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Infrastrukturfonds

In Zeiten der Krise ein ideales Investment

© Foto: peter lecko - Fotolia.com

Infrastrukturfonds bieten ähnliche Vorzüge wie die derzeit beim Anleger so geschätzten Immobilienfonds und können noch mit weiteren Pluspunkten aufwarten.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch die geschlossenen Infrastrukturfonds getroffen. Dabei wird privates Kapital mehr denn je benötigt. Denn die öffentliche Hand, die eigentlich für eine funktionierende Infrastruktur zu sorgen hat, ist aufgrund der hohen Schuldenaufnahme zur Rettung des Bankensystems an die Grenze ihrer Leistungsbilanz geraten. Allerdings: Mit den Konjunkturpaketen zur Wiederankurbelung der wirtschaftlichen Aktivitäten fördern die Staaten auch gezielt die Infrastruktur.

In Deutschland fehlt der öffentlichen Hand das Geld, um Straßen zu sanieren und neue zu bauen. Frankreich, das seine Schnellstraßen über eine Maut finanziert, hat heute ein modernes und leistungsfähiges Autobahnnetz; die Bundesrepublik aber, einst Vorreiter und Vorbild auf diesem Gebiet, hat heute teilweise marode Autobahnen.

Hierzulande sind es vor allem die geschlossenen Fonds, die privates Kapital für die Finanzierung von Infrastrukturaufgaben akquirieren. Allerdings, die Mittel, die die derzeit in der Platzierung befindlichen Fonds zur Verfügung stellen können, sind wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Und die Fonds investieren überwiegend oder sogar fast ausschließlich in den USA, wie der Infra Trust 8 von BAC, der Infrastruktur Amerika von WealthCap und Infrastruktur 2 von Hannover Leasing. „In den USA ist die Situation noch prekärer als hier“, meint Andreas Ahlmann, Geschäftsführer des Münchener Emissionshauses Hannover Leasing. Die sechs Infrastrukturfonds, die derzeit angeboten werden, haben ein Kommanditkapital von umgerechnet 188 Mio. Euro eingeplant, wenn der Infrastruktur 2 seine Optionen ausschöpft, sind es fast 250 Mio. Euro. Allein in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, hat sich ein enormer Nachholbedarf an Infrastrukturinvestitionen von 2,2 Billionen US-Dollar – das ist eine Zahl mit elf Nullen! – aufgestaut, der in den nächsten fünf Jahren ansteht.

Infrastrukturfonds werden bei Feri nach wie vor unter Private Equity subsummiert, diese Einteilung stammt noch von Analyst Stefan Loipfinger; der VGF ist in diesem Punkt Feri voraus und hat eine eigene Assetklasse Infrastruktur. Allerdings kommt Infrastruktur nur auf einen geradezu lächerlich wirkenden Marktanteil von einem Prozent. Groß ist die Assetklasse, wenn man auf die geschlossenen Fonds abstellt, also nicht. „Aber es handelt sich um eine eigene Assetklasse mit eigenen Anforderungen und einem anderen Chancen-Risiko-Profil als Private Equity“, betont Götz Hoyer vom Consulting Unternehmen Fleischauer, Hoyer & Partner, das sich den Geschäftsfeldern Private Equity und Infrastruktur widmet.

Die Zeit, als die australische Bank Macquarie mit ihren geschlossenen Infrastrukturfonds in Deutschland Furore machte, ist vorbei. Die allgemeine Unsicherheit auf Seiten der Investoren infolge der Finanzmarktkrise hat dem ein Ende bereitet. 2006 konnte Macquarie noch 752 Mio. Euro Eigenkapital mit ihrem deutschen Feeder-Fonds für den zweiten europäischen Infrastrukturfonds (MEIF II) einsammeln. Der Feeder-Fonds war der größte geschlossene Fonds, der in Deutschland je aufgelegt wurde. Bescheiden dagegen das geplante Eigenkapital von 20 Mio. Euro, welches Macquarie derzeit für den Feeder-Fonds zum dritten europäischen Infrastrukturfonds einsammeln will. „Dies spiegelt die allgemeine Unsicherheit auf Seiten der Investoren gegenüber allen Anlageklassen wieder", so das australische Institut. „In letzter Zeit hat sich die allgemeine Stimmung auf Seiten der Investoren wieder verbessert", sagt Axel von Rosen, Executive Director bei der deutschen Macquarie-Niederlassung in München. In Zukunft will Macquarie, die bisher sehr stark über Banken vertrieben hat, freie Vermittler stärker in die Platzierung einbinden.

Nicht nur bei der Prospektierung des zu platzierenden Kapitals, sondern auch bei den Renditeprognosen ist die Branche nach den Erfahrungen der Finanz- und Wirtschaftskrise heute etwas vorsichtiger. Tendenziell ist mit leicht sinkenden Renditen zu rechnen, weil das Fremdkapital fehlt, um den Leverageeffekt optimal zu nutzen, darüber sind sich die Experten eigentlich einig. „Wir setzen die Nettozielrendite auf Anlegerebene beim Infrastruktur Invest II mit etwa 12 bis 14 % per annum nach der internen Zinsfußmethode vor Steuern an“, meint Ahlmann.Das entspricht einer Bruttorendite von 20 % auf Ebene des Fonds. Die früheren Zielfonds des Partners Highstar haben noch höhere Renditen gebracht.

Eigentlich passen Infrastrukturfonds zum derzeit dominierenden Sicherheitsstreben. Infrastruktureinrichtungen decken die Grundversorgung der Bevölkerung. Und aufgrund der staatlichen Aufsicht und der Markteintrittsbarrieren für neue Anbieter herrschen monopolähnliche Strukturen. „Für neue Mobilfunkmasten in einem großen Umkreis der von uns erworbenen Masten erteilt die zuständige Regierungsbehörde in der Regel solange keine Genehmigung, bis die bestehenden Masten voll vermietet sind“, erklärt Oliver Schulz, Geschäftsführer bei Berlin Atlantic Capital AG, die den BAC InfraTrust 8 anbietet, der in Mobilfunkmasten in den USA investiert. Die Erträge sind oft inflationsgeschützt wie beim BAC InfraTrust 8 und die Korrelation mit anderen Assets ist sehr gering. Aufgrund dieser Pluspunkte meint GabrieleVolz, Geschäftsführerin von WealthCap: „Infrastruktur ist ein ideales Kriseninvestment.“

Aber die Anleger scheinen das noch nicht so recht realisiert zu haben. Infrastrukturfonds stehen im Schatten von Immobilien- und Photovoltaikfonds, obwohl die meisten Fonds nicht mehr mit dem Negativimage Blind-Pool behaftet sind. In den meisten Fällen sind die Zielfonds zumindest identifiziert, oft auch schon gezeichnet. Beim Infrastruktur International I des Hamburger Emissionshauses König & Cie. sind bereits 30 Mio. Euro in Zielunternehmen investiert worden „In die Anfangsphase der Platzierung platzte die Nachricht von der Lehman-Pleite“, erklärt Tobias König, geschäftsführender Gesellschafter von König & Cie. Erst etwa 40 % des im August 2008 aufgelegten Fonds sind platziert. Aber der Initiator bürgt mit einer Platzierungsgarantie von 25 Mio. Euro bis Ende 2010, so dass der Fonds weiterge führt werden kann. Firmenchef Tobias König bleibt indes gelassen:„Wenn wir die Anteile in die eigenen Bücher nehmen, haben wir jedenfalls ein gutes Investment getätigt.“

(Dr. Leo Fischer)

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