Abkehr vom Steuersparvehikel
Interview mit Konsul Dieter F. Kindermann
Die Wohnimmobilie als Kapitalanlage hat ihren Status als Steuersparanlage verloren. Doch mit welcher Perspektive funktioniert heute noch der Vertrieb dieser Anlageform, die bei Anlegern zumindest einen Vertrauensvorschuss genießt? FINANZWELT sprach mit Konsul Dieter F. Kindermann, Vorstandsvorsitzender der Fortissimo Immobilien- Handelshaus AG der die Geschichte der Immobilie seit mehr als zwanzig Jahren kritisch begleitet.
FINANZWELT: Wie schätzen Sie die Entwicklung des Wohnimmobilienmarktes ein, Herr Kindermann?Kindermann: Der Vertriebsmarkt für „Steuerspar- immobilien “im Bereich Wohnimmobilien war früher ein „Selektivmarkt “.Zumindest bis 1994 und auch 1995 war es Usus, dass Kunden ein oder zwei ETWs –oder auch mehr –erwarben, um Ihrer Altersversorgung ein zusätzliches (!)Gewicht zu geben. Dann kam die Steuereuphorie,50 %,40 %, 25 %und ein Marktgeschehen, wie es aus heutiger Sicht bestätigt schlimmer nicht sein konnte. Es wurde am Bedarf vorbei produziert und gekauft. Einzubringende Eigenmittel waren unüblich geworden. Im Prinzip war und ist Wildwuchs entstanden. Wir wissen auch, dass durch den Wildwuchs in den Gemeinden bis hin zu den Ländern und damit der Bundesfinanzkasse große Schäden entstanden sind. Das Desaster als Folgeerscheinung zur Wiedervereinigung ist ein schwerer Schlag. Heute können wir uns getrost zurücklehnen –und zwar die, die entsprechende Qualität besitzen –und können wieder bedarfsgerecht verkaufen. Bedarfsgerecht heißt, dass der Erwerber tatsächlich eine zusätzliche Altersversorgung aufbauen möchte, dass er entsprechende Eigenmittel besitzt und die Risiken kennt. Jedes Geschäft birgt Risiken, so war es früher und so ist es heute. Bedingt durch den enger werdenden Wohnungsmarkt besteht eine große Chance wieder bedarfsgerecht zu akquirieren. Die Fortissimo Immobilien- Handelshaus AG hat den Vorteil zu bieten, dass Immobilien unter üblichem Normalpreis angeboten werden. Die Einschätzung für 2003 ist aus unserer Sicht positiv. Wir werden mehr absetzen als 2002.
FINANZWELT: Welche Entscheidungen führen zum Erwerb einer Immobilie?
Kindermann: In der richtigen Lage, versehen mit dem richtigen Bedarf, ist eine Entscheidung, eine Immobilie zu erwerben, immer dann richtig, wenn man weiß, was man tut. Da, wo es Probleme gibt, das wissen wir alle, handelt es sich nicht um die 93 %,die vernünftig verlaufen, sondern um die Spitzen aus den 7 %und deren Schwierigkeiten, wie z.B. Leerstände, finanzielle Probleme, schlechte Mieterschaft etc. Wie bei jedem Wirtschaftsgut ist zur Entscheidung eine entsprechende Begleitung und Prüfung notwendig.
FINANZWELT: Was zeichnet denn dann eine Premiumimmobilie aus?
Kindermann: Eine Premium-Immobilie hat nichts zu tun mit Alsterlage, Sylt, München oder Stuttgart, sondern mit angepasstem Bedarf. Meine Tochter Martina,Stewardess,29 Jahre alt, fährt seit 9 Jahren einen „Premium-Polo “.Mit diesem Autochen, übrigens ein Coupé, hat sie mittlerweile fast 230.000 km zurückgelegt. Für sie war und ist die Entscheidung, einen Polo, zumal vom Papa geschenkt, zu haben genau die richtige. Preis-Leistung müssen stimmen und Merkmale wie Preis-Leistung beinhalten alle Qualitätsmerkmale an sich.
FINANZWELT: Welche Strategie wählt Ihr Haus?
Kindermann: Die Fortissimo Immobilien-Handelshaus AG erwirbt die Effectiv Finanzpartner GmbH und damit neben den 2.500 Aktionären, die es zu betreuen gilt,ca.26.900 neue Kunden. Weitere kleine Finanzdienstleister sollen aufgenommen werden. Gut betreute Finanzdienstleistungskunden, die eine entsprechende Betreuung erhalten, sind die Grundlage für gute, bedarfsgerechte Immobilienabschlüsse. Die Strategie heißt also: Bedarf ermitteln und entsprechend beraten.
FINANZWELT: Welchen verkäuferischen Rat möchten Sie Immobilienvermittlern heute geben?
Kindermann: Der verkäuferische Rat der Fortissimo Immobilien-Handelshaus AG für alle Mitbewerber lautet:„Verkauft bedarfsgerecht, verkauft ehrlich, nehmt Abstand von zu hohen Provisionsgelüsten – der Kunde zahlt!!– und schaut mit dem zu beratenden Kunden in die gemeinsame Zukunft. Der Kunde muss nicht zu jung und nicht zu alt sein, er muss das Risiko kennen und sich damit identifizieren.
Interview von Michael Oehme
(Michael Oehme)







