“Tool-Time”: Hör mal, wer da hämmert!
Fondsgedanken
Der Markowitz im Westentaschenformat: Kein zweiter Wirtschaftsnobelpreisträger wird so gerne von der Fondsbranche bemüht wie Harry M. Markowitz. Der Begründer der modernen Portfoliotheorie eignet sich wie kein zweiter, um der Idee der Risikostreuung ein Gesicht zu geben. Was könnte noch mehr akademische Professionalität und wissenschaftliche Begründung liefern, als ein Computerprogramm, das ein Depot „optimiert“?
Was können die Portfolio-Optimierer leisten, was nicht? Die Kernaussage der Portfoliotheorie lautet sinngemäß: Weil „ex ante“, also „vorher“, nicht bekannt ist, welches Wertpapier sich am besten entwickeln wird, ist es sinnvoll nicht auf ein Pferd zu setzen, sondern das Risiko zu streuen. Auf diese Weise lässt sich eine „alles oder nichts“-Situation vermeiden. Setzt man allerdings nur auf die Pferde eines Stalls, ist die Risikostreuung geringer als bei Pferden verschiedener Herkunft.
Risikostreuung hängt also nicht allein davon ab, auf wie viele Werte man setzt, sondern auch davon, wie viel oder wie wenig sie miteinander zu tun haben. Die Korrelation ist bekanntlich das Maß für den Gleichlauf von Werten, berechnet aus den prozentualen Veränderungen mehrerer beobachteter Werte im Zeitablauf. Und da fängt die „Augenwischerei“ an:
„Ex post“, also im Nachhinein, können sehr exakte Berechnungen auf Basis der Vergangenheitsdaten gemacht werden: Welche Aktie, welcher Fonds ist wie stark gestiegen und wie groß war die Korrelation der Wertpapiere zueinander? Aus diesen Daten lässt sich im Nachhinein ein Portfolio berechnen, das hinsichtlich Rendite und Risiko auf der „Effizienzkurve“ liegt, also bei gegebener Rendite möglichst geringe Schwankungen zeigte oder bei gegebener Risikobereitschaft die höchst mögliche Rendite erwarten ließ. Die Ergebnisse sind bestechend konkret: Jene Aktien verkaufen, dafür jenen Fonds kaufen, Wertpapier X hat eine zu hohe Korrelation mit dem übrigen Depot und sollte reduziert werden, Wertpapier Y erhöht dagegen die Rendite des Depots und senkt gleichzeitig das Risiko.
Hört sich gut an, ist aber ein gefährlicher Trugschluss! Die Software vollbringt keine Wunder, sie bemüht sich nicht einmal um Zukunftsprognosen. Sie rechnet einfach auf Basis der Erwartungswerte. Erfolg und Misserfolg stehen und fallen mit der Qualität dieser Daten! Wer die Zukunft gut vorher- sagen kann, füttert die Depot-Optimierer mit seinen Erwartungen. Dass man an der Börse mit richtigen Prognosen Geld verdienen kann, ist allerdings weder neu, noch liegt es an der Software.
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