Känguru hilft den Initiatoren auf die Sprünge
Infrastrukturfonds – ein neuer Trend?
Nach dem gigantischen Platzierungserfolg der ersten Infrastrukturfonds der australischen Macquarie Bank erwacht auch die deutsche Fondsbranche.
Vor diesem Hintergrund ist es schon verwunderlich, dass eine Bank aus der Heimat der Kängurus der deutschen Fondsbranche den Weg zu einer neuen Fondskategorie weisen musste. Es war die australische Macquarie Bank, die im Jahr 2005 den ersten geschlossenen Infrastruktur-Publikumsfonds auf den deutschen Markt brachte. Im letzten Jahr folgte der Infrastrukturfonds 3, der ein Riesen-Platzierungserfolg wurde. „Mit 694 Mio. Euro platziertem Eigenkapital schaffte die Bank fast aus dem Stand heraus den Sprung auf Platz drei unter den deutschen Emissionshäusern geschlossener Fonds“, konstatiert Analyst Stefan Loipfinger. Und das mit einem einzigen Fonds. „Es war der größte Fonds aller Zeiten“, so Loipfinger. Dabei hat der Analyst, der alljährlich die Platzierungszahlen für die in Deutschland angebotenen Beteiligungsmodelle ermittelt, die 50 Mio. Euro, die in Österreich gezeichnet wurden, konsequenterweise gar nicht mitgerechnet. Geld für Infrastrukturfonds locker zu machen, scheint also durchaus möglich zu sein.
Und der Bedarf ist riesig: Die Weltbank schätzt, dass allein die Schwellenländer in den nächsten vier Jahren jährlich rund 465 Mrd. Dollar für Infrastrukturinvestitionen wie Autobahnen, Straßen, Eisenbahnlinien, Tunnel, Pipelines sowie den Ausbau der Häfen investieren müssen. Credit Suisse hat errechnet, dass weltweit in den nächsten fünf Jahren 1,5 Bio. US-Dollar für den Aufbau der Infrastruktur in den Emerging Markets und in die Modernisierung und Verbesserung der Infrastruktur in den Industrieländern benötigt werden.
Das Beispiel Deutsche Bahn zeigt derzeit ganz nachdrücklich, welche Folgen es hat, wenn notwendige Investitionen in Infrastruktur nicht rechtzeitig vorgenommen werden. Diese könnten auf die öffentliche Hand zurückfallen, wenn die Deutsche Bahn ohne das Schienennetz an die Börse gebracht würde. Die Entscheidung darüber ist immer noch offen. Mit dem Thema Infrastruktur beschäftigen sich nun auch die deutschen Initiatoren geschlossener Fonds, nachdem die Banken schnell mit Infrastrukturzertifikaten auf den neuen Trend aufsprangen. Eine ganze Flut von Infrastrukturzertifikaten ist in den letzten Wochen und Monaten erschienen. Rothmann & Cie., eigentlich ein Emissionshaus für geschlossene Fonds, legte ein Wasserzertifikat auf. Die FAZ spricht von einem neuen Megatrend. Im März brachte die britische 3i Group, die größte börsennotierte Private Equity Firma, erstmals einen kürzlich aufgelegten Infrastrukturfonds an die Londoner Börse. Die 3i Group hat bereits mehrere Investitionen in Infrastruktur getätigt, die sie in den auf der Kanalinsel Jersey beheimateten Fonds einbringen wird. Dazu zählen AWG, die Dachgesellschaft des englischen Wasserversorgers Anglian Water, der über mehr als 4 Mio. Wasser- und knapp 6 Mio. Abwasserkunden, Krankenhäuser in England und Schulen in Schottland verfügt. Zum Thema „Infrastrukturfonds als neue Assetklasse“ hatte die Dr. Zitelmann GmbH Initiatoren geschlossener Fonds zu einer Sonderveranstaltung nach Hamburg eingeladen. Und sehr viele kamen. Auf der Teilnehmerliste standen Vertreter von BAC, Bankhaus Wölbern, Blue Capital, BVT, CFB, Fondshaus Hamburg, HGA, HCI, Hannover Leasing, IVG Immobilien- Fonds, LHI, Lloyd Fonds, Macquarie Bank, MPC und Nordcapital. Infrastruktur interessiert viele Initiatoren, wenn auch nur HPC derzeit einen konkreten Fonds in der Pipeline hat (siehe Kasten). Und für institutionelle Anleger gibt es schon längst zahlreiche Infrastrukturfonds, sie sind auch die möglichen Zielfonds für die Publikumsfonds.
Marktführer ist weltweit die australische Macquarie Bank, die 1969 als Niederlassung von Hill Samuel gegründet wurde. In 28 Fonds managt das Unternehmen mehr als 25 Mrd. Euro Eigenkapital. 102 Investments wurden vorgenommen. Darunter die Flughäfen von Birmingham, Rom, Brüssel, Kopenhagen, Adelaide und Sydney. Die börsennotierten Infrastrukturfonds der australischen Bank brachten zwischen 1994 und 2006 eine jährliche Rendite von 19,4 %.
Aber auch beim Marktführer gehen nicht alle Renditeerwartungen auf, so beim Warnowtunnel. Dieser 790 Meter lange, vierspurige Tunnel verbindet im Norden Rostocks die beiden Ufer der Warnow miteinander. Es ist die erste mautpflichtige privatwirtschaftlich betriebene Fahrstrecke in Deutschland für den Durchgangsverkehr. Finanziert wurde der Tunnel durch das französische Bauunternehmen Bouygues Travaux Publics S.A., das den Tunnel errichtete, und die Macquarie Infrastructure sowie ein Bankenkonsortium. Doch es fuhren weit weniger Autos durch den Tunnel als erwartet. Um die Pleite der Betreibergesellschaft bzuwenden, wurde im Juni 2006 der Betreibervertrag auf 50 Jahre verlängert (vorher 30) und zum Jahreswechsel 2006/2007 die Maut angehoben. Theoretisch ist der Bedarf an öffentlichen Investitionen, die von privaten Firmen durchgeführt werden, immens. Gleichwohl herrscht ein Mangel an konkreten Projekten. Die Folge: Die Investoren reißen sich um die attraktiven Geschäfte, wie dies beim Bietergefecht um Techem zu sehen war, bei dem Macquarie den Kürzeren zog. Der harte Wettbewerb um attraktive Infrastrukturprojekte treibe die Preise in die Höhe, warnte unlängst die Ratingagentur Standard & Poor's. Die Ratingexperten sehen darin Hinweise auf eine Spekulationsblase.
Auf der anderen Seite bieten Infrastrukturprojekte, wenn sie sich zum Zeitpunkt des Einstiegs bereits in Betrieb befinden und in der Praxis bewährt haben, ein hohes Maß an Einnahmesicherheit. Es gibt selten Konkurrenz, weil es wenig Sinn macht, neben einer Wasserleitung eine zweite zu errichten. „Der Cashflow und damit die Ausschüttungen sind recht sicher zu prognostizieren“, meint Jürgen Raeke, Geschäftsführer der Berenberg Private Capital, die bereits den Macquarie- Infrastrukturfonds 1 mit platziert hat.
(Dr. Leo Fischer)







