Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Banken geben wieder Kredit

Investment-Konjunkturen

Der Aufschwung scheint sehr solide angelegt, wie die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung der Bundesbank für 2006 zeigt. Der von uns vor einem Jahr gehegte vorsichtige Optimismus (siehe FW 04/06) wird jetzt durch harte Zahlen gerechtfertigt. Vor allem bei den Banken wird die Gesundung deutlich: Sie haben erstmals seit 2001 netto wieder einen positiven Beitrag zur Unternehmensfinanzierung gebracht.

Zur Erinnerung: Von 2002 bis 2005 haben die Banken netto jeweils Geld aus den Unternehmen herausgezogen. Die Unternehmen wurden in vier aufeinander folgenden Jahren rechnerisch mit insgesamt 99,6 Mrd. Euro zur Finanzierung der Banken herangezogen. Man muss wohl bis zur Welt- wirtschaftskrise der frühen 30er Jahre zurückgehen, um in den Statistiken eine vergleichbare Konstellation zu finden.

Die allseits beklagte Investitionsschwäche hatte hier natürlich eine ihrer zentralen Ursachen: Wenn die Banken als Finanziers ausfallen, werden Investitionen überschaubar. Daher schafften in diesen Jahren die privaten Haushalte praktisch ausschließlich durch die Häuslebauerei jeweils höhere reale Nettoinvestitionen als die Unternehmen. Das ist umso bemerkenswerter, als in diesen Jahren ja auch nicht gerade ein heiß laufender Bauboom bemerkt wurde. Vor diesem Hintergrund ist die Nachricht, dass die Banken 2006 den Unternehmen tatsächlich wieder netto gut 15 Mrd. Euro zur Verfügung stellten, wohl das Beste am Bericht der Bundesbank. Allerdings ist die positive Entwicklung ausländischen Adressen geschuldet, die dem Inland zugerechneten Banken sahen auch 2006 eine Schrumpfung ihres Bestands an Unternehmenskrediten um etwas mehr als 8 Mrd. Euro. Das könnte allerdings ein rein statistischer Effekt sein, weil Unternehmenskredite häufiger über die Banktöchter in Dublin, London oder Luxemburg abgewickelt werden. An der Kernbotschaft „es gibt wieder Finanzierung“ ändert sich daher nichts. Die Nettoinvestitionen der Unternehmen (Bruttoinvestitionen minus Abschreibungen) sind denn auch um rund 50 % von knapp 30 auf rund 45 Mrd. Euro angesprungen.

Und positive Nachrichten finden sich auch bei den privaten Haushalten: Die für die Krisenjahre 2002-2005 erkennbare Bargeldwelle läuft aus. Gerade noch gut 11 % der verfügbaren Mittel (finanzielle Ersparnis plus Transfer plus Kredit) blieben im Bargeld stecken. Zum Vergleich: 2002 betrug diese Quote 60 %. Das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass das Angstsparen abflaut und sich die finanzielle Ersparnis durch entsprechende
Investitionen wieder weitgehend auch in reale verwandelt.

Schwäche der Investmentfonds. Eine für die Finanz- dienstleister vertrieblich wichtige Nachricht liegt bei einer anderen Zahl: minus 8,4 Mrd. Euro. Das ist der Negativsaldo 2006 für den Absatz von Investmentfonds bei den privaten Haushalten. Genau genommen heißt das: Der Wert, der von den Haushalten zurückgegebenen Anteile lag um 8,4 Mrd. Euro höher als der Wert der neu angeschafften. Wer das Jubelgeschrei des Branchenverbands BVI noch im Ohr hat („Bestände erreichen neuen Rekord“), wird sich hier die Augen reiben. Es spricht allerhand dafür, dass diese Diskrepanz auf unterschiedliche Abgrenzungen zurückzuführen ist: Bezugspunkt der Bundesbank-Statistik ist der Sektor „private Haushalte“, wo dann nur die direkt gehaltenen Anteile auftauchen. Demgegenüber schaut der Branchenverband auf das von den Kapitalanlagegesellschaften insgesamt verwaltete Volumen, also einschließlich der für institutionelle Anleger gehaltenen Spezialfonds. Die für den freien Vertrieb interessante Zahl kommt in diesem Fall also von der Bundesbank, weil sie direkt etwas über die private Kundschaft aussagt.

Ein Vergleich mit anderen Anlagen wie Lebensversicherungen deutet an, wie viel Potenzial hier noch gerade für denn freien Vertrieb zu realisieren ist. Ganz offensichtlich haben es die Lebens - versicherer sehr viel besser verstanden, ihre Zuflüsse zu verstetigen mit einer Schwankungsbreite von etwa über 20 Mrd. Euro. Demgegenüber liegen die Investmentfonds mit einer Schwankungsbreite von über 60 Mrd. in einer anderen Klasse. Die bei den Versicherungen sichtbaren Schwankungen zeigen aber auch, dass die relative Stetigkeit nicht allein auf das Produkt selbst zurückgeführt werden kann. Der Rückgang von 44 Mrd. 1999 auf weniger als die Hälfte mit 18,3 Mrd. 2002 ist ja auch schon eine heftige Bewegung. Offenbar gibt es da einen Betreuungsund Beratungsbedarf bei der Kundschaft, den die Versicherer nicht zuletzt auch zum eigenen Vorteil besser befriedigt haben, als es den KAGs mit ihren Investmentanteilen gelungen ist. Vor allem zum aktuellen Rand hin schneiden die Investmentfonds in den Augen der Endkundschaft offenbar sehr schlecht ab: In den letzten drei Jahren gab es zwei negative Salden und einen kumulierten Zufluss von weniger als 10 Mrd. Euro. Demgegenüber haben die Lebensversicherer fast 75 Mrd. in einem ziemlich gleichmäßigen Strom auf ihre Konten bekommen. Da könnte sich ein negativer Trend etablieren. In jedem Fall zeigt sich, dass die KAGs bisher vor allem im Geschäft mit den institutionellen Anlegern brillieren. Der Umgang mit den Endkunden gehört dagegen eindeutig nicht zu den Stärken der Fondsanbieter. Das zwischen den Zahlen aufscheinende Manko der Investmentfondsanbieter wäre sicher durch eine stärkere Kooperation mit den freien Vertrieben anzugehen. Eine Vertriebs- und Beratungsstruktur wirkt aber nur dann stabilisierend, wenn es nicht gegen ihr eigenes Interesse an Provisionen verstößt, wenn der Rat zum Wohl des Kunden lauten muss: „Kein Umsatz, weil der einfache Vollzug abgeschlossener Verträge die beste Lösung ist.“ Benötigt wird dazu freilich eine stärker beratungs- und weniger umsatzorientierte Vergütung des Vertriebs.

(MARTIN KLINGSPORN)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: