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Indienfonds

Indien im Fokus

Trotz Finanzkrise sind zahlreiche Indienfonds auf dem Markt. Die Initiatoren setzen auf die starke Binnenorientierung der Wirtschaft und das Bevölkerungswachstum.

Als MPC Capital im Herbst 2007 den ersten geschlossenen Indienfonds auf den Markt brachte, war dieser in wenigen Tagen vergriffen. Jetzt bietet MPC das Nachfolgemodell an, aber die Welt hat sich geändert. Die damals schon lang schwelende Subprime-Krise ist zur Finanz- und Wirtschaftskrise eskaliert. Nun gibt es attraktive Alternativangebote.

Der Finanzkrise kann sich auch Indien nicht entziehen. Die Kredite verteuerten sich, die Zinsen liegen heute zwischen 15,5 bis 16,5 % gegenüber 12,1 zum Ende des ersten Quartals 2008. Die Rupie hat in diesem Jahr 20 % an Wert verloren. Aber: Finanzminister Palaniappan Chidambaram wies noch Ende Oktober drauf hin, dass die niedrigste Prognose für das Wachstum 2008 derzeit immer noch bei 7 % liegt. „Die indische Wirtschaft wird durch den heimischen Konsum und inländische Investitionen getrieben“, erklärt der Finanzminister. „Die Dienstleistungs- und Güterproduktionsbranche arbeitet zu mehr als 90 % für den indischen Markt“, unterstreicht Ajoy Veer Kapoor, der Chef des indischen DCM-Partners Saffron. Mit entsprechendem Bedarf an Immobilien. So erzielte Saffron mit ihrem Zielfonds Yatra Capital Limited eine Steigerung der Verkehrswerte von Immobilienprojekten von 2006 bis 2007 um 94 %. Die Bewertung wurde nach international anerkannten Standards von den renommierten Immobiliendienstleistern CB Richard Ellis und Knight Frank durchgeführt.

Starke Impulse für die Binnennachfrage bringt das Bevölkerungswachstum. „Die Prognosen gehen davon aus, dass die indische Bevölkerung von derzeit 1,14 auf 1,5 Mrd. Einwohner bis 2030 zunimmt“, erklärt Claus Hermuth, der Vorstandschef der DCM AG. Dann wird Indien vor China das bevölkerungsreichste Land der Welt sein. Gewiss, 25 % der Inder leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze, aber gleichzeitig wächst die konsumfreudige Mittelschicht. Diese wird sich von derzeit rund 300 Millionen Menschen bis 2025 fast verdoppeln. Die indische Bevölkerung ist im Durchschnitt nur 25 Jahre alt – und junge Menschen gelten als besonders konsumfreudig.

„Wer zur Mittelschicht gehört, will Konsumgüter des gehobenen Bedarfs wie Fernsehgeräte, Kühlschränke und Autos kaufen“, erläutert Bert Manke, Geschäftsführer der MPC Capital Investments GmbH. Diese sind aber nicht in den vorherrschenden kleinen und kleinsten Läden, den so genannten Kiranas, und den Straßenmärkten zu finden. „Dafür fahren die Inder in die Shopping Malls, die neben umfangreichen Einkaufsmöglichkeiten auch vielfältige Unterhaltungsangebote bereithalten wie Bowling-Bahnen und Kinos“, so Manke weiter. Die Inder sind begeisterte Kinogänger. Auf Shopping und Hotels setzt der aktuelle Indienfonds von MPC, nachdem der erste MPC-Fonds auf Wohnungen fokussiert war. In eine Hotelprojektentwicklung investiert der SF Indien Hotel 1 des neuen Initiators Vision SF. „Immer mehr Geschäftsreisende besuchen Indien, aber das Riesenland, neun Mal so groß wie die Bundesrepublik, kann lediglich 86.000 Hotelzimmer anbieten, nur geringfügig mehr als Manhattan“, meint Dieter Schmid, Geschäftsführer der Vision SF GmbH. Allerdings: Anders als die etablierten Emissionshäuser, die in Indien auch kein eigenes Know-how vorweisen können, verzichtet der SF Indien Hotel 1 auf einen heimischen Projektpartner. Auf alle Nutzungsarten setzt neben der DCM auch Sachsenfonds. „Neben regionaler Streuung gehört zur optimalen Diversifizierung auch solche nach Nutzungsarten“, meint Jürgen D. Göbel, Geschäftsführer von Sachsenfonds GmbH.

Indien galt lange als ein schlafender Riese, der jetzt nach schrittweiser Deregulierung und Öffnung Mitte der neunziger Jahre endlich zum Leben erwacht. Erst im Jahr 2005 wurden erstmals Auslandsinvestitionen in indische Immobilienprojekte zugelassen. Ausländer dürfen keine Bestandsimmobilien erwerben, sondern sich nur in neu zu errichtenden Gebäuden engagieren. Die Indienfonds investieren daher in Projektentwicklungen, verfolgen dabei aber unterschiedliche Konzepte. „Unsere Investitionsphilosophie besteht darin, in einem frühen Zeitpunkt zu investieren, um die gesamte Wertschöpfungskette zu nutzen“, meint Fariba Peykan, Konzeptionärin des DCM Fonds Indien 1. MPC und Sachsenfonds steigen teilweise in einem späteren Entwicklungsstadium ein und müssen höhere Preise zahlen.

Diese Strategie hat allerdings auch gewisse Vorteile. Der MPC-Fonds kann mit einer kürzeren Laufzeit aufwarten. Außerdem verweist MPC-Geschäftsführer Manke auf die höheren Vermietungsquoten während der Bauphase. Zum Teil wird das Image eines Blind Pools vermieden. Die Planungsrisiken werden bei dem DCM-Fonds klein gehalten, weil erst investiert wird, wenn die Eigentumsrechte geklärt und die Genehmigungen vorliegen oder mit großer Sicherheit zu erwarten sind. Es fehlen nicht nur Wohnungen, Büros, Shopping Malls und Hotels, auch die Infrastruktur stellt das Land vor große Herausforderungen. „Neben dem mangelhaften Verkehrsnetz steht einem noch stärkeren Wachstum in Indien auch die unterentwickelte Stromversorgung entgegen“, erläutert Norman Lemke, Vorstand der RWB AG, die als bisher einziger Anbieter in Deutschland mit dem Special Markets Infrastructure India 1 eine Investmentmöglichkeit in die indische Infrastruktur anbietet.

Auch König & Cie. hat Indien im Visier. „Geplant ist längerfristig ein Immobilienfonds“, erläutert Tobias König, geschäftsführender Gesellschafter König & Cie. GmbH & Co. KG. Zwei Projekte seien bereits angestoßen worden. Auch über Schiffs- und Private Equity Fonds wird nachgedacht. Doch gesteuert werden sollen diese Aktivitäten durch Inder, die in einer Tochterfirma von König & Cie. in Mumbai tätig sind.

Gemeinsam ist allen Immobilienfonds, dass sie über Zwischengesellschaften auf Mauritius investieren, die die Vorteile des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Mauritius und Indien nutzen. Ob diese auf Dauer erhalten bleiben, ist indes ungewiss. Zudem können Anleger, die sich schnell entscheiden, noch einen Steuervorteil in Deutschland nutzen. Wer vor dem 31.12.2009 zeichnet, bleibt von der Abgeltungssteuer befreit, wenn er nicht mehr als 1 % am Fonds hält. Danach greift die Abgeltungssteuer. Aber das wird wohl kaum ein Jahresendfieber erzeugen, wie es früher in den Zeiten der Verlustzuweisungen grassierte. Dieser Vorteil soll werblich nicht besonders herausgestellt werden.

(Dr. Leo Fischer)


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