Meinungen für das Jahr 2004
> Hans-Peter Clodius, AM Generali Invest
Der wirtschaftliche Aufschwung des vergangenen Jahres wird sich weit in das Jahr 2004 hinein fortsetzen. Der Ertrag auf Aktien sollte daher aufgrund stark wachsender Unternehmensgewinne erneut positiv ausfallen. Vor allem in der ersten Jahreshälfte kann mit Kursgewinnen im zweistelligen Prozentbereich gerechnet werden. In der zweiten Jahreshälfte erwarten wir eine nachlassenden Wirtschaftsdynamik, die aller Voraussicht nach zu einer moderaten Konsolidierung an den Aktienmärkten führen wird.
> Thorsten Schrieber, Dr. Jens Erhard Kapital AG
Für den Börsenverlauf 2004 gibt es eine Reihe von Punkten, die eine eher schwierige Entwicklung andeuten. Zwar sind insbesondere die Bemühungen über Restrukturierungsmaßnahmen auf staatlicher Seite das Konsumverhalten der privaten Haushalte zu stützen forciert worden, aber viele Maßnahmen erfolgen eher halbherzig. Die Unternehmen waren hier größtenteils erfolgreicher, stehen aber mittlerweile vor der Tatsache eines stark schwächelnden US-Dollars und das trifft natürlich den Exportweltmeister Deutschland (Handelsbilanzüberschuss EUR 135 Mrd.) besonders hart. Was bleibt dann noch als interessante Investmentalternative? – Aus unser Sicht ist es für einen deutschen bzw. europäischen Investor immer gut, auch im Euro-Währungsraum schwerpunktmäßig investiert zu sein. Wir fokussieren uns auf mittelgroße, substanzstarke Aktien bzw. Aktien mit hoher Dividendenrendite.
> Manuela Fröhlich, F&C Management Ltd.
Die Verbesserung der Weltkonjunktur dürfte Aktienanlagen im Jahr 2004 eine gute Wertentwicklung ermöglichen. Wir favorisieren dabei Aktien aus den USA und den Emerging Markets. Nach dem hervorragenden Jahr 2003 muss jedoch mit niedrigeren Zuwächsen gerechnet werden, da die Marktbewertungen nicht mehr sehr billig sind. Unser Anlageschwerpunkt liegt dabei auf konjunkturabhängigen Aktien. Anlagen in Staatsanleihen schätzen wir als relativ uninteressant ein, da die Zinsen weiter ansteigen dürften.
> Hans-Jürgen Schäfer, Federated
Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft befindet sich seit dem dritten Quartal 2003 wieder auf dem Erholungspfad und die Unternehmensmeldungen deuten auf eine Belebung der Investitionsbereitschaft hin. Wir erwarten eine Fortsetzung des wirtschaftlichen Aufschwungs in den USA und eine zunehmende Belebung in Europa. Die Zinsentwicklung sollte dem Wachstumstrend folgen und nach oben weisen. Aktien sollten 2004 Bonds schlagen.
> Kerstin Behnke, GartmoreNachdem das US-Konsumklima auf den höchsten Stand seit dem Boomjahr 2000 gestiegen ist und die Industrieproduktion kontinuierlich steigt, rechnen unsere Strategen in diesem Jahr mit einem US-Wachstum von hochgerechnet 8 %. Dies sollte auch für positive Impulse an den Börsen Europas und den Schwellenländern sorgen.
> Bob Torkelund, Griffin
Wir glauben bei Griffin, dass die etablierten Märkte nicht besonders aufholen werden in 2004 – rein ökonomisch und wirtschaftlich. Insbesondere Europa wird Schwierigkeiten haben, weil Arbeitsplätze in Richtung Osten und Asien verschoben werden. Wir glauben, dass Europäische Märkte weiterhin seitwärts gehen - es sei denn, es ergeben sich große positive oder negative Ereignisse in der Welt - Amerika kann aufgrund der Korrelation vielleicht Europa etwas mitziehen, aber die Steigerung wird etwas höher in den USA eingeschätzt als in Europa, ohne dass es zum signifikanten Höhenflug kommen wird.
> Thorsten Querg, Henderson Global Investors
Völlig entgegen der herrschenden Meinung entwickelte sich das Jahr 2003 zu einem sensationell guten Börsenjahr. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt, aber trotz der großen Kursgewinne in 2003 ist wohl das Grundvertrauen der Anleger nach wie vor beschädigt. Die größten Möglichkeiten sehen wir an den Aktienmärkten in Asien und in Japan. Europa als sicheren Hafen würden wir übergewichten und USA untergewichten. In den USA wird sich nach unserer Einschätzung das überdurchschnittliche Wachstum abschwächen, da dies in erster Linie eine Folge der Steuersenkungen und der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten durch niedrige Zinsen war. Wenn auch die Erholungstendenzen zunächst sichtbar bleiben, stellt sich doch die Frage nach der Nachhaltigkeit dieses Wachstums.
> Markus Stillger, Hornblower Max-Value
Nachdem der deutsche Aktienmarkt im Jahr 2003 zum ersten Mal in diesem Jahrtausend eine positive Performance gezeigt hat, glauben wir an eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Dieser wird jedoch immer wieder durch wechselnde Belastungsfaktoren auf die Probe gestellt. Neben einem weiter schwächelnden US-Dollar könnten in der 2. Jahreshälfte moderat anziehende Zinsen für die eine oder andere dunkle Wolke am Börsenhimmel sorgen. Dafür, dass per saldo jedoch überwiegend die Sonne scheint, dürften vor allem deutlich steigende Unternehmensgewinne sorgen.
> Torben Gerber, HSBC Trinkaus & Burkhardt
2003 war ein Boomjahr für die Investmentbranche. Dennoch haben Anleger und Finanzvertriebe aus den vergangenen Jahren gelernt. Wir glauben, dass sich Fonds-Produkte immer stärker an den Märkten und den Interessen der Investoren ausrichten müssen. Insofern werden Hedge Funds-Produkte im Jahr 2004 auch für HSBC Trinkaus & Burkhardt ein großes Thema: Mit einem Zertifikat auf den prämierten HSBC Global Hedge Dachfonds nutzen wir die Expertise eines der weltweit größten Verwalter von Hedge Funds. Aber auch Emerging Markets wie z. B. Asien oder Südamerika sowie strukturierte Fondsprodukte werden unserer Meinung nach für Investoren an Bedeutung gewinnen. In diesen Bereichen sind wir bereits stark und wollen weiter Zeichen setzen.
> Michael Deeken, InvescoDas Jahr 2004 hat viel versprechend begonnen: viele Indices erreichten noch in 2003 Jahreshöchststände und der Trend scheint – noch – ungebrochen. Auch die Bewertung der Märkte scheint makroökonomisch durchaus fair, so dass sich insgesamt gesehen ein positives Bild abzeichnet. Wir sehen daher eine Belebung der Nachfrage nach Aktienfonds und werden insbesondere unsere europäischen Produkte entsprechend positionieren. Für den vorsichtigen Anleger empfehlen wir allerdings nach wie vor ein Engagement in Fonds mit Wertsicherung.
> Gerhard Grebe, Julius Bär Kapitalanlage AGDie Aktienmärkte dürften bis zum Frühjahr 2004 den positiven Trend aus dem letzten Jahr fortsetzen. Positive Konjunkturnachrichten sowie steigende Unternehmensgewinne bleiben weiterhin die Kurstreiber für die Aktien. Das Aktienumfeld verschlechtert sich ab Jahresmitte 2004, wenn die konjunkturelle Dynamik nachlässt sowie die US-Notenbank die Zinsen erhöht. Aktien dürften 2004 nochmals besser als Obligationen abschneiden.
> Carmen Weber, Metzler Investment GmbH
In 2004 wird das realwirtschaftliche Umfeld die Wertentwicklung von Aktien entscheidend beeinflussen. Der Wirtschaftsaufschwung auf breiter Basis dürfte zu überproportional steigenden Unternehmensgewinnen führen - und somit im Jahr 2004 zu weiteren Wertzuwächsen bei Aktien. Zudem rechnen wir damit, dass die Leitzinsen lediglich moderat steigen werden und dass sich die Zinsstrukturkurve im Verlauf von 2004 abflachen wird. In diesem Umfeld haben sich in der Vergangenheit die Kurse von Aktien in der Regel besser entwickelt als die von Renten. Das größte Kurspotenzial sehen wir bei Aktien aus der Euro-Zone, die davon profitieren dürften, dass sich die Konjunktur in dieser Region unseres Erachtens positiver entwickeln wird als derzeit viele Anleger erwarten.
> Henning Busch, Morgan Stanley Nach dem guten Jahr 2003 wird die Aktienanlage wieder im Vordergrund stehen. Der generelle Ausblick für die weltwirtschaftliche Entwicklung in 2004 bleibt unverändert positiv. Obwohl uns die Bewertung von Aktien in den USA ein wenig besorgt, glauben wir, dass die globale Aktien-Rallye noch einige Monate anhalten kann. Die langfristigen Zinsen könnten im Laufe des Jahres nach oben unter Druck kommen. Grundsätzlich sind wir daher positiv für Aktien und kurz laufende Anleihen. Insbesondere der Ausblick für europäische Aktien ist und bleibt gut. Die Bewertungen erscheinen im Vergleich zu Anleihen günstig und die Unternehmensgewinne verbessern sich. Einzige Gefahr stellt der hoch bewertete Euro dar.
> Gerold Hofmann, Münchner Kapitalanlage AG
Die Konjunkturdaten deuten weltweit auf ein freundliches Börsenklima hin. Auch für Deutschland wird in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum gerechnet, nachdem das BIP 2003 um 0,1 % geschrumpft war. Ein Fragezeichen steht allerdings hinter der anhaltenden Euro-Stärke und dem damit verbunden Druck auf die deutschen bzw. europäischen Exporttitel. Auch ein Abflauen des US-Wirtschaftswachstums im 2. Halbjahr könnte zu Spannungen an den Börsen führen. Insgesamt rechnen wir in den kommenden zwölf Monaten – im Vergleich zu 2003 – mit mehr kurzfristiger Volatilität an den Aktienmärkten.
> Ralph Prudent, Nomura Maintrust GmbH
Auch 2004 sollten asiatische Börsen wie im Vorjahr ihre Nase wieder ganz vorne haben. Die aufstrebende Wirtschaftsmacht China ist mit ihren hohen Wachstumsraten Konjunkturmotor für die gesamte Region. Wer aber nur im Reich der Mitte anlegt, geht unnötige Risiken ein und verzichtet auf Chancen. Denn die Sogwirkung, die von China ausgeht, erfasst nicht nur die ostasiatischen Nachbarländer, sondern die gesamte asiatisch-pazifische Region – einschließlich Australien und Neuseeland. Denn China braucht Infrastruktur. Die Nachfrage nach Rohstoffen ist deshalb enorm und muss durch Importe gedeckt werden. Bei vielen Rohstoffen ist das Reich der Mitte in den vergangenen Jahren zum größten Abnehmer geworden und spielt damit neben der konjunkturbedingt anwachsenden globalen Nachfrage nach Rohstoffen auch für Australien als Rohstofflieferant in der asiatisch-pazifischen Region eine entscheidende Rolle für die Preisbildung. Auch die asiatischen Nachbarn profitieren von Chinas Aufschwung.
> Matthias Urban, Oppenheim Prumerica
2004 wird ein Jahr des Übergangs vom liquiditäts- zum gewinngetriebenen Aktienmarkt. Aufgrund der weltweiten Erholung erwarten wir in den beiden ersten Quartalen positive Überraschungen bei den Unternehmensgewinnen. Dies könnte den DAX-30 bis auf 4.500 Punkte treiben. Allerdings dürften die Aktienmärkte im Jahresverlauf u.a. aufgrund von Zinssteigerungen in den USA in ein raueres Fahrwasser geraten. Daher fällt unsere Prognose zum DAX-Jahresendstand mit 4.200 Punkten verhaltener aus.
> Jaap van Duijn, Robeco Gruppe
Derzeit gehen die meisten Schätzungen von einem wirtschaftlichen Wachstum von 1,5 % für die großen Volkswirtschaften in Kontinentaleuropa aus. Wir meinen jedoch, dass Potenzial für ein Wachstum von 2 % oder sogar mehr vorhanden ist. Bei schwacher Konjunktur fallen Prognosen meist sehr vorsichtig aus, bei hoher Konjunktur oft zu optimistisch. Das Jahr 2004 wird jedoch das erste Jahr mit einem weltweiten, synchronen Wachstum seit 1999 sein. Deshalb erwarten wir, dass sich die Aussichten sowie die aktuellen Wirtschaftsdaten im Laufe des Jahres stetig verbessern werden. Ein gutes Stück dieser bevorstehenden Erholung hat der Aktienmarkt bereits vorweggenommen. 2004 könnte damit ein Jahr werden, in dem die Wirtschaft besser abschneidet als der Aktienmarkt. Also genau das Gegenteil der Verhältnisse in 2003.
> Michael Lock, Swissca Trotz der jüngsten Kursavancen erachten wir die internationalen Aktienmärkte nicht als überbewertet. Die jüngsten Gewinnschätzungen für den MSCI -Weltindex und das Finanzjahr 2004 bewegen sich knapp im einstelligen Bereich und lassen Raum für mehr positive als negative Überraschungen. Eine allfälllige Korrektur betrachten wir als Einstiegsmöglichkeit. Auf der Anleiheseite empfehlen wir eine durchschnittliche Duration, da die Zinskurven der wichtigsten Währungen noch immer steil sind.
> Murdo Murchison, Templeton Growth Fund
Nachdem das Jahr 2003 an den Märkten überraschend positiv verlaufen ist, sind die Perspektiven für 2004 ebenfalls optimistisch. Im Zuge der weltweiten Erholung steigt das Vertrauen der Investoren wieder, zumal die Unternehmensgewinne nach oben revidiert werden. Allerdings gibt es auch weiterhin Risiken, wie etwa den schwachen US-Dollar oder die hohe Verschuldung in den USA. In diesem Umfeld setzt Templeton konsequent auf die Auswahl unterbewerteter Einzeltitel.
> Tim Blackwall, UBSNach den starken Übertreibungen am Anfang des letzten Jahres, der anschließenden starken Kurserholung und dem Zinsanstieg sind weder bei Aktien noch bei Renten große Preis-/Wert-Divergenzen festzustellen. Aktien sind noch leicht unterbewertet. Von den Regionen her halten wir nach wie vor Europa für am attraktivsten. Allerdings gibt es bei den Aktien auch starke sektorale Unterschiede. So sind z.B. die Erwartungen, die sich in der Kursentwicklung der Technologieaktien widerspiegeln, recht hochgespannt. Wir können uns durchaus vorstellen, dass die Marktentwicklung im laufenden Jahr von einer Sektorrotation geprägt sein wird.
> Frank Tonsen, Veritas SGWas sich im Vorjahr am deutschen Aktienmarkt abgespielte, war nichts weiter als ein Normalisierungsprozess. Mit knapp 4.000 Punkten ist der DAX gerade wieder auf einem Niveau angelangt, das er bereits vor sechs Jahren erreicht hatte. Die zunächst noch anhaltende Liquiditätshausse kann daher im weiteren Jahresverlauf durchaus in einer von solide steigenden Unternehmensgewinnen untermauerten Hausse münden. Wird der hiesige Reformkurs beibehalten, könnte der DAX stärker steigen als vielfach erwartet.
> Thomas Steinemann, Vontobel
Die aktuellen Konsens-Gewinnerwartungen für 2004 von 12% für die USA und rund 15% für die Schweiz und Europa erscheinen aufgrund einer weiter anziehenden Nachfrage als nicht übertrieben. Wir erwarten jedoch eine im Vergleich zu 2003 tiefere Aktienmarktperformance zwischen 5 % und 10 % für die Schweiz, Europa und die USA sowie zwischen 10 % und 15 % für Japan und Asien. Die Märkte werden volatiler werden. In der ersten Jahreshälfte sind spürbare Korrekturen möglich, ist der aktuelle Aufwärtsmarkt doch schon recht fortgeschritten. Im Jahresverlauf erwarten wir einen Wechsel hin zu defensiven Sektoren und großkapitalisierten Unternehmen.