence Phase, d. h. hier werden technische Gutachten ausgewertet, Finanzierungsmöglichkeiten geprüft und Ankaufsverhandlungen geführt“, so Hans-Jürgen Kaiser-Blum.
„Bislang hat der ‚HCI Shipping Opportunity’ noch keine Schiffe erworben“, so Oliver Moosmayer. „Wir gehen davon aus, dass wir die wirklich attraktiven Opportunitäten erst im Laufe des Jahres und im kommenden Jahr sehen werden.“
„Der Fonds wird im Verlauf des Jahres 2010 die ersten Investitionen tätigen. Aktuell befinden sich zwei Projekte im Prüfungsprozess“, sagt Kai Michael Pappert.
„Sieben Schiffsankäufe hat der Vorgängerfonds ‚Schnäppchenfonds I 2009’ bereits getätigt – mit Einsparungen von bis zu 56 % gegenüber dem ursprünglichen Orderpreis. Auch der ‚Schnäppchenfonds II’ konnte kürzlich seine erste Investition erfolgreich und zu günstigen Konditionen tätigen: Für 11,5 Mio. Euro (zzgl. 200.000 Euro für Schwergutausrüstung) konnte die MS ‚BBC Kwiatkowski’ erworben werden – dies entspricht einer Einsparung von etwa einem Drittel gegenüber dem ursprünglichen Orderpreis“, erklärte die Oltmann Gruppe.
Weiterhin wollten wir wissen, wie die Geschäftsidee der
Opportunity-Fonds heute eingeschätzt wird.
„Unsere Einschätzung der Geschäftsidee hat sich nicht geändert“, sagt Christopher Botsch. „Schiffe werden zurzeit zu historisch niedrigen Preisen gehandelt und der Markt funktioniert. Noch hat das oft beschworene ‚Blutbad‘ zwar nicht stattgefunden, allerdings stellt sich die Frage, wie lange Reedereien und Banken diese aktuell schlechte Chartersituation noch durchhalten können. Den ersten geht bereits die Luft aus.“
„Opportunity-Fonds haben nicht nur in der gegenwärtigen Situation gegenüber den traditionellen Fondskonzepten erhebliche Vorteile. Ein wesentlicher Teil der Strategie ist die Kapitalisierung der Fonds vor Investition. Das lässt das Agieren aus einer starken Position zu, unabhängig von Bankfinanzierungen“, so Hans-Jürgen Kaiser-Blum.
„Die Märkte stabilisieren sich zurzeit, und in vielen Schiffsklassen sind wieder steigende Preise festzustellen. Wir müssen vor diesem Hintergrund den Anlegern nun nicht erklären, warum es nicht immer nur Schnäppchen und/oder sehr günstige Einkaufsmöglichkeiten gibt“, erklärt Dr. Werner Großekämper.
„Derzeit sehen wir auch verstärkt Linienreedereien, die durch Schiffsverkäufe Liquidität generieren“, so Oliver Moosmayer. „Die Qualität eines ‚Schnäppchens’ wird vor allem durch den richtigen Kaufzeitpunkt bestimmt: Ein günstig erworbenes Schiff kann durch Aufliege-, Zins- und Eigenkapitalkosten sehr schnell wieder teuer werden. Deshalb ist es uns wichtig, ein marktgängiges Schiff zum richtigen Marktzeitpunkt zu erwerben, das dann gute Beschäftigungsperspektiven aufweist. So können wir mittel- bis langfristig das Renditepotenzial der ‚Opportunitäts-Idee’ voll ausschöpfen“, ergänzt er.
Auch die Oltmann Gruppe aus Leer ist optimistisch: „Anlegern eröffnen sich momentan beste Gelegenheiten, denn das derzeitige Investitionsklima in der Schifffahrt ist geprägt von einer Marktbereinigung durch eine erhöhte Abwrackungsquote und Stornierung von Schiffsneubauten – jetzt ist die Zeit, um Schiffe günstig einkaufen zu können. Darüber hinaus profitieren wir von einem aktuell niedrigen Zinsniveau.“
(Dieter E. Jansen Recherche: Kim Brodtmann)







