FINANZWELT sprach mit Bernd Greisinger, Dachfondsmanager der BG-Fonds
Finanzwelt: Herr Greisinger, Sie sind ein passionierter Dachfondsmanager. Worin sehen Sie die Vorteile bei Dachfonds im Vergleich zu Multimanager-Fonds?
Greisinger: Die Qualität eines Fonds misst sich immer in seiner Performance und in der Art und Weise, wie der Fondsmanager diese erzeugt hat. In einem Dachfonds nutzt man das Know-how von vielen überdurchschnittlich guten Zielfondsmanagern. Der Dachfondsmanager ist dazu da, die Asset-Allocation in dem Maße zu steuern, dass ein optimaler Anlageerfolg erzielt wird. So gesehen, kommt es nun auf die Qualität des Dachfondsmanagers an. Wenn er herausragende Leistungen erzielt, wird er grundsätzlich die vergleichbaren Multimanager-Fonds schlagen. Es ist also immer von entscheidender Bedeutung, wie der Dachfondsmanager die Asset-Allocation steuert und die richtige Auswahl der Zielfonds vornimmt.
Finanzwelt: Sie planen die Umstellung Ihrer Dachfonds auf Superfonds. Warum?
Greisinger: Die Umstellung auf Teil-I-Fonds ist zum 15.08.2004 für alle sechs BG-Fonds erfolgt. Die BG-Fonds sind somit inzwischen bereits Superfonds. Durch den Teil-I-Status hat man nun den immensen Vorteil, dass man Futures zur Absicherung von Fondspositionen einsetzen kann, was ein Teil-II-Dachfonds nicht darf. Ein Teil-II-Dachfonds muss, um Verluste zu vermeiden, sich von Fondspositionen trennen. Das wird mit großen Dachfondsvolumen immer schwieriger, da die Fondsindustrie am kurzfristigen Engagement in Zielfonds nicht interessiert ist. Eine Konfrontation mit den Fondsgesellschaften ist also bei wachsendem Dachfondsvolumen und hoher Umschlagshäufigkeit logische Konsequenz. Ein Teil-I-Dachfonds braucht sich nicht von Zielfonds trennen. Er verkauft kongruent passende Futures und ist somit der angenehme Partner der Fondsgesellschaften, da die Investitionsdauer in den Zielfonds sehr lange andauern kann. Es ist einfacher, durch Future-Verkauf auf fallende Märkte zu reagieren, als ein ganzes Dachfondsportfolio zu veräußern. Und es gibt zwei sehr interessante Möglichkeiten, Wertpapiere zu nutzen: Massiv unterbewertete Aktien, die nach starken Kursverlusten gute Erholungschancen bieten sowie Zertifikate, mit deren Hilfe man in überhitzten Märkten an fallenden Kursen partizipieren kann, was einem Teil-II-Dachfonds leider auch verwehrt ist. Mit einem Teil-I-Dachfonds kann man also unbeschwert große Fondsvolumina verwalten. Und genau das haben wir zum Ziel.
Finanzwelt: Kritiker entgegnen zum einen, dass wenn ein Dachfondsmanager jetzt in Einzeltitel investieren kann, er auch so manch böse Überraschung erleben wird, und zum anderen, dass eine Absicherung mit Derivaten recht teuer werden könnte. Was antworten Sie ihnen?
Greisinger: Welche Kritiker? Wer so etwas behauptet, ist entweder ein Nörgler oder Berufspessimist. Ein guter Dachfondsmanager wird - wie der Name es sagt - seinen Schwerpunkt in Fondsinvestitionen belassen. Direktinvestitionen in Einzeltitel bilden in der Regel die Ausnahme. Jeder Fondsmanager kann mit seinen Entscheidungen falsch liegen. Ein guter Fondsmanager zeichnet sich dadurch aus, dass er das Chance-Risiko-Verhältnis seiner Anlageentscheidungen abschätzen kann. Eine Absicherung durch Futures ist für die BG-Fonds zehn Mal günstiger als das Handeln mit Zielfonds. Wer also behauptet, dass der Futurehandel – entgegen der Praxis Fonds direkt zu kaufen bzw. zu verkaufen – die Kosten emporschraubt, hat keine Ahnung, wovon er spricht.