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Dread Disease Versicherung

Ich werde nicht krank!

© Foto: Spectral-Design - Fotolia.com

Finanzielle Unabhängigkeit im Falle des Eintritts einer schweren Krankheit ist sicherlich jedem Menschen wichtig. Dennoch sind Dread Disease Policen im Verhältnis zur Berufsunfähigkeitspolice eher unbeliebt bei Vertrieb und Kunden.

Gesundheitliche Vorsorgeuntersuchungen werden von den meisten Menschen – besonders von den männlichen Geschöpfen – sehr vernachlässigt. Bequemlichkeit, unangenehme Behandlungsprozeduren (man denke an die Darmspiegelung) aber auch Angst sind meist die Gründe, um sich entsprechenden Untersuchungen nicht zu unterziehen. Auch die Risiken des Bluthochdrucks oder des erhöhten Cholesterinspiegels sind den Menschen nicht bewusst, viele wissen noch nicht einmal, dass sie Bluthochdruck haben und somit mehr als andere Menschen Herzinfarkt gefährdet sind. Und obwohl bei vielen Menschen im Rahmen eines individuellen ehrlichen Risikochecks viele Treffer zu verzeichnen sind, glaubt fast jeder, dass er selbst nicht zu der Gruppe der Betroffenen gehört. Nur so viel: Alle 3 Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Schlaganfall – das sind pro Jahr mehr als 200.000 Fälle. Ebenfalls mehr als 200.000 Menschen jährlich trifft ein Herzinfarkt und rund 430.000 erkranken an Krebs. Insbesondere jüngere Menschen (33 % zwischen 31 und 40 Jahren, 34 % zwischen 41 und 50 Jahren) werden von schweren Krankheiten heimgesucht.

Das Erleiden einer schweren Krankheit ist dabei nicht unmittelbar mit dem Tod verbunden! Schon eine ältere Vergleichsstudie der European Cancer Organisation (ECCO) aus den Zeiträumen 1988 bis 1990 und 1997 bis 1999 machte deutlich, dass besonders bei Lungen-, Magen- und Darmkrebs eine Steigerung der Heilungsrate verzeichnet wurde – der Anteil der vollständig geheilten Patienten bei Lungenkrebs von 6 auf 8 %, bei Magenkrebs von 15 auf 18 % und bei Darmkrebs von 42 auf 49 %. Laut Fachärzten ist diese Heilungsrate dank der Fortschritte der modernen Medizin in den letzten Jahren weiterhin gestiegen. Was jedoch immer bleibt, sind der Schock und die Sicherheit, dass von jetzt auf jetzt „alles anders geworden ist“, wie die Gewissheit, dass mit der Erkrankung auch ein erhebliches finanzielles Problem entsteht.

Und hier liegt der Vorteil der Dread Disease Police im Vergleich zu den „Renten“-Lösungen. „Das Highlight der Policen ist eine Einmalleistung, die dem Kunden bei Vorliegen der geforderten Diagnose ausgezahlt wird“, beschreibt Bernhard Rapp, Direktor Marketing und Produktmanagement bei Canada Life, und erklärt weiter: „Wir prüfen nicht, ob der Kunde noch einer Erwerbstätigkeit nachgeht oder ob er dies nach einem bestimmten Zeitraum wieder tut. Der große Vorteil ist also die vollständige Freiheit für den Kunden, das Geld bestmöglich einzusetzen, um wieder gesund zu werden und/oder beruflich kürzer zu treten.“ Heiko Reddmann, Vertriebsdirektor der Skandia Lebensversicherung AG, ergänzt hierzu: „Die finanziellen Risiken einer solchen Erkrankung – wie längere Einkommensausfälle, aufwändige Rehabilitationsmaßnahmen oder behindertengerechte Umbauten im eigenen Zuhause – sind durch eine Kranken- oder Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) häufig nicht ausreichend abgedeckt. Zwar haben alle Risikoprodukte ihre Berechtigung, sie sind aber nicht für alle Zielgruppen gleichermaßen geeignet, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse abdecken.“

Gerade Selbstständige oder Freiberufler können oder wollen es sich gar nicht leisten, berufsunfähig zu werden. Schließlich bleiben Kosten für die Miete und alle damit verbundenen Nebenkosten sowie Ausgaben für Ernährung und Bekleidung oder auch Kredite bestehen. „Es besteht erhebliches Potenzial im gehobenen Kundensegment Firmeninhaber, Selbstständige, Freiberufler, Keypersons und Teilhaber (z. B. Sozietäten).“, so Maike Maaßen, Leiterin Produktmanagement der Gothaer Lebensversicherung.

So ist sehr verwunderlich, dass die Wichtigkeit einer Dread Disease Versicherung im Vorsorgemix von vielen Vermittlern noch nicht erkannt wurde, wie am Beispiel der Bestands- oder Neugeschäftszahlen der letzten Jahren deutlich zu erkennen ist. Auf dem deutschen Markt dominiert bislang die Berufsunfähigkeitsversicherung. „Der Hauptgrund dafür, dass die Dread Disease Versicherung in Deutschland noch ein Nischenprodukt ist, dürfte darin liegen, dass die großen Versicherungen ihr Geschäft mit BU-Versicherungen nicht kannibalisieren wollen“, so der Skandia Experte Reddmann. Und Jürgen Klein, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der FINGRO, ergänzt: „Wir müssen das Bewusstsein der Vermittler schärfen. Dafür stelle man sich nur eine Frage: Wer aus meinem Bekanntenkreis wurde schon von einer schweren Krankheit wie Krebs oder Herzinfarkt heimgesucht? Die Wahrscheinlichkeit, schwer zu erkranken, ist doch weitaus höher als die, berufsunfähig zu werden.“

Nachgefragt, weshalb sich manche Vermittler dennoch gegen eine Dread Disease Versicherung „wehren“, wird meist der „Preis“ in den Vordergrund gespielt. Klar sind Dread Disease Policen keine billigen Lösungen, aber aufgrund des umfangreichen Versicherungsschutzes eine wichtige Absicherung. Dass die Thematik „Absicherung gegen schwere Erkrankungen“ immer wichtiger wird, lässt sich doch auch daran erkennen, dass immer mehr neue „Mix“-Produktlösungen auf den Markt kommen, die sich mit den schweren Erkrankungen beschäftigen.

Fazit: Klar sind Dread Disease Policen keine billigen Lösungen, aber aufgrund des umfangreichen Versicherungsschutzes eine wichtige Absicherung. Daher muss diese Thematik im Rahmen eines optimierten Risikomanagements beim Verbraucher (lesen Sie hierzu auch die Serie Privatversicherungen 2010 – Grundsicherung Teil I, Ausgabe 02/2010) unbedingt und ausführlich an- und besprochen werden. Denn: Schwere Krankheiten können ausnahmslos jeden treffen!

(Marc Oehme)


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