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Investieren in den Mittelstand, aber wie?

Investoren haben erkannt, dass es sich bei Mittelstandsfonds, die „komplementäres Kapital“ – d.h. Beteiligungs-, Private Equity-, Mezzanine-, VC-Kapital – einsammeln, um ein in mehrfacher Hinsicht lohnendes Investment handelt. Am Ende wird sozusagen in die eigenen Arbeitsplätze oder die der Kinder investiert. Nicht zuletzt deshalb weil 98 % der Arbeitsplätze in Deutschland vom Mittelstand angeboten werden, und das mit steigender Tendenz. Täglich kann man lesen, dass Großunternehmen Tausende oder gar Zehntausende Arbeitsplätze streichen, neue Arbeitsplätze entstehen überwiegend im Mittelstand. Außerdem ist die Rendite im Verhältnis zum Risiko stimmig, wenn man wesentliche Informationen, z.B. die Ratings der Beteiligungsfonds oder der Zielunternehmen, zur Kenntnis nimmt und richtig auswertet.

Den kompletten Artikel einschließlich Graphiken finden Sie im Anhang - downloads - unter "kompletter Beitrag von Hans J. Loges".

Komplementäres Kapital von Beteiligungsfonds. Ist das Anlagekapital oder ein nennenswerter Teil davon bei den Investoren eingesammelt, stellt sich für den Fonds sofort die Frage, in welche konkreten Unternehmen investiert werden soll. Dazu hat sich folgende Systematik in der Praxis herausgebildet:

1. Fondskonzept
Im Fondskonzept werden die so genannten Investitionskriterien mehr oder weniger spezifisch oder auch bewusst auslegungsfähig definiert. Hier wird festgelegt, in welche Art von Unternehmen investiert wird – z. B. in Unternehmen, die Produkte und Leistungen für regenerative Energien herstellen oder in den traditionellen Mittelstand wie das verarbeitende Gewerbe – und mit welchen Finanzierungsinstrumenten. Blindpool-Konzepte sind ebenso möglich wie die Einzelunternehmensinvestition. Einen anderen Ansatz verfolgen VC- Fonds (Venture Capital). Hier wird in Unternehmen mit überdurchschnittlichen Entwicklungspotenzialen in einer frühen Entwicklungsphase investiert, um an dem zu erwartenden überproportionalen Wertzuwachs teilzuhaben. Weitere Merkmale für Zielunternehmen sind die Größendefinitionen z.B. ab 10 Mio. € Umsatz oder bis zu 1.000 Mitarbeitern, oder regionale Definitionen wie Firmensitz in Deutschland oder darüber hinaus Österreich, Schweiz usw. Eine wichtige Frage ist die Zukunftsfähigkeit, Bonität bzw. wirtschaftliche Verhältnisse. Einige Fonds definieren ein Mindestrating z.B. von BB oder B mit positivem Ausblick. Diese Festlegungen dienen dazu, der Anlage ein deutliches Profil zu geben und gleichzeitig die Homogenität der Prozesse, die für die Effektivität in der Investitionsphase so wichtig sind, sicherzustellen.

2. Zielunternehmen
Mit diesem Profil der Zielunternehmen müssen nun aus ca. 3 Mio. mittelständischen Unternehmen die in Frage kommenden gefunden werden. Derzeit wird im Rahmen einer empirischen Studie der Universität Augsburg am Lehrstuhl für Finanz- und Bankenwirtschaft unter Professor Dr. Manfred Steiner ermittelt, wie der Zugang zu so genannten komplementären Finanzierungsmitteln durch den Mittelstand zu bewerten ist.
Es ist nicht erstaunlich, dass der Informationsstand des Mittelstands insgesamt eher niedrig ist, weil in der Vergangenheit derartige Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand nicht angeboten wurden und schwerpunktmäßig die Kreditfinanzierung über Banken überwog.
Auch der Zugang zu Finanzmitteln über externe Finanzberater ist mit 20 % eher dürftig ausgebildet. Es recherchieren immerhin fast 30 % nach Angeboten und Anbietern und über 40 % informieren sich über die Fachpresse. Hier erkennt man ein weites Feld für Finanzberater, Wirtschaftsverbände und für die Fachpresse. Der Aufklärungsbedarf kann über die Medien sowie Fachkongresse und Info-Veranstaltungen gedeckt werden.
Die Wahrnehmung der Fonds als Anbieter von „komplementärem Kapital“ steht noch ganz am Anfang mit weniger als 20 %, Beteiligungsgesellschaften werden fast doppelt so häufig genannt, obwohl die Übergänge hier fließend sind. Dies deckt sich mit den Erfahrungen von Fondsgesellschaften und Initiatoren, deren Aufwand, die Zielunternehmen zu finden bzw. zu akquirieren, regelmäßig unterschätzt wird. Andererseits kann eine systematische Identifizierung bei einem möglichst klaren Profil die potenzielle Zielgruppe deutlich eingrenzen.

3. Identifikation
Ist der Kontakt mit passenden Zielunternehmen erst mal aufgenommen, so stellen sich zwei Fragen: Erfüllt das Unternehmen die spezifischen Investitionskriterien? ist die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens so gut, dass der Fonds das Geld seiner Anleger guten Gewissens in dieses Unternehmen investieren kann? Die Frage nach der Zukunftsfähigkeit beantwortet das Rating des Unternehmens. Hier wird der Status quo festgestellt in Bezug auf das Geschäftsmodell, das Management und die HR, nach Markt und Produkten, Prozessen und natürlich Finanzen. Unternehmen die sich in einem Übergangsstadium befinden z.B. in einer Restrukturierung, Neuausrichtung bei Markt und Produkten, Änderung beim Management und Leistungsträgern können ein so genanntes konditionales Rating erhalten. Das bedeutet, dass die Bewertung erst Gültigkeit hat, wenn bestimmte, konkret definierte Ergebnisse erreicht sind (z.B. Umsatz- oder Ertragsziele, Kapitalzufuhr usw.). Eine weitere Ratingaussage ist das so genannte Postmoney-Rating. Mit der Prämisse einer eingeplanten Kapitalzufuhr verbessert sich in der Regel die Rating Bewertung.

4. Entscheidung
Wichtig für den späteren Erfolg und die Performance der Anlage ist der Entscheidungsprozess:
Soll der Fonds in dieses Unternehmen investieren oder nicht? Bei einigen Fonds wurde neben der Forderung einer Mindest-Notation, zum Beispiel BB oder B+, ein unabhängiger und fachlich qualifizierter Anlageausschuss eingerichtet. Bei anderen entscheidet der Fondsmanager. Dies ist akzeptabel, wenn er selbst mit maßgeblichem Kapital am Erfolg des Investments beteiligt ist. Ergeben sich bei einem Fonds im Laufe der Investitionsphase mehr als ca. 30 Investments in unterschiedliche Unternehmen, wird ein Portfolio-Rating nötig. Damit lässt sich feststellen, wie das Gesamtrisiko des Portfolios zu bewerten ist und in welche weiteren Typen von Unternehmen investiert werden kann. Die Portfoliotheorie besagt, dass möglichst voneinander unabhängige Unternehmen ausgewählt werden sollen, zum Beispiel unterschiedliche Wirtschaftszweige, Branchen, Größenklassen und Regionen mit verschiedenen Zielmärkten etc., um das Gesamtrisiko geringer zu halten als das Einzelrisiko eines Investments.

5. Timing
Zunächst stellt sich die Frage, wie schnell und in welchen Tranchen das Geld der Anleger dem Fonds zufließt. Dauert es zum Beispiel 2 bis 3 Jahre, bis eine hinreichende Größe von mehreren Mio. Euro eingesammelt wurde, entwickelt sich der Fonds in diesen Jahren defizitär und muss eine entsprechende Durststrecke durchstehen. Üblicherweise wird das Kapital nach Abzug der Kosten in festverzinsliche Papiere „zwischengeparkt“. Dadurch entsteht zwar kein Risiko, aber die Verzinsung ist mit 2,X bzw. 3,X % sehr gering und steht somit im Konflikt mit den Renditeprognosen des Fonds gegenüber den Anlegern. Auch für die Unternehmen, in die investiert wird, ist die Frage nach dem Zeitpunkt und die Konstruktion des Mittelzuflusses erfolgsentscheidend. Geht zum Beispiel am Jahresende (Dezember) eine Größe von eine, zwei bzw. mehreren Mio. Euro dem Unternehmen zu und muss diese ggfls. als außerordentlicher Ertrag gebucht werden, dann ist der Kapitalzufluss steuerpflichtig und ca. die Hälfte fließt an den Fiskus. Dies gilt für den Fall, dass keine verrechenbaren Verlustvorträge gegengerechnet werden können und das Unternehmen im lfd. Jahr profitabel ist. In unprofitable Unternehmen zu investieren ist ohnehin nicht zu empfehlen. Einige Fonds umgehen diese Problematik durch eine eigens hierzu errichtete Zweckgesellschaft oder durch spezielle Leistungskonzepte. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Frage der Laufzeiten. Dabei spielt die Laufzeit des Fonds und die Dauer der Investition in das oder die Unternehmen eine wichtige Rolle.

Informationen
Die Beteiligung in den deutschen Mittelstand ist eine interessante und zukunftsträchtige Angelegenheit für Anleger wie Initiatoren, Fondsmanagementgesellschaften und Zielunternehmen und damit letztendlich volkswirtschaftlich relevant. Minister Peer Steinbrück hat u.a. angekündigt, dass Kosten für Kapitalzinsen nicht mehr voll von den Erlösen abgezogen werden können. Damit ergäben sich neue Herausforderungen und es müsste über Lösungsansätze nachgedacht werden.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie sowie eine systematische Zusammenstellung der komplementären Finanzierungsmethoden von Beteiligungsfonds für den Mittelstand stellt die FINANZWELT vor am 01.12.2006 in Kooperation mit der Rating Services AG im Rahmen einer eintägigen Experten-Konferenz im Haus der Bayerischen Wirtschaft, München. Detailinformationen und Anmeldung unter www.rating-services.de

(Hans J. Loges)


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